26.09.2013 06:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Lanz
Zürich
Ohne neuen Stall droht das Aus
Da veralteten Stallungen an der Weierstrasse sollen für rund 1,6 Mio. Franken erneuert werden. Die Winterthurer Stadtregierung holt damit ein Projekt wieder aus der Schublade, das sie vor einem Jahr aus Spargründen sistiert hat.

Weil der Grosse Gemeinderat der Stadtregierung anlässlich der letztjährigen Budgetdebatte einen Sparkurs verordnet hatte, wurde im Dezember 2012 auch der Neubau des Stalls mit Scheune für den städtischen Bauernbetrieb an der Weierstrasse in Winterthur-Seen vorläufig auf Eis gelegt. Jetzt unterbreitet der Stadtrat dem Parlament einen aktualisierten Antrag, wiederum in der Höhe von rund 1,6 Millionen Franken.

Das neu aufgelegte Projekt sieht unter anderem den Bau eines Laufstalls für Milchkühe vor. Die Investitionen erfolgen in Liegenschaften des Finanzvermögens und werden hauptsächlich über die laufende Rechnung finanziert. «Die bisherigen Stallungen sind veraltet und halten die Vorgaben der Tierschutzgesetzgebung nicht mehr ein», sagt SP-Stadträtin und Finanzvorsteherin Yvonne Beutler. Genau da liegt der wunde Punkt: So wie der Betrieb heute aufgestellt ist, kann er nicht tierschutzgesetzkonform bewirtschaftet werden. Lehnt der Gemeinderat die Vorlage ab, müsste die Stadt den Hof konsequenterweise aufgeben.

Städtische gegen Private

Mit diesem Szenario konfrontiert, betont der betroffene Pächter Martin Nussbaumer, dass er in der Vergangenheit alles unternommen habe, um gemeinsam mit der Stadt eine einvernehmliche Lösung zu finden. Diese ist nach wie vor Eigentümerin von zehn Landwirtschaftsbetrieben. Beim städtischen Pachtland handle es sich um wichtige Landreserven, die auch in Zukunft in städtischem Eigentum verbleiben sollen, betont Beutler. «Ein Teil der Höfe ist aber veraltet und entspricht nicht mehr den geltenden Tierschutzvorschriften.»

Die von der Stadt aufgegleisten Sanierungsprojekte stossen allerdings nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. Nicht nur der Kosten wegen. Mehrere Gemeinderatsfraktionen stellen auch in Frage, ob es Aufgabe der öffentlichen Hand sei, eigene Landwirtschaftsbetriebe zu unterhalten und mit Steuergeldern private Landwirte zu konkurrieren. Als die Stadt per Ende 2012 vier selbstständigen Landwirten knapp ein Zehntel der Betriebsfläche gekündigt hatte, um es den städtischen Betrieben zuzuschlagen, damit diese auch in Zukunft als Vollerwerbsbetriebe erhalten werden können, sorgte dies nicht nur in bäuerlichen Kreisen für Aufregung.

Will keine Spaltung

Nussbaumer betont in diesem Zusammenhang, dass er in den letzten Jahren stets auf zusätzliches städtisches Pachtland verzichtet habe, «welches aktiven Landwirten weggenommen wurde». Ihm sei es immer um eine solidarische Pachtlandverteilung gegangen. Er warnt vor einer aufgeheizten Debatte. «Ich habe Mühe damit, wenn bereits von der allfälligen Schliessung eines langjährigen und zukunftsfähigen Familienbetriebs die Rede ist.»

Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass sich der Grosse Gemeinderat zwischen dem Erhalt des Betriebs und den geforderten Sparmassnahmen entscheiden muss. «Die Forderung, unseren Hof aufzulösen, um das Land an Berufskollegen zu verteilen, kann ich aber verständlicherweise nicht unterstützen.» So würden die Bauern auseinanderdividiert, sagt Nussbaumer. «Angesichts der sonst schon schwierigen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft eine unhaltbare Situation.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE