23.06.2020 12:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Umwelt
Naturschutz-Initiativen haben Erfolg
Lebensräume von Tieren und Pflanzen schützen und die Verbauung der Landschaft verhindern: Das ist das Ziel zweier Volksinitiativen von Umweltverbänden. Die Urheber haben nach eigenen Angaben genügend Unterschriften beisammen.

«Die Volksinitiativen für Biodiversität und Landschaft kommen zustande», heisst es in einer Mitteilung des Trägervereins «Ja zu mehr Natur, Landschaft und Baukultur» vom Dienstag. Für die beiden Volksbegehren seien innert 15 Monaten je rund 125'000 Unterschriften gesammelt worden, sagte Stefan Kunz, Geschäftsführer Schweizer Heimatschutz, auf Anfrage. Eingereicht werden sollen die beiden Initiativen Anfang September.

«Wie wichtig es ist, die Biodiversität, unser wertvolles Kulturland, unsere Schweizer Landschaften und unsere Baukultur vor weiterer Zerstörung zu schützen, ist gerade in den letzten drei Monaten vielen Menschen nochmals bewusster geworden», lässt sich Urs Leugger-Eggimann, Präsident des Trägervereins und Zentralsekretär von Pro Natura, in der Mitteilung zitieren. «Doch Politik und Behörden scheinen die Dringlichkeit nicht erkannt zu haben. Umso wichtiger ist ein starkes Signal aus der Bevölkerung», fährt er fort.

Weniger Bauen ausserhalb Bauzone

Die Biodiversitätsinitiative verlangt, dass der Bund und die Kantone die zur Sicherung und Stärkung der Biodiversität erforderlichen Flächen, Mittel und Instrumente zur Verfügung stellen. Für erhebliche Eingriffe in Schutzobjekte des Bundes sollen überwiegende Interessen von gesamtschweizerischer Bedeutung vorliegen müssen.

Die Landschaftsinitiative zielt auf das Bauen ausserhalb der Bauzone ab. Dazu sollen klare Vorschriften in der Verfassung verankert werden. Ausserhalb der Bauzone soll die Zahl der Gebäude und die von diesen beanspruchte Fläche nicht weiter zunehmen dürfen. Neubauten müssten somit durch den Abbruch anderer Gebäude kompensiert werden.

Zu wenig Geld zur Verfügung

Der Natur in der Schweiz gehe es schlecht, sagen die Initianten. Die Landschaft werde zubetoniert. Wichtige Lebensräume drohten zu verschwinden, und mit ihnen Tier- und Pflanzenarten. Dagegen wollen die beiden Volksinitiativen vorgehen.

Die Schweiz gibt nach Angeben der Verbände jährlich rund 700 Millionen Franken für den Natur- und Landschaftsschutz aus, 0,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Das Geld reiche nicht einmal für den Unterhalt der verfassungsrechtlich geschützten Moore, kritisieren die Verbände.

Bauzonen um über 186 Quadratkilometer zugenommen

Der heutige Natur- und Heimatschutzartikel nehme die Kantone nicht gleich in die Pflicht wie den Bund, sagte Adrian Schmid, Geschäftsführer des Schweizer Heimatschutzes, bei der Lancierung der Initiative. Mit der Landschaftsinitiative würde sich das ändern. Sowohl der Bund als auch die Kantone müssten Schutzobjekte bezeichnen und eine umfassende Interessenabwägung bei geplanten Beeinträchtigungen vornehmen.

Roman Hapka von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz beleuchtete die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Zwischen 1985 und 2009 habe die überbaute Fläche ausserhalb der Bauzonen um über 186 Quadratkilometer zugenommen. 37 Prozent der überbauten Fläche der Schweiz lägen heute ausserhalb der Bauzonen, sagte er im März 2019. Unkontrolliert verbreiteten sich Bauten mit Ausnahmegenehmigung - «als hätten unsere Landschaften die Windpocken».

Über ein Drittel der Arten bedroht

Die Schweiz als Musterknabe im Naturschutz ist aus Sicht der Umweltverbände eine falsche Vorstellung. Die Wissenschaft zeige ein ganz anderes Bild, sagte Werner Müller, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz, bei der Lancierung. Unzählige Arten seien in der Schweiz gefährdet oder vom Aussterben bedroht - vier von fünf Reptilienarten, zwei Drittel der Amphibien, mehr als ein Drittel der Säugetiere und Vögel und ein Viertel der Fische.

Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern weise die Schweiz die höchste Anzahl bedrohten Arten auf. Ausserdem habe sie gerade mal 6,2 Prozent ihrer Landesfläche unter Schutz gestellt und liege damit auf dem hintersten Rang. Die Schweiz gibt nach Angeben der Verbände jährlich rund 700 Millionen Franken für den Natur- und Landschaftsschutz aus, 0,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Das Geld reiche nicht einmal für den Unterhalt der verfassungsrechtlich geschützten Moore, kritisieren die Verbände. Das soll die Biodiversitätsinitiative ändern.

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