7.04.2013 07:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Bauernverband
Peter wäre erste Bäuerin als SBV-Vize
Peter wäre erste Bäuerin als SBV-Vize Am 26. April wählt die Landwirtschaftskammer des SBV einen neuen Vizepräsidenten. Liselotte Peter, Vizepräsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SBLV), ist eine der drei Kandidierenden.

«Im Baumgarten» heisst der Hof von Liselotte und Ernst Peter in Kefikon TG. Und tatsächlich öffnet sich vor den Gebäuden, die an der Strasse zwischen Kefikon und Islikon stehen, nach Osten eine grosse Hofstatt.

130 Hochstammbäume pflegt die Familie Peter insgesamt. Eigenes Tafelobst und Most sind im Hofladen zu kaufen, daneben Eier vom Hof und Käse von der Alp Stätz GR, wohin Peters in den letzten Jahren einige Kühe in die Sömmerung gaben.

Aufgaben auf dem Hof

Seit fast 30 Jahren ist Liselotte Peter hier zu Hause, aufgewachsen ist sie als Bauerntochter in Mattwil TG. Als Primarlehrerin, zu der sie sich ausbilden liess, hat sie nur ganz kurz gearbeitet. Schon ihre Schwiegermutter sei in der Direktvermarktung aktiv gewesen, sagt Peter. «Wegen meines Engagements in der Politik fand ich aber nicht die Zeit, um diesen Betriebszweig so auszubauen, wie ich mir das einst vorgestellt hatte», resümiert sie.

Jeden Tag macht sie Stallarbeiten, ohne das Melken. Die Obsternte ist weitgehend ihre Aufgabe, auch beim Administrativen übernimmt sie vieles und steht daneben zur Verfügung für «das, was gerade anfällt», wie sie erklärt. Vier Kinder haben Liselotte und Ernst grossgezogen. Die drei Töchter sind heute zwischen 23 und 27 Jahre alt, der 18-jährige Sohn ist in der Ausbildung zum Landwirt und möchte dereinst den Betrieb weiterführen.

...in der Politik

1991 half sie bei der Neugründung der SVP-Ortspartei mit. Das sei wohl ein Schlüsselmoment gewesen, erinnert sie sich. Nicht ihr Mann, sondern sie selbst sei im Gründungskomitee dabei gewesen. 1997 wurde sie in den Gemeinderat gewählt. Die Exekutivarbeit im Ressort Soziales und Gesundheit hat ihr sehr gut gefallen. «Ich kam an die Leute heran, sah Resultate.» 2000 kam sie in den Kantonsrat, aus dem sie 2012 nach drei Amtsperioden zurücktrat, um sich ihren nationalen Aufgaben zu widmen. 

Beim SBLV sitzt sie seit 2009 im Vorstand, und zwar als Vizepräsidentin. Dorthin sei sie als eigentliche Quereinsteigerin gelangt, sagt sie. Wohl sei sie Mitglied im lokalen Landfrauenverband gewesen, aber die kantonalen Versammlungen habe sie nur als eingeladene Kantonsrätin besucht. Über das Mandat beim SBLV kam sie 2012 in den Vorstand des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV), als jenem dort neu zwei Sitze zugestanden wurden.

Und nun kandidiert die 51-Jährige für das SBV-Vizepräsidium. Agrarpolitik habe sie schon immer interessiert, erklärt Peter. Seit 20 Jahren schon sei sie etwa in der Landwirtschaftskommission der SVP Thurgau aktiv. «Gerne würde ich als Vizepräsidentin des Bauernverbands an dessen strategischer Ausrichtung mitwirken», sagt sie. Der SBV sei heute aber sehr gut aufgestellt, schiebt sie nach.

Eine Frau als Vize

Es gehe aber auch darum, dass Frauen in solchen Führungsgremien Einsitz und Einfluss nehmen könnten. «Bei den landwirtschaftlichen Organisationen gibt es einen Nachholbedarf, was die Vertretung der Frauen betrifft», sagt Peter. Dabei hätten Bäuerinnen oft ausgezeichnete Managementfähigkeiten, und «sie haben auch gelernt, dem Druck standzuhalten». Peter ist überzeugt, dass sie mit all ihren Erfahrungen dem SBV als Vizepräsidentin viel nützen könnte.

«Sich damit abfinden» sei das richtige Wort, antwortet sie auf eine Frage zur Agrarpolitik 2014–2017. Begeisternd sei das Resultat nicht, vor allem nicht für die auf das Kerngeschäft ausgerichteten, produzierenden Betriebe. Peter bedauert, dass das Parlament an der Vorlage letztlich nicht sehr viel geändert habe.

Nun müsse auf die Verordnungen so gut wie möglich Einfluss genommen und der Boden langfristig bereitet werden. Ein Referendum würde mehr schaden als nützen, stellt sie klar. Es sei unter den Landwirten keine Einigkeit erzielbar. «Wenn ein Bauer das sagt, ein anderer etwas anderes, kommt es nicht gut an in der Bevölkerung.» 

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