21.11.2012 17:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Bauernverband
Markus Ritter ist neuer Präsident des Schweizer Bauernverbandes
Am Mittwoch, 21. November wurde Markus Ritter zum Nachfolger von Hansjörg Walter als Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) gewählt wird. Hier können Sie sich informieren, wie die Wahl verlief.

Vier offizielle Kandidaten stellen sich den 499 Delegierten zur Wahl. Das sind zum einen die Nationalräte Andreas Aebi (SVP, BE) und Markus Ritter (CVP, SG), auf der anderen Seite die beiden SBV-Vizepräsidenten Josef Dissler (CVP, LU) und Fritz Glauser (FDP, FR). Der Wahltag beginnt um 10 Uhr mit der Begrüssung und Eröffnungsrede von Amtsinhaber Hansjörg Walter. Die Vorstellung der Kandidaten sollte etwa um 10.35 Uhr beginnen.

Jeder Kandidat hat 5 Minuten Zeit, um sich vorzustellen. Die Reihenfolge wird ausgelost. Danach hat jeder der Kandidaten zwei "Göttis", bzw. "Gotten", welche je 2 Minuten für ihren Favoriten werben dürfen. Um 11.20 Uhr sollte zum ersten Wahlgang geschritten werden können.

Nach dem 1. Wahlgang werden während der Auszählung der Stimmen der Jahresbericht und Tätigkeitsprogramm behandelt. Um 12 Uhr ist dann der 2. Wahlgang vorgesehen. Ein allfälliger 3. Wahlgang würde um 12.30 Uhr folgen. Der vierte Wahlgang ist für 13.10 Uhr geplant.

Der Wahltag im Newsticker

Hier berichten wir am Mittwoch live über den Tag der Wahl!

Schon um 9 Uhr strämen die ersten Delegierten an die Wahl.

Der abtretende Präsident Hansjörg Walter sagt, er habe keine Zeit gehabt, sentimental zu werden. Formelle Amtsübergabe mit Eintrag ins Handelsregister sei Ende Jahr, aber natürlich trete der neu gewählte SBV-Präsident öffentlich bereits heute als solcher auf.

Der Andrang ist gross. Die DV findet im 2. Stock im Kongresszentrum der BEA Bern Expo statt, aber die Delegierten stauen sich bis im Eingang.

10.00 Uhr

Eigentlich sollte jetzt die Versammlung starten. Aber laut SBV-Mediensprecherin Sandra Helfenstein warten noch viele Delegierte draussen, weshalb es noch nicht sofort los gehen kann.

10.10 Uhr

Hansjörg Walter eröffnet die DV. "Es hat noch einige Delegierte, die herein kommen, aber wir beginnen jetzt trotzdem."

Walter begrüsst namentlich Toni Brunner, Präsident SVP, und Christophe Darbellay, Präsident CVP. Brunner und Darbellay stellen mit Andreas Aebi und Markus Ritter die Hauptfavoriten für den heutigen tag

10.25 Uhr

Hansjörg Walter schliesst seine Rede mit einem Aufruf, für die Revisison des Tierseuchengesetzes zu stimmen. Die Frage der Entschädigungsregelung bei Impfschäden müsse geprüft werden. Trotzdem müsse man Ja stimmen.

Beim Freihandelsabkommen im Agrarbereich habe sich kaum etwas bewegt. Das liege nicht nur am Widerstand im Inland, sondern auch an den Problemen in den Beziehungen mit der EU.

10.34 Uhr

Die Stimmenzähler werden gewählt. Die Geschäfte werden zwischen die Wahlblöcke genommen.

10.40 Uhr

Hansjörg Walter stellt die Resolution zur AP 2014-2017 vor. "Es ist wichtig, zum jetzigen Zeitpunkt ein klares Signal an unsere Politiker zu geben", so Walter. Die Delegierten seien die Repräsentanten der Schweizer Landwirtschaft.

Direktor Jacques Bourgeois stellt die Resolution vor. Die Forderungen lauten:

"Die nötigen Marktinstrumente schaffen, um die Position der Produzenten zu stärken und die Transparenz auf den Agrarmärkten zu verbessern."

"Die Versorgungssicherheitsbeiträge für das Grünland mit einer oberen Limite versehen, aber nach Tierbesatz differenzieren."

"Den Ackerbau und speziell den Futtergetreideanbau fördern, um die Abhängigkeit vom Ausland beim Kraftfutter zu reduzieren."

"Auf das unnötige, teure und administrativ aufwändige Instrument der Landschaftsqualitätsbeiträge zu verzichten."

Die Delegierten verabschieden die Resolution einstimmig.

10.46 Uhr

Hansjörg Walter gibt die Zahl der anwesenden Delegierten bekannt: Es sind 456 Wahlberechtigte im Saal.

Der Vorstand schlägt vor, der Landwirtschaftskammer die Kompetenz zu geben, die Wahl der Vizepräsidenten im Februar vor zu nehmen.

Die Delegierten stimmen auf Vorschlag von Vorstand und Landwirtschaftskammer der geheimen Wahl zu.

10.50 Uhr

Jetzt gehts los: Jeder Kandidat hat 5 Minuten Zeit, sich vorzustellen. Die Reihenfolge ist: Fritz Glauser, Markus Ritter, Josef Dissler, Andreas Aebi.

Die Unterstützungsvoten erfolgen in umgekehrter Reihenfolge.

10.51 Uhr

Fritz Glauser, der bilingue Freiburger, beginnt auf Französisch. Er fordert ein vergleichbares Einkommen der Bauernfamilien mit der übrigen Wirtschaft. "Die Schweiz ernähren, heisst auch, die Welt zu ernähren", so Glauser.

Zum Schluss spricht Glauser noch auf Deutsch. Er will offenbar die Karte der Zweisprachigkeit voll ausspielen.

10.57 Uhr

Markus Ritter, CVP-Nationalrat aus dem Kanton St. Gallen, beginnt ebenfalls in sehr gutem Französisch - mit Ostschweizer Akzent allerdings. "Der Präsident muss für alle ein verlässlicher Partner sein", so Ritter, mittlerweilen auf Deutsch. Er betont die Rolle des Bauernverbandes und dessen Dienstleistungen.

"Die Agrarpolitik wird in Bern gemacht", betont Ritter. Es sei wichtig, dass der Schweizerische Bauernrverband mit der Spitze in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben vertreten und das sei er. Er werde zudem keine weiteren Aufgaben und Nebenbeschäftigungen annehmen.

11.01 Uhr

Josef Dissler, CVP-Kantonsrat aus Luzern, hat das Wort. "Führen, Vermitteln, Entscheiden, Umsetzen", mit diesem Motto beginnt Dissler - als erster Kandidat auf Deutsch. Er betont, dass er als Stellvertreter von Hansjörg Walter als SBV-Vize habe Erfahrungen sammeln können. Er sei überzeugt, dass er für mehr als nur eine Übergangslösung gut sei.

Sein grosses Netzwerk würde ihm zur Verfügung stehen. "Sachlich und lösungsorientiert möchte ich den Verband führen", so Dissler. Er spricht als erster kein Wort französisch!

11.08 Uhr

Andreas Aebi, Nationalrat (SVP, BE), stellt sich vor. Er beginnt auf deutsch: "Als möglicher Präsident ist es mir ein inniges Anliegen, Präsident von euch allen zu sein." Nach ein paar Sätzen wechselt er auf französisch. Er spricht mit leichtem Berner Akzent, aber mit viel weniger Akzent, als Ritter. Als erster spricht er italienisch.

„Ihr Frauen seid mir wichtig“, betont Aebi . Die rechtliche und soziale Stellung der Frauen sei ein Problem in der Landwirtschaft.

11.12 Uhr

Jetzt kommen die Unterstützungsredner.

Christine Gerber, Präsidentin der Berner Landfrauen, und Ruedi Fischer, Präsident der Schweizer Kartoffelproduzenten, reden für Aebi.

11.16 Uhr

Christian Arnold, ehemaliger Sekretär Zentralschweizer Bauernbund und Jakob Lütolf, Ausschussmitglied des Luzerner Bauernverbandes, reden für Dissler.

11.23 Uhr

 Für Markus Ritter redet zuerst Seline Heim-Keller, Vorstandsmitglied des St. Galler Bauernverbandes. Dann kommt Alfred Stricker, Vorstandsmitglied Bauernverband beider Appenzell.

11.28 Uhr

Als letzte Unterstützungsredner sind diejenigen von Fritz Glauser an der Reihe. Zuerst spricht Gabriel Yerly, dann Ernst Meyer, Vizepräsident der Schweizer Getreideproduzenten.

11.35 Uhr

Der erste Wahlgang ist im Gange! Die Präsenz hat sich um 3 Personen erhöht. Es haben 459 am 1. Wahlgang teil genommen.

11.41 Uhr

Jetzt werden Jahresbericht, Tätigkeitsprogramm, Jahresbeiträge und Wahlen in die Landwirtschaftskommission behandelt.

Die Bekanntgabe des Resultats des 1. Wahlgangs ist auf 12.00 Uhr vorgesehen.

12.09 Uhr

Hansjörg Walter gibt das Resultat des 1. Wahlgangs bekannt:

Ausgeteilte Stimmzettel: 459
Eingegangene Stimmzettel: 495
Leer: 0
Ungültig 1
Gültig: 458
Absolutes Mehr: 230

Stimmen haben erhalten:
Andreas Aebi: 142
Fritz Glauser Glauser: 128
Markus Ritter: 126
Josef Dissler: 62

12.15 Uhr
 
Die Stimmzettel für den 2. Wahlgang werden ausgeteilt.
 
12.20 Uhr
 
Die bisherigen Vorstandsmitglieder, welche weiter machen, werden in globo wieder gewählt.
Für den zurücktretenden Hans Staub wird Hans Frei, der neue Präsident des Zürcher Bauernverbandes, in den Vorstand gewählt. Anstelle von Gregor Gschwind kommt Andreas Vögtli als Vertreter von Solothurn, Baselland und Baselstadt in den Vorstand. Für den abtretenden SBV-Präsidenten Hansjörg Walter wird Markus Hausammann, Präsident von Landwirtschaft Thurgau, gewählt. Für Martin Ambauen kommt Josef Murer, Präsident des Zentralschweizer Bauernverbandes, in den Vorstand.
 
Die Wahl des Nachfolgers von Walter Balmer als Berner Vertreter, wurde noch nicht durchgeführt, weil zuerst die Präsidentenwahl durchgehen sollte.
 
12.37 Uhr
 
Hansjörg Walter gibt das Resultat des 2. Wahlgangs bekannt:

Ausgeteilte Stimmzettel: 458
Eingegangene Stimmzettel: 458
Leer: 0
Ungültig: 0
Gültig: 458
Absolutes Mehr: 230

Stimmen haben erhalten:
Markus Ritter: 160
Andreas Aebi: 157
Fritz Glauser: 97
Josef Dissler: 44
 
Josef Dissler scheidet mit dem schlechtesten Resultat aus.
 
12.40 Uhr
 
Die Stimmzettel für den dritten Wahlgang werden ausgeteilt.

13.05 Uhr

Hansjörg Walter gibt das Resultat des 3. Wahlgangs bekannt:

Ausgeteilte Stimmzettel: 458
Eingegangene Stimmzettel: 458
Leer: 0
Ungültig: 0
Gültig: 458
Absolutes Mehr: 230

Stimmen haben erhalten:
Markus Ritter: 208
Andreas Aebi: 197
Fritz Glauser: 53

Es ist ein vierter Wahlgang nötig.

Fritz Glauser scheidet aus.

13.09 Uhr

Die Stimmzettel für den 4. Wahlgang werden ausgeteilt.

13.15 Uhr

Der abtretende Präsident Hansjörg Walter wird von SBV-Vizepräsident Josef Dissler sowie SBV-Direktor Jacques Bourgeois geehrt. Die Delegierten erheben sich zur Standing Ovation. Schluss der Ehrung ist ein speziell gedrehter Film, in dem verschiedene Bauernverbandsvertreter sich über Hansjörg Walter äussern.

Als Geschenk erhält er eine steinerne Feuersäule im Gewicht von 200 kg.

Josef Dissler ernennt Hansjörg Walter im Namen des Vorstandes zum Ehrenpräsidenten.

13.33 Uhr

Jetzt wirds spannend. Die Stimmenzähler sind da!

13.40 Uhr

Hansjörg Walter gibt das Resultat des 4. Wahlgangs bekannt:
Ausgeteilte Stimmzettel: 456
Eingegangene Stimmzettel: 456
Leer: 1
Ungültig: 0
Gültig: 455
Absolutes Mehr: 229

Gewählt ist:
Markus Ritter: 245 Stimmen

Nicht gewählt:
Andreas Aebi: 210 Stimmen

13.43 Uhr

Der frisch gewählte Bauernverbandspräsident Markus Ritter richtet seine Worte an die Delegierten in den 4 Landessprachen Deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch: "Sie haben mich ehrenvoll zum neuen Präsidenten gewählt. Diese Wahl freut mich sehr. Ich danke Ihnen für das grosse Vertrauen, welches Sie mir mit Ihrer Wahl geschenkt haben."

13.50 Uhr

Der abtretende Hansjörg Walter übergibt er Heidi Ritter, der Ehefrau des neugewählten Bauernverbandspräsidenten, einen Blumenstrauss.

14.00 Uhr

Der nicht-gewählte Andreas Aebi spricht zu den Delegierten und gratuliert seinem Rivalen Markus Ritter: "Du hast meine Unterstützung zu Gunsten der produktiven Schweizer Landwirtschaft." Er dankt seinen Unterstützern und wünscht dem Schweizerischen Bauernverband alles Gute.

14.02 Uhr

Auch Jacques Chavaz, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, richtet noch das Wort an die Delegierten. Er richtet sich vor allem an den zurücktretenden Präsidenten Hansjörg Walter. "Für das BLW ist Hansjörg Walter ein extrem wichtiger und auch angenehmer Gesprächspartner in den 12 Jahren gewesen. Und dies nicht etwa, weil wir immer einig gewesen wären", so Chavaz.

14.10 Uhr

Hansjörg Walter schliesst die 80. Delegiertenversammlung des Schweizerischen Bauernverbandes. 

Wie wird gewählt?

Im Juni hat der SBV-Vorstand  das Geschäftsreglement geändert, welches den Wahlmodus regelt.  Demnach wird die Wahl des neuen SBV-Präsidenten neu nach dem Wahlprozedere der Bundesratswahlen durchgeführt, mit einigen Unterschieden im Detail. Um gewählt zu werden, muss ein Kandidat in jedem Fall das absolute Mehr erreichen. Ab dem zweiten Wahlgang scheidet jeweils der Kandidat mit der geringsten Stimmenzahl aus. Weil die letzjährige DV mit der Statutenrevision auch die Kompetenz für die Genehmigung diverser Reglemente, darunter auch das Geschäftsreglement, an die Landwirtschaftskammer (Laka) übertragen habe, sei dieses und mit ihm der neue Wahlmodus entgegen früheren Angaben bereits gültig, sagt SBV-Vizedirektor Urs Schneider. Die Laka habe am 21.September 2012 mit der Genehmigung des neuen Geschäftsregelements endgültig über das Wahlverfahren entschieden. Das alte Reglement sah vor, dass im ersten Wahlgang das absolute, im zweiten Wahlgang aber das relative Mehr gegolten hätte. Im ersten Wahlgang würde also nur ein Kandidat gewählt, wenn er die Hälfte der abgegebenen Stimmen plus mindestens eine zusätzliche auf sich vereinen könnte. Im zweiten Wahlgang wäre derjenige Kandidat gewählt gewesen, der am meisten Stimmen auf sich vereint hätte.

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