18.11.2012 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bauernverband
Spannende Ausgangslage vor Wahl um Bauernpräsidium
Nach 12 Jahren tritt Hansjörg Walter als Präsident des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) zurück. Vier Kandidaten liefern sich ein offenes Rennen um das prestigeträchtige Amt.

Als Favoriten für das SBV-Präsidium gelten der St. Galler CVP- Nationalrat Markus Ritter und der Berner SVP-Nationalrat Andreas  Aebi. Im Rennen sind ausserdem der Freiburger FDP-Grossrat Fritz  Glauser und der Luzerner CVP-Kantonsrat Josef Dissler.

Walter hatte seine Demission bereits im Mai 2011 bekannt gegeben.  Trotz der langen Vorlaufzeit zeichnet sich keine Vorentscheidung ab.  Weder die SBV-Landwirtschaftskammer noch der Verbandsvorstand wollen  eine Wahlempfehlung abgeben.

Dies kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass alle Anwärter  das notwendige Rüstzeug mitbringen und gut in landwirtschaftlichen  Organisationen verankert sind. Dissler und Glauser sind  Vizepräsidenten des SBV, Ritter ist SBV-Vorstandsmitglied, und Aebi  amtet als Präsident des Schweizerischen Fleckviehzuchtverbands.

Parteibuch als Stolperstein

Sollte die Wahl auf Markus Ritter fallen, so stünde erstmals ein  Biobauer an der Spitze des Verbands. Der 45-jährige Landwirt aus dem  St. Galler Rheintal stieg 2001 auf die Bio-Produktion um; sein  Betrieb ist auf Milchwirtschaft ausgerichtet. Seit 2005 präsidiert  Ritter den St. Galler Bauernverband.

Als grösster Konkurrent gilt Andreas Aebi. Der Emmentaler ist  nicht nur Bauer und SVP-Nationalrat, er hat auch ein Reisebüro  aufgebaut. Pluspunkte dürfte ihm seine Mehrsprachigkeit einbringen,  hat er doch längere Zeit in der Romandie und in Kanada gelebt.

Als Stolperstein hingegen könnte sich Aebis Parteibuch erweisen.  Er ist wie der abtretende Präsident Hansjörg Walter SVP-Mitglied.  Traditionell gilt bei der Besetzung des SBV-Präsidiums das  Rotationsprinzip: In den letzten Jahrzehnten hätten sich SVP, FDP  und CVP abgewechselt, sagte SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein auf  Anfrage. Dies sei jedoch nirgends festgeschrieben.

Nationale Fachorganisationen halten sich bedeckt

Wer das Rennen macht, entscheiden die Delegierten aus den 25  Kantonalverbänden und den 60 Dach- und Fachorganisationen am  kommenden Mittwoch. Nicht überraschend portieren kantonale Verbände  Kandidaten aus ihrer Region. Während der Berner Bauernverband Lobag  Andreas Aebi vorschlägt, sprechen sich die Zentralschweizer  Milchproduzenten für Josef Dissler aus. Markus Ritter kann auf  Ostschweizer und Bündner Unterstützung zählen.

Bedeckt halten sich dagegen die nationalen Fachorganisationen.  Weder die Branchenorganisation Milch noch Bio Suisse oder der  Landwirtschaftskonzern Fenaco wollten sich auf Anfrage der  Nachrichtenagentur sda zur Wahl äussern.

Der derzeitige SBV-Präsident und Nationalratspräsident Hansjörg  Walter ist seit zwölf Jahren oberster Bauer der Schweiz. Den 61- jährigen Landwirt aus dem Thurgau zeichnet vor allem seine grosse  Akzeptanz über die Grenzen der Landwirtschaft hinaus aus.

Auch im Parlament geniesst er hohes Ansehen. Im Dezember 2008  wäre er beinahe Bundesrat geworden: Linke, Grüne und Teile der CVP  hatten ihn als Sprengkandidaten gegen Ueli Maurer ins Spiel gebracht.

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