21.10.2019 16:32
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Wahlen
Simon zaudert – Chance für Landwirt
Sie ist das Aushängeschild der Berner BDP: Die kantonale Finanzdirektorin Beatrice Simon. Die Talfahrt ihrer Partei ging jahrelang spurlos an ihr vorbei, sie reihte einen Wahlsieg an den anderen. Doch seit Sonntagabend steckt sie in der Zwickmühle. Dies könnte eine Chance für einen altbekannten Landwirt werden.

Es sieht ganz danach aus, als hätte sie sich verspekuliert. Und wie sie sich nun entscheidet - es wird ihr neuen Ärger bereiten.

Grosse Enttäuschung

Eigentlich wollte die 58-jährige Beatrice Simon Ständerätin werden, als Nachfolgerin von Werner Luginbühl, der nicht mehr antrat. Und ihre Partei drängte sie zur Kandidatur, um den BDP-Sitz im «Stöckli» zu retten.

Doch die Wahl geriet zur schweren Enttäuschung. Simon, 2018 noch die bestgewählte Regierungsrätin im Kanton Bern, kam bloss auf Platz vier - deutlich hinter dem rotgrünen Duo und auch klar hinter Werner Salzmann. Der SVP-Kandidat triumphierte sogar in Simons Heimatgemeinde, dem beschaulichen Seedorf im Seeland.

«Vielleicht will mich Volk lieber als Finanzdirektorin»

Ob Simon nochmals antritt, lässt sie bislang offen. Erstens kann sie das nicht allein entscheiden - sie muss sich mit ihrer Partei, aber auch mit SVP und FDP absprechen. Und zweitens ist es in jedem Fall ein heikler Entscheid. Verzichtet sie auf die Stichwahl, gibt sie den BDP-Sitz in der kleinen Kammer kampflos preis. Drängt sie auf eine erneute Kandidatur, könnte das die bürgerliche Mehrheit in der Kantonsregierung gefährden.

Denn als Ständerätin müsste sie die Kantonsregierung verlassen, so will es das Gesetz. Und in einer Ersatzwahl hätte das rotgrüne Lager durchaus Gewinnchancen. In dem Fall würden die Linke auch gleich die Mehrheit in der Regierung zurückerobern - eine Horrorvorstellung für Berns Bürgerliche, die erst seit 2016 wieder am Drücker sind.

Das weiss natürlich auch Simon. «Vielleicht will mich das Volk einfach lieber als Finanzdirektorin», sagte sie am Sonntag um 20 Uhr mit Blick auf die Ständeratsresultate. Da kannte sie allerdings die Nationalratsresultate noch nicht. Und die brachten sie wenig später noch stärker in die Bredouille.

Das nächste Problem

Das Volk wählte Simon nämlich in den Nationalrat. Wird es also nichts mit dem Ständerat, muss Simon schon die nächste knifflige Frage lösen.

Nimmt sie das Nationalratsmandat an, muss sie das Amt der Regierungsrätin aufgeben für einen Job im Bundeshaus, wo sie als Mitglied der zur Kleinpartei geschrumpften BDP kaum noch politischen Einfluss hätte. Das ist auch Simon klar. Dementsprechend sagte sie am Sonntagabend ausdrücklich, sie sage einstweilen «nicht Ja» zum Mandat. Zuerst müsse man «alles besprechen».

Landwirt könnte profitieren

Eine Ablehnung des Amts wäre ein sehr ungewöhnlicher Schritt. Für Aussenstehende sähe die Sache dann so aus: Simon wollte einen neuen Job, den sie nicht bekam. Sie bekam dafür einen, der ihr offenbar zu wenig ist. Da bleibt sie lieber im alten Job, den sie eigentlich nicht mehr wollte.

Imagemässig mag das alles suboptimal sein. Aber die Bürgerlichen würden sich freuen, den so blieben sie in der Berner Regierung sicher in der Mehrheit. Und strahlen würde wohl Simons Parteifreund Heinz Siegenthaler. Der Hanfbauer wurde soeben als Nationalrat abgewählt - und sieht nun die Chance, in die grosse Kammer nachzurutschen. Übrigens schon zum dritten Mal. 2014 und 2017 hatte de Landwirt aus Rüti bei Büren den Sitz von BDP-Leuten geerbt, die während der Legislatur abtraten.

Siegenthaler wird als Hanfbauer bezeichnet, weil er sich für eine Gleichbehandlung von Cannabis und hochprozentigem Alkohol, sprich eine Legalisierung von THC-haltigen Cannabisprodukten einsetzt. Über 200'000 Personen in der Schweiz würden regelmässig Cannabisprodukte konsumieren. "Die aktuelle Gesetzgebung fördert indirekt den kriminellen Drogenhandel und bindet unnötigerweise personelle und finanzielle Mittel von Strafverfolgungsbehörden, ohne eine Wirkung zu zeigen", schreibt er in seiner Motion, die im Parlament noch nicht behandelt wurde.

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