18.09.2020 17:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Agrarpolitik
Mercosur: Bauernfamilien für Stopp
Zahlreiche Bauernorganisationen stellen sich gegen das Freihandelsabkommen mit der EU. Sie fordern eine Neuausrichtung. Die Bauern benötigen gemäss den Organisationen eine Handelspolitik, die faire und kostendeckende Preise ermöglicht sowie das Klima und Menschenrechte schützt.

Am 28. Juni 2019 haben sich die EU-Kommission mit den Mercosur-Ländern politisch auf ein Freihandelsabkommen geeinigt.

In einer gemeinsamen Europäischen Bauerndeklaration fordern 43 Bauernorganisationen in 14 Ländern – Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweiz und Spanien – sowie die Dachverbände Europäische Koordination Via Campesina (ECVC), das European Milk Board (EMB) und Demeter International ihre Regierungen auf, das EU-Mercosur-Abkommen abzulehnen. 

Europa benötige eine eine Handelspolitik mit einem qualifizierten Marktzugang. Die Organisationen haben folgende Forderungen:

  • für bäuerliche Strukturen und faire und kostendeckende Produzentenpreise weltweit
  • für qualitativ hochwertige, sichere und vorwiegend regional erzeugte Lebensmittel
  • für Klima-, Tierschutz und Artenvielfalt weltweit
  • für den Erhalt und die Weiterentwicklung europäischer Standards
  • für Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen weltweit

«Mit dem EU-Mercosur-Abkommen sollen die Importe von beispielsweise Fleisch, Zucker und Soja aus den Mercosur-Ländern steigen, deren Produktion im Zusammenhang mit der aggressiven Exportausrichtung immer industrieller wird. Der weltweit für Klima und Artenvielfalt zentrale Amazonas muss diesem System weichen. Auch Menschenrechtsverletzungen stehen im Zusammenhang mit dieser Entwicklung auf der Tagesordnung», warnt Erwin Schöpges, Präsident vom European Milk Board (EMB).

Die Bauernfamilien in Europa stehen gemäss den Bauernorganisationen vor grossen Herausforderungen. Denn die Produktion von klimaverträglichen und tiergerechten Lebensmittel, die von der Bevölkerung gewünscht seien, verursachten höhere Kosten. Gleichzeitig würden steigende und «unqualifizierte Importe» aus den Mercosur-Ländern zu steigendem Preisdruck bei den europäischen Bauernfamilien führen. 

«Diese Handelspolitik und die ungleichen Produktions-, Umwelt- und Sozialstandards zugunsten der Agrarindustrie beschleunigen das Ende von bäuerlichen Betrieben auf beiden Seiten des Atlantiks», warnen die Organisationen.

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