22.10.2019 08:41
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wahlen
Stadtbevölkerung ist übervertreten
Der neu gewählte Nationalrat ist städtischer geworden. Stammten vor vier Jahren noch 128 Nationalrätinnen und Nationalräte aus Städten, sind es nun 141. Damit ist die Stadtbevölkerung in der grossen Kammer klar übervertreten.

Gemäss Bundesamt für Statistik (BSF) leben in den Städten rund 63 Prozent der Wohnbevölkerung. Trotzdem stammen nun über 70 Prozent der Nationalrätinnen und Nationalräte aus der Stadt, wie eine Auswertung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA ergeben hat.

Die Zahl der Abgeordneten, die im ländlichen Gebiet wohnen, ist mit 27 unverändert geblieben. Hier stimmt das Verhältnis etwas besser: 13 Prozent der Parlamentarierinnen und Parlamentarier vertreten rund 16 Prozent der ländlichen Wohnbevölkerung.

Analyse nicht bekannt

Abgenommen hat die Zahl der Nationalrätinnen und Nationalräte aus dem so genannten intermediären Raum, der gemäss BSF sowohl städtische als auch ländliche Merkmale hat. In diesem Gebiet ist die Bevölkerung im Nationalrat schlecht vertreten.

Eine Analyse für die Übervertretung der Städte im Nationalrat ist dem Politologen Werner Seitz nicht bekannt. Ein möglicher Grund sei die sozioökonomische Struktur der Wohnbevölkerung in den Städten, sagte er auf Anfrage.

Grosse Bedeutung

Im politischen Alltag hat die Unterscheidung grosse Bedeutung. Städtische Parlamentarierinnen und Parlamentarier vertreten oft andere Interessen als jene aus ländlichen Gebieten. Beim Thema Mobilität macht sich die Herkunft besonders stark bemerkbar. Sie beeinflusst aber auch Entscheide zur Raumplanung, zum Umweltschutz oder zu Wirtschaftsfragen.

Auch in Volksabstimmungen zeigt sich immer wieder ein Stadt-Land-Graben, zuletzt etwa bei der Abstimmung über das Waffengesetz im vergangenen Mai.


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