25.01.2020 07:13
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Verbände
«Probleme proaktiv angehen»
Der Geschäftsführer des Berner Bauernverbandes, Andreas Wyss, ist überzeugt, dass die Landwirtschaft bei schwierigen Themen in die Offensive gehen muss, statt abzuwarten.

Angesprochen auf die Kritik an der Schweizer Landwirtschaft, die während seinen sieben Jahren als Geschäftsführer des Berner Bauernverbandes  zugenommen hat, erwähnt Andreas Wyss die gestiegene Lücke zwischen kommuniziertem Bild und Realität  und die gestiegene Sensibilität für die Herkunft der Lebensmittel.

Berner haben angepackt

Er sagt aber auch: «Über gewisse Themen haben wir als Landwirtschaft gar nicht gesprochen, zum Beispiel über den Pflanzenschutz. Weil wir immer wussten, dass es schwierig ist.» Das sei auch verständlich. Aber im Nachhinein gesehen sei das wohl ein Fehler gewesen. «Denn irgendwann sind zu viel Fragen im Raum und das Verständnis ist nicht mehr da. Und dann muss sehr viel Energie ins Erklären investiert werden. Das braucht dann viel Zeit.

Abgesehen vom Erklären – hätte die Landwirtschaft auch früher Massnahmen angehen sollen? «Ja, auf jeden Fall», antwortet der gelernte Landwirt und Agronom FH. «Ich glaube, wir im Berner Bauernverband haben in den letzten Jahren die Philosophie gelebt, dass wir agieren wollen.» Man habe seinerzeit, als das Ressourcenprogramm zu Boden am Auslaufen war, überlegt, wo das nächste Handlungsfeld liege. «Wir machten den Pflanzenschutz als nächstes Thema aus und starteten mit dem Kanton im Jahr 2014 das Berner Pflanzenschutzprojekt», erzählt er.

«Zukunft selbst gestalten»

Allgemein sagt er, dass die landwirtschaftlichen Organisationen vielleicht etwas zu wenig agil seien, wenn es darum gehe, kommende Themen zu erkennen und an Lösungen zu arbeiten. «Die Gefahr besteht, und ich verstehe das gut, auch bei unserem Berner Pflanzenschutzprojekt hörten wir das: ‹Wenn wir selbst etwas lancieren, geben wir zu, dass es ein Problem gibt.›» Etwas selbst anzugehen, sei zwar nicht attraktiv. «Aber wenn man der Überzeugung ist, dass ein Thema ohnehin aufkommt, ist es sehr wahrscheinlich sinnvoller, dieses selbst anzupacken», betont er.

Es gibt auch den Einwand, dass ergriffene freiwillige Massnahmen später obligatorisch werden könnten. Doch Wyss unterstreicht: «Wer proaktiv eigene Massnahmen aufgleist, kann diese selbst gestalten.» Die einzigen, die für ein Problem praxistaugliche Lösungen erarbeiten könnten, seien nämlich die Bauern selbst. «Es ist nicht zu erwarten, dass die Bundesämter oder die Wissenschaft von sich aus mit solchen Lösungen kommen», sagt Wyss aus Erfahrung.

Nährstoffe als nächste Problemzone

Und wo liegt für ihn die nächste Problemzone, die es zu erkennen gilt? Die Nährstoffe, antwortet er. In dem Zusammenhang fordert der Bundesrat in der AP 22+ die Senkung der erlaubten Düngergrossvieheinheiten von 3 auf 2,5 pro Hektare. «Das ist sicherlich keine sinnvolle Massnahme. Aber wir können wohl nicht bloss  diese Senkung einfach verhindern. Sondern ich finde, wir müssen uns überlegen, was wir stattdessen machen können, das die Bauern nicht um ihre Existenz bringt und gleichzeitig ein offensichtlich vorhandenes Problem wirklich löst», so Wyss.

Andreas Wyss ist gelernter Landwirt und Ingenieur Agronom FH, mit Weiterbildung im Management von Non-Profit-Organisationen. Nach Abschluss des Studiums leitete Andreas Wyss die Geschäftsstelle einer schweizweit tätigen Non-Profit-Organisationen. 2006 trat er die Stelle als Geschäftsführer der Landi Rüegsbach an. Nach der Fusion der Landi Rüegsbach mit der Landi Landiswil-Obergoldbach zur Landi Aemme war er von 2010 bis 2012 deren Geschäftsführer.

Wyss trat im Herbst 2012 die Nachfolge von Donat Schneider an. Nun wird er den Berner Bauernverband Ende Januar 2020 verlassen. blu

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