30.07.2014 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Zürich
Sechseläuten: Kritik am «Fischewerfen»
Am Zürcher Sechseläuten werden von der Schiffleuten-Zunft traditionsgemäss tote Fische ins Publikum geworfen. Der Zürcher Tierschutzbund fordert die Zunft nun dazu auf, diese Tradition aufzugeben. Sie sei ein Affront gegenüber dem Leben.

Für die so genannten Stubengesellen, den Nachwuchs der Schiffleutenzunft, ist das «Fischewerfen» ein wichtiges Ritual: Es handelt sich um eine bald 100 Jahre alte Tradition, die an die Abgabe von Lebensmitteln erinnern soll.

Schwalen und Weissfische

Gerne zielen die Jungzünfter auf Balkone und Fenster, aber auch die Zuschauer entlang der Umzugsroute werden nicht verschont. Geworfen werden Schwalen und Weissfische, die heute als Lebensmittel nicht mehr beliebt sind und gewöhnlich zu Fischmehl verarbeitet werden.

Der Zürcher Tierschutzbund will dieser Tradition nun ein Ende setzen: In einem offenen Brief fordert er die Zunft dazu auf, «für einen ethisch einwandfreien Ersatz» zu sorgen. Das Fischewerfen sei ein Affront gegenüber Lebewesen, schreibt Präsident York Ditfurth in dem Brief, der am Mittwoch den Medien zugestellt wurde.

Es sei nicht akzeptabel, dass mit Lebewesen, auch wenn sie tot seien, derart unwürdig umgegangen werde. Das sei respektlos.

Genehmigung für «Kadaverwerfen»

Bei der Zunft war am Mittwoch niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte Zunftmeister Peter Neuenschwander, dass man die Kritik Ernst nehme. «Den Brauch abschaffen werden wir aber nicht.»

Die Kritik des Tierschutzbundes richtet sich aber nicht nur gegen die Zunft, sondern auch gegen die Stadt Zürich, die das «Kadaverwerfen» duldet. Die Tierschützer fordern von der Stadt, ab 2015 das Werfen von toten Fischen und Tierkadavern jeder Art zu verbieten.

Das Fischewerfen sei bisher noch nie ein Thema gewesen, sagte Reto Casanova, Sprecher des städtischen Polizeidepartementes, auf Anfrage der sda. Der Rechtsdienst werde das Thema nun aber abklären. Wahrscheinlich gebe es gar keine juristische Grundlage.

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