9.08.2017 06:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Bern
Spannungen - Infoanlass abgesagt
Im Kanton Bern erhitzen einmal mehr Ideen für die Schaffung eines Transitplatzes für ausländische Fahrende die Gemüter. Der Gemeinderat von Wileroltigen BE hat wegen dieser Spannungen einen Informationsanlass abgesagt, der am Montag hätte stattfinden sollen.

An diesem Anlass wollte der zuständige Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus der Bevölkerung von Wileroltigen und Umgebung direkt erklären, wieso seine Direktion das Gelände unmittelbar an der Autobahn A1 ins Visier nahm. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) ist nämlich jetzt bereit, dem Kanton Bern dieses Terrain abzutreten.

Bis 200 Wagen

Nun haben sich aber just seit Anfang Juni ausländische Fahrende auf diesem Terrain niedergelassen - bis zu 500 Personen mit 200 Wagen. Derzeit sind es noch etwa 50 Wagen. Laut ASTRA tun sie dies - abgesehen von einer ersten Phase - illegal. Das Terrain befindet sich unmittelbar neben einer Autobahnparkplatz.

Bewohner von Wileroltigen beobachteten, wie ausländische Fahrende die Umgebung verunreinigten und unter freiem Himmel Waschmaschinen in Gang setzten. Das sorgte für Unmut. Es bildete sich ein Bürgerkomitee gegen die Pläne für den Transitplatz, und Plakate gegen den Transitplatz wurden aufgestellt.

Grosses Sicherheitsdispositiv erforderlich

In den letzten Tagen wurden nun solche Plakate niedergerissen oder versprayt. Die Facebookseite des Bürgerkomitees musste vom Netz genommen werden, weil unschöne Kommentare zu lesen waren. Deshalb befürchtete der Wileroltiger Gemeinderat handfesten Streit am Infoanlass, zu dem auch eine Festwirtschaft gehören sollte.

«Einander nicht gut gesinnte Gruppen» hätten am Anlass aufeinandertreffen können, sagte Gemeindepräsident Christian Grossenbacher am Dienstag an einer Medienkonferenz. Das hätte ein grosses Sicherheitsdispositiv erfordert, für das die Gemeinde bezahlen müsste. Auch Wileroltigens Behörden sind gegen den Platz. Der Berner Regierungsrat Neuhaus will nun zusammen mit Grossenbacher besprechen, wie die Bevölkerung der 380-Seelen-Gemeinde sowie der Nachbargemeinden auf eine andere Art direkt informiert werden kann.

Die Gemeinde Wileroltigen BE bekommt das dritte Jahr in Folge Besuch von ausländischen Fahrenden. Dies führt zu Unmut bei der Bevölkerung. Gemäss Landwirt Christoph Herren aus Wileroltigen benutzen die Fahrenden die Feldwege als Toilette oder sie gehen in die Felder der Bauern und verunreinigen so die Kulturen. Zudem würden sie an privaten Anschlüssen ihre Wassertanks auffüllen. Herren ist gegen die Einrichtung eines permanenten Transitplatzes für Fahrende. Das ganze Interview lesen Sie hier 

Erstes Projekt gescheitert

Das bernische Kantonsparlament hatte im vergangenen September ein Projekt der Kantonsregierung für einen Transitplatz für ausländische Fahrende an der A5 in Meinisberg als zu teuer abgelehnt. Neuhaus sagte, erst wenn ein offizieller Transitplatz vorhanden sei, verschwänden die immer wiederkehrenden Probleme der bernischen Gemeinden mit ausländischen Fahrenden.

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