22.10.2014 09:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl/blu
Wolf
Leuthard lädt zum Wolf-Gipfel
Der Wolf, der letzte Woche mitten in Eischoll VS ein Schaf gerissen hat, wird noch nicht zum Abschuss freigegeben. Der Schafzuchtverband kritisiert das heftig. Derweil lädt Bundesrätin Doris Leuthard zu einem Wolf-Gipfel. Hat die Schweiz Platz für Wölfe? Oder gibt es bereits zu viele Tiere? Was denken Sie darüber, liebe Leserinnen und Leser? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab!

Der Wolf, der am vergangenen Montag in Eischoll VS ein Schaf gerissen hat, bekommt noch einmal eine letzte Chance. Erst, wenn er für einen Beutezug erneut in ein Gehege eindringt oder wenn er regelmässig in der Nähe von Siedlungen auftaucht, wird er abgeschossen. Dies hat die Interkantonale Kommission für Raubtierfragen (IKK) festgelegt.

Unmittelbar dränge sich kein Abschuss auf, heisst es in einer Mitteilung der Walliser Staatskanzlei vom Freitag. Das Tier habe sich scheu verhalten und sei vor den Menschen geflüchtet. Es habe kein auffälliges, dreistes oder aggressives Verhalten gezeigt.

DNA-Test steht noch aus

Ob es sich dabei um den Wolf M46 handelt, der im Verlaufe des Sommers in der Umgebung an die 60 Schafe gerissen hat, stehe noch nicht fest. Die DNA-Proben, die man in Eischoll genommen habe, seien noch nicht analysiert, sagte Peter Scheibler, Chef der Walliser Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere (DJFW), auf Anfrage.

Im Oberwallis könnte innerhalb einer Woche möglicherweise erneut ein Schaf nahe eines Dorfes von einem Wolf gerissen worden sein. Der Kanton untersucht den Riss eines Lamms bei Gampel VS vom letzten Freitagabend und will Klarheit, ob es der gleiche Wolf wie in Eischoll VS war.

Schmutz ist sauer

Dass der Eischoller Wolf nun noch immer nicht zum Abschuss freigegeben wird, macht German Schmutz sauer. «Wenn wir ein so kompliziertes Vorgehen haben wie heute, können wir nie mehr regulieren», kritisiert der Präsident des Schweizerischen Schafzuchtverband (SZV). Es sei komplett unglaubwürdig, wenn die Bedingungen für einen Abschuss erfüllt wären, aber doch kein Abschuss erfolge: «Der Wolf in Eischoll hat bereits genügend Schafe gerichtet. Er hat sogar Schafe innerhalb eines Elektrozauns mitten im Dorf gerissen.» Die Bevölkerung habe verständlicherweise Angst und bange um ihre Sicherheit.

Er habe bereits vor drei Jahren gesagt, es sei eine Frage der Zeit, bis der Wolf in die Nähe von Dörfern komme. Alle «Wolfsexperten» hätten bis jetzt immer behauptet, das passiere nie, weil der Wolf extrem menschenscheu sei. «Jetzt ist es aber schon so weit, und das bei einem noch geringen Wolfsbestand. Was sollen wir den Nutztierhaltern noch sagen?», fragt Schmutz rhetorisch.

Wolf regulieren

Der Fall in Eischoll zeige exemplarisch, wie dringend es sei, endlich das neue Wolfskonzept zu verabschieden, das den Begriff schadenstiftende Wölfe und die Regulierungen des Wolfsbestandes beinhalte. Die Stellungnahmen zu den Konzepten  Luchs und Wolf seien seit dem 5. September 2014 beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). 

Doch von dort sei nichts zu hören. «Warum gibt das Bafu das Resultat der Auswertung so lange nicht bekannt? Und es macht die Betroffenen wütend, denn der Reproduktionsfaktor beim Wolf ist ja sehr hoch», betont Schmutz. «Nur eine markante politische Wende bringt wieder Sicherheit für Mensch und Nutztiere. Die zunehmende Grossraubtierproblematik spaltet je länger je mehr unsere Gesellschaft in der Schweiz», doppelt er nach.

Leuthard lädt ein

Doch es scheint, dass jetzt die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard den Handlungsbedarf erkannt hat. «Es liegt mir eine Einladung aus dem Bafu zur Teilnahme an einem Brainstorming zum Thema Grossraubtiermanagement in der Schweiz am 10. November 2014 vor.»

Für ihn sei das Schlimmste, wie viel Zeit versäumt werde, bis ein neues Konzept stehe. «Ich befürchte, dass das neue Wolfskonzept für die Alpung 2015 noch einmal nicht vorliegt», so Schmutz.

Berner Konvention

Politisch ist eigentlich schon lange klar, dass der Wolf reguliert werden soll. Bereits 2010 haben sowohl der Nationalrat als auch der Ständerat eine Motion des Walliser Ständerates Jean-René Fournier deutlich angenommen, welche den Bundesrat dazu verpflichtet, sich beim ständigen Ausschuss der «Berner Konvention» für eine Lockerung des Schutzes des Wolfes einzusetzen. Da der Ausschuss sich dem verweigert, müsste die Konvention gekündigt und neu verhandelt werden. Das ist  jedoch noch immer nicht passiert. sam

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE