8.06.2015 13:50
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchmarkt: Besserung nicht absehbar
Für den Deutschen Bauernverband ist keine Verbesserung am Milchmarkt in Sicht. Kritisiert wird das Vorgehen von Aldi. Die Milchindustrie warnt vor zu viel Pessimismus. Aufgrund der tiefen Lagerbestände an Milchpulver und Butter könnte sich die Lage kurzfristig verbessern.

Für derzeit kaum vorhersehbar hält der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, eine Besserung der Situation auf dem Milchmarkt. Entscheidend sei, „ob und wann chinesische und andere asiatische Händler wieder am Weltmarkt aktiv werden und nennenswerte Mengen besonders an Magermilchpulver aufkaufen“, sagte Folgart vergangene Woche auf einer Tagung des Interessenverbandes Milcherzeuger (IVM).

Russlandembargo wirkt stärker als vermutet

Der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV) Brandenburg zeigte sich überrascht von der gegenwärtigen Misere auf dem Milchmarkt. Zwar sei die Milchproduktion nach dem Ende der Milchquote nicht wesentlich gestiegen. Gleichzeitig sei das vorhandene Milchaufkommen aber auch vorher schon grösser gewesen als in den Jahren zuvor. Zudem seien die Folgen des Russlandimportembargos jetzt stärker zu spüren als zunächst vermutet worden sei.

Derweil warnten sowohl der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrieverbandes (MIV), Eckhard Heuser, als auch der Vorsitzende des Instituts für Ernährungswirtschaft (ife) in Kiel, Erhard Richarts, vor übertriebenen Pessimismus. Beide wiesen darauf hin, dass es aktuell keine grossen Lagerbestände an Butter und Magermilchpulver in der EU gebe. Dies könne letztlich dazu führen, dass sich die Marktlage kurzfristig verbessere.

Harsche Kritik an Aldi

Deutliche Kritik übte Folgart an den Lebensmitteldiscounter Aldi. Das Unternehmen habe im Mai den Preisdruck am heimischen Markt spürbar verschärft, indem es den Abgabepreis für Trinkmilch um 4 Cent/l gesenkt habe. Aktuelle betrage der Konsumentenpreis für einen Liter Frischmilch mit 3,5 % Fett bei Aldi 55 Cent (58 Rp.). Die anderen Lebensmittelhändler seien inzwischen gefolgt und hätten ebenfalls die Preise gesenkt. Für Folgart ist dies ein Anlass, das Vorgehen einer kartellrechtlichen Prüfung zu unterziehen.

An der Veranstaltung nahmen rund 200 Personen teil. Der IVM besteht seit 1991. Mitgliedsunternehmen sind eigenen Angaben zufolge grosse ostdeutsche Milcherzeugerbetriebe. Den Vorsitz hat der Landwirt Christian Schmidt inne. Geschäftsführer ist Klaus Siegmund .

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