23.01.2014 07:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Bundesrat
«Schweizer Landwirtschaft hat im Bereich Ressourceneffizienz noch Verbesserungspotential»
Bundesrat Johann Schneider-Ammann zur Bedeutung des Schweizer Auftritts in Berlin und wieso ein schonender Umgang mit Ressourcen Gebot der Stunde ist.

Die Exporte von Käse, Fleisch und Schokolade nach Deutschland sind in den letzten Jahren wert- und mengenmässig gestiegen. Was kann ein Messeauftritt wie an der IGW zum Exporterfolg beitragen?
Johann Schneider-Ammann: Die Internationale Grüne Woche ist ein wichtiger Treffpunkt und eine hervorragende Plattform für die Präsentation unserer qualitativ hochstehenden Produkte. An dieser Traditionsveranstaltung haben wir die Gelegenheit, einem grossen und internationalen Publikum die Produkte und Dienstleistungen der Sektoren Ernährung, Landwirtschaft und Tourismus näherzubringen. Weil Deutschland für unsere Produzenten von Lebensmitteln und Hersteller von Spezialitäten und verarbeiteten Produkten eine grosse Bedeutung hat, ist ein Auftritt hier in Berlin schon fast unverzichtbar.

Welche weiteren Faktoren halten Sie für entscheidend, damit sich Schweizer Lebensmittel auf dem deutschen Markt behaupten können?
Nicht nur für den deutschen Markt gilt, dass Produkte aus der Schweiz vor allem die Qualitätsführerschaft anstreben müssen. Hohe Produktqualität und Produktinnovationen sowie traditionelle Spezialitäten sind Erfolgsfaktoren am Markt. Spezifische, freiwillige Qualitätsanforderungen ermöglichen die Differenzierung. Dies trägt den verschiedenen Bedürfnissen der Konsumenten und der Vielfalt der Nachfrage Rechnung. Die Land- und Ernährungswirtschaft sollte sich dabei an Werten wie Natürlichkeit, Genuss, Sicherheit und Gesundheit sowie Herkunft Schweiz orientieren.

Sind zukünftig noch Steigerungen der Exporte möglich?
Wenn die Branche die Qualitätsstrategie konsequent anwendet, offensiv auf die ausländischen Märkte zugeht und die Kosten auf allen Stufen der Wertschöpfungskette konsequent optimiert und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit steigert, sind Steigerungen durchaus denkbar.

Die Schweizer Sonderschau hat Ressourceneffizienz zum Thema. Wie wichtig ist diese im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung und den steigenden Nahrungsmittelbedarf?
Wir wissen es ja alle: Die natürlichen Ressourcen, die Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion, sind nicht unendlich erweiterbar, beziehungsweise sie sind irgendwann aufgebraucht. Vor allem fruchtbarer Boden ist ein knappes Gut. Wir verbrauchen die natürlichen Ressourcen der Erde schneller als diese sich zu regenerieren vermögen. Wir leben also auf Kosten anderer Erdteile und künftiger Generationen. Ein schonender Umgang mit diesen Ressourcen ist deshalb ein Gebot der Stunde. Eine Erhöhung der Produktion, die nötig ist, damit wir die Menschheit ernähren können, muss zwingend im Gleichschritt mit einer Verbesserung der Ressourceneffizienz und einer Reduktion der Emissionen bewerkstelligt werden. Auch die Schweizer Landwirtschaft hat in diesem Bereich durchaus noch Verbesserungspotential.

Ist die Verbindung einer nachhaltigen und dennoch möglichst produktiven Landwirtschaft möglich? Welchen Weg sehen Sie in diesem Zusammenhang für die Schweizer Landwirte?
Diese Dualität muss möglich sein, die strategischen Schwerpunkte des Bundesrats, aber auch die Massnahmen in der AP 14-17 zielen ja ebenfalls in diese Richtung: Zum einen ist mit den agrarpolitischen Massnahmen sicherzustellen, dass das natürliche Produktionspotenzial optimal genutzt und eine Produktion im heutigen Umfang erhalten bleibt. Zum andern müssen wir die Ressourcen effizient nutzen und den nachhaltigen Konsum fördern. Dies gilt sowohl in der landwirtschaftlichen Produktion als auch in der gesamten Wertschöpfungskette. Ein besonderes Augenmerk gilt es auf die Erhaltung des fruchtbaren Kulturbodens und der Biodiversität zu legen. Damit die agrarpolitischen Ziele erreicht werden, ist es wichtig, dass sich das Nachfrageverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten ebenfalls in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt.

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