14.05.2019 18:04
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Agrarpolitik
«Nicht kaputt machen lassen»
An der Gesellschafterversammlung der TSM Treuhand GmbH standen die Nachfolgelösung zum Schoggigesetz und sowie der neue Branchenstandard nachhaltige Milch im Fokus. Und BLW-Direktor Bernard Lehmann, der der Landwirtschaft riet, sich "nicht von destruktiven Initiativen kaputt machen zu lassen".

Inhaltlich habe das Geschäftsjahr ganz im Zeichen der Nachfolgelösung des Schoggigesetzes gestanden, sagte Präsident Andreas Wasserfallen, der zum ersten Mal durch die Gesellschafterversammlung der TSM Treuhand GmbH führte.

950 Milchbauern fehlen noch

Im vergangenen Jahr stockte die TSM nicht zuletzt wegen dieser neuen Lösung um 120 Stellenprozent auf, wie Geschäftsführer Peter Althaus erklärte. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die Gesuchsstellung habe bisher gut funktioniert, sagte Mirjam Held, Bereichsleiterin Milchproduktion. Aber noch haben nicht alle Milchproduzenten ihre Gesuche eingereicht. Aktuell fehlen noch rund 950. Für diese Produzenten ist ein Erinnerungsschreiben geplant. Die Verwirkungsfrist ist der 15. Dezember. Erste Produzenten erhielten hingegen das Geld bereits Ende Februar ausbezahlt.

Dieses Jahr stark beschäftigen werde die TSM sicher der neue Branchenstandard nachhaltige Milch, auch bekannt unter dem Arbeitstitel "Grüner Teppich", sagte Peter Althaus. Damit das Datenmanagement funktioniert, mussten bereits Vorarbeiten getroffen werden ohne die Gewissheit, dass der Standard tatsächlich kommt. Anfang Mai stimmte die Branchenorganisation Milch (BOM) aber zu, so dass das Projekt am 1. September starten kann. Ab Anfang Juli sollen Milchproduzenten Nachhaltigkeitsindikatoren per Selbstdeklaration in der Datenbank Milch (dbmilch.ch) hinterlegen können. Die TSM prüft dann diese Angaben oder lässt sie überprüfen.

Vor der TSM-GV hielt der in Kürze in Pension gehende Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, Bernard Lehmann, ein Referat zu Milch und Landwirschaft. Im internationalen Bereich ging er aufs Bevölkerungswachstum ein, das dafür sorgt, dass künftig deutlich mehr Nahrungsmittel zur Verfügung stehen müssen.

Nachfrage nach Milch wird steigen

Die Produktivität müsste bis 2050 um 50 Prozent gesteigert werden. Der UNO schwebt dabei eine Produktionssteigerung um 30 Prozent und eine Reduktion der Nachfrage um 15 Prozent, um das Ziel zu erreichen. Für Lehmann ist klar, dass auch die Schweiz zum Produktionszuwachs beitragen muss. Alles andere wäre seiner Ansicht nach ethisch nicht vertretbar.

Spezifisch im Milchbereich wird die Nachfrage in den Entwicklungsländern steigen. Dabei haben die Länder unterschiedliche Strategien. Während China auf eine Steigerung der Milchleistung setzt, vergrössert Indien die Herden. Die chinesische Produktion bezeichnete Lehmann als "Hors-sol". Sprich, die Futtermittel stammen von weit her. China werde die Produktion steigern, aber vor allem auch Milchprodukte importieren, dies es selbst nicht oder kaum herstellt - wie zum Beispiel Käse.

Nur positive Worte für Branchenstandard

Viel Lob gab es für den neuen Branchenstandard nachhaltige Milch. "Hut ab, dass sie diesen grünen Teppich zustande bringen", so Lehmann an die Branche. "Sie machen hier einen wichtigen Schritt." Er betonte, dass Mehrwerte die Argumente der Schweizer Produktion sein müssten.

Die Landwirtschaft habe für Lösungen der Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen. "Lassen wir uns nicht kaputt machen von bevorstehenden destruktiven Initiativen", so Bernard Lehmann.

Die Schoggigesetz-Nachfolge

Neu entrichtet der Bund 94,6 Mio. Franken direkt an Verkehrsmilch-Produzenten in Form einer Zulage. Bei der Milch sind es 4,5 Rp. pro kg. Um das Geld zu erhalten, müssen sie ein Gesuch stellen. Die Bauern haben aber nichts von der Zulage, denn diese wird ihnen von den Abnehmern wieder auf der Milchgeld-Abrechnung abgezogen.

Stattdessen werden mit der Zulage zwei Fonds der BOM alimentiert. Der eine Fonds, der mit jährlich 60 Mio. Fr. (80% der Mittel) gespiesen wird, dient der Rohstoffverbilligung analog des heutigen Schoggigesetzes. Allerdings erhalten Verarbeiter weniger Geld pro kg exportiertes Nahrungsmittel als heute.

Der andere Fonds, in den jährlich rund 16 Mio. Franken fliessen (20% der Mittel), soll für den Export überschüssiger Butter eingesetzt werden. Neu will die BOM auch Produkte wie Joghurts und Dessertprodukte im Export unterstützen, die bislang nicht von Schoggigesetz-Geldern profitiert haben. Damit sollen Innovationen und der Aufbau neuer Märkte gefördert werden. Die Nachfolge-Lösung war nötig geworden, weil die WTO staatliche Ausfuhr-Beiträge ab 2020 nicht mehr akzeptiert.

 

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