17.06.2019 19:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Medien
Schlagabtausch zwischen SBV und NZZ
Auf der Kommunikationsplattform Twitter haben sich der Schweizer Bauernverband und der NZZ-Redaktor Christof Forster eine Diskussion über eine Studie von Agroscope bezüglich der Trinkwasserinitiative geliefert. Zwei Sätze sorgten dabei für Unstimmigkeiten. Agroscope lieferte in der Folge eine Klarstellung.

Die Forschungsanstalt Agroscope veröffentlichte am vergangenen Donnerstag eine Studie zu möglichen Folgen eines Ja zur Trinkwasserinitiative. Ausgegangen wird von 18 Szenarien zu Ertragsverlusten, Preisänderungen und dem verfügbaren Geld für Direktzahlungen bis 2025.

Ohne Geld vom Bund

Gemäss der Studie könnten je nach Szenario 33 bis 63 Prozent der Schweine- und Geflügelbetriebe und sogar 51 bis 93 Prozent der Betriebe mit Spezialkulturen ohne Geld vom Bund und dafür mit weniger ökologischen Vorgaben profitabler arbeiten. Das Umweltrecht würde ihnen dann Grenzen setzen für die Intensivierung.

Weiterhin Direktzahlungen beziehen würden laut der Studie die meisten Betriebe mit Raufutter fressenden Tieren (87 Prozent). Denn für sie würde es sich nicht lohnen, ohne Direktzahlungen zu arbeiten, heisst es in der Studie.

Sätze sorgten für Diskussionen

Die NZZ hat ebenfalls über die Studie von Agroscope berichtet. Folgende Sätze sorgten für einen Schlagabtausch zwischen dem Journalisten und dem Schweizer Bauernverband (SBV). Im NZZ-Artikel hiess es, dass auf Antrag des Bauernverbandes zu den ursprünglich neun Szenarien noch weitere neun in die Studie aufgenommen worden sind. «Es überrascht nicht, dass in der Mehrheit der vom Bauernverband eingebrachten Szenarien die Einkommen der Landwirte sinken, teilweise massiv», schrieb NZZ-Redaktor Christof Forster in seinem Artikel weiter.

Die Trinkwasserinitiative fordert, dass nur noch Bauernbetriebe Direktzahlungen erhalten, die keine Pestizide einsetzen und ohne prophylaktischen Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung auskommen. Zudem sollen Betriebe mit Direktzahlungen ihre Tiere mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernähren können.

Christof Forster hielt auf seinem Twitter-Account fest, dass gemäss Auskunft von Agroscope «die zusätzlichen Szenarien (ohne Umverteilung der frei werdenden finanziellen Mittel) nach einer Diskussion mit Vertretern des Bauernverbandes von Agroscope in die Studie aufgenommen wurden».

SBV: Hatten keinen Einfluss

Diesen Tweet liess der SBV nicht auf sich sitzen. «Diese Aussage ist falsch. Wir hatten kein Treffen zu irgendwelchen Szenarien. Es lief alles über die Begleitgruppe», liess der Verband über seinen Twitter-Kanal verlauten. «Diese Aussage habe ich schriftlich auf eine Anfrage bei Acroscope erhalten», konterte der Journalist. Der Bauernverband habe «überhaupt keinen Einfluss auf die Anzahl Szenarien genommen. Die kamen alle von Agroscope. Die Begleitgruppe hat zu allen Szenarien das OK gegeben», hielt der Verband fest. Der SBV forderte in Folge die Forschungsanstalt auf, Stellung zu beziehen. 

Die Forschungsanstalt kam dieser Bitte nach. Falsch sei, dass es spezifische Treffen zwischen SBV und Agroscope zur Szenariendiskussion für die Folgeabschätzung gegeben habe, heisst es in der Klarstellung. Richtig hingegen sei, dass der Bauernverband im Sommer 2018 zu einer Sitzung eingeladen habe, Dort nahmen Vertreter der Hochschule für Agrarwissenschaften (Hafl), von Agroscope und vom SBV teil. An dieser Sitzung wurden die Datengrundlagen präsentiert.

Wissenschaftlich relevant

«Die wissenschaftliche Diskussion zeigte, dass die Frage der Umverteilung und deren Wirkung auf die Einkommen in der Landwirtschaft mit der von der Begleitgruppe diskutierten Szenarien nicht beantwortet werden könnten. Agroscope erachtete die Frage als wissenschaftlich relevant. Deshalb wurden zusätzliche Szenarien mit und ohne Umverteilung aufgenommen», hält die Forschungsanstalt fest.

Die Szenarien und die Modellrechnungen wurden an der 2. Begleitgruppensitzung Ende Oktober 2018 vorgestellt. Agroscope hat an dieser Sitzung keine Rückmeldung zu den Szenarien erhalten. Die Begleitgruppe setzte sich aus Vertreterinnen und Vertreter des SBV, der ETH, des Bundesamts für Umwelt BAFU, des Bundesamts für Landwirtschaft BLW, der Vision Landwirtschaft und Pro Natura zusammen. 

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