10.10.2018 10:31
Quelle: schweizerbauer.ch - ats/hal/blu
Umfrage
Nebenerwerbsbetriebe fördern?
Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) fürchtet um die kleinstrukturierte Landwirtschaft. Sie will die Nebenerwerbslandwirtschaft fördern. Braucht es eine Förderung solcher Betriebe? Oder sind solche Massnahmen überflüssig? Mitdiskutieren und abstimmen

Jeder dritte Landwirt setzt mehr als 50 Prozent seiner Arbeitszeit in ausserlandwirtschaftlichen Tätigkeiten ein – er führt laut Definition des Bundesamtes für Statistik seinen Betrieb im Nebenerwerb. 

Wallis an der Spitze

Der höchste Anteil an nebenerwerblich geführten Betrieben befindet sich im Berggebiet. An der Spitze liegt der Kanton Wallis, wo rund 55 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe im Nebenerwerb geführt werden.

Im Berggebiet befindet sich der höchste Anteil der nebenerwerblich geführten landwirtschaftlichen Betriebe. Eine fortschreitende Aufgabe der Betriebe hätte laut Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) weitreichende negative Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Strukturen in den betroffenen Gebieten. 

Nebenerwerbslandwirtschaft wichtiger Pfeiler


Die SAB bezeichnet die Nebenerwerbslandwirtschaft in vielen Belangen deshalb als wichtigen Pfeiler und stellt Forderungen: die Einführung eines betriebsbezogenen Beitrages, ein besserer Zugang der Investitionskredite für Nebenerwerbslandwirte, die Förderung der Ausbildung und der Weiterbildung sowie eine  Agrarpolitik, die flexibler und auf die verschiedenen Regionen ausgerichtet Massnahmen ergreift. Damit ist nicht gut genug.

Grossraubtiere sollten stärker reguliert werden, damit die landwirtschaftliche Tätigkeit von Nebenerwerbslandwirten nicht gefährdet werde. Kooperationen unter Landwirten sollten gefördert werden, um die Produktivität zu steigern. Weiter gehöre die Nebenerwerbslandwirtschaft als fester Bestandteil der Schweizer Landwirtschaft anerkannt. 

Die Nebenerwerbslandwirtschaft erhält laut der SAB nicht nur wertvolle Kulturlandschaften, sondern leistet einen wesentlichen Beitrag zur Vielfalt an Erwerbsformen. Ausserlandwirtschaftliche Tätigkeiten würden helfen, die Schweizer Landwirtschaft in der Gesellschaft zu verankern. 

SBV sieht Betriebsbeitrag kritisch

Die Nebenerwerbslandwirte hätten mit Herausforderungen und gesetzlichen Einschränkungen zu kämpfen: Wegen des grossen Druckes aufgrund doppelter Arbeitsbelastung, wegen niedriger landwirtschaftlicher Arbeitsverdienste und wegen schwieriger Nachfolgeregelungen riskiere die Schweizer Landwirtschaft den Verlust von Vielfalt. Die SAB kritisiert insbesondere, dass Betriebe unter 0,6 Standardarbeitskräften (SAK) keine Investitionshilfen erhalten.

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, sagt, dass alle Betriebe, die gut und nachhaltig geführt werden und mit ihrer Tätigkeit auch eine Wertschöpfung erzielen, ihre Berechtigung hätten. Beim Betriebsbeitrag hat er aber Vorbehalte, weil sich dieser nicht gut begründen lasse. «Es ginge um den Erhalt des Betriebes oder um einen Beitrag zur reinen Einkommenssicherung, was in vielen Kreisen schwieriger zu erklären ist», mahnt Ritter.

«Ob ein Betrieb 0,2 SAK aufweist oder über der Gewerbegrenze liegt, rechtfertigt sicher unterschiedliche agrarpolitische Massnahmen zugunsten der langfristigen Weiterführung. Kleinere Betriebe wurden während der letzten Jahre aber nicht weiter benachteiligt», sagt Ritter. Der Schweizer Bauernverband will sich im Zuge der Vernehmlassung für die Agrarpolitik 2022+ mit der Arbeitsgemeinschaft austauschen.

SAB-Forderungen

Einführung von regionalspezifischen Massnahmen unter Berücksichtigung der Nebenerwerbslandwirtschaft: Agrarpolitische Instrumente sollen vermehrt auf die unterschiedlichen strukturellen Herausforderungen der verschiedenen Regionen ausgerichtet werden. 

Einführung eines betriebsbezogenen Beitrags: Ein Betriebsbeitrag normalisiere den Pachtzinsmarkt und verbessere die Flächenmobilität. Sie sind eine Möglichkeit, das Fortbestehen von Betrieben in Randregionen zu sichern.

Investitionskredite für Nebenerwerbslandwirte besser zugänglich machen: Die bisherigen Regeln würden verhindern, dass innovative Projekte auf Nebenerwerbsbetrieben berücksichtigt werden.

Förderung von Kooperationen zwischen Nebenerwerbsbetrieben: Gerade im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung seien überbetriebliche Kooperationen von kleinen Betrieben eine Option, um die nötigen Investitionen in neue Technologien tätigen zu könne.

Verbindliche und einheitliche Definition der Nebenerwerbslandwirtschaft: Sie solle als fester Bestandteil der Landwirtschaft anerkannt werden. Damit könne das Bewusstsein über die Nebenerwerbslandwirtschaft gesteigert werden. 

Regulierung von Grossraubtieren in der Schweiz zur Entlastung der Nebenerwerbslandwirtschaft: Die Rückkehr von Grossraubtieren könne zur Aufgabe der landwirtschaftlichen Tätigkeit von Nebenerwerbslandwirten führen.

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