26.06.2019 18:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Trinkwasserinitiative
«Landwirt: Sündenbock der Nation»
In der vergangenen Woche wurden die Trinkwasser- und die Anti-Pestizid-Initiative im Nationalrat beraten. Die beiden Volksbegehren fanden keine Mehrheit. schweizerbauer.ch präsentiert eine Auswahl an Voten. In diesem Artikel folgt die Rede von Landwirt und Nationalrat Martin Haab (SVP/ZH). -> Mit Video

Martin Haab, der in diesem Jahr in den Nationalrat nachrücken konnte, wirft den Initianten und den links-grünen Parlamentariern vor, die Landwirtschaft als Schuldige darzustellen. Beide Volksbegehren seien «klassische Schuldzuweisungs-Initiativen.»

Keine Kontrolle über die Produktion

«Kreise von ökologisch-sozialen Zeitgenossen versuchen einmal mehr, die Landwirtschaft zum Sündenbock der Nation zu stempeln. Sie machen die Bauern für jegliche Rückstände in unserem Trinkwasser, in den Fliessgewässern oder im Grundwasser verantwortlich», sagt Haab. Dass der Landwirt stark von den Direktzahlungen abhängig sei, helfe diesen Kreisen, fuhr er fort.

Haab mahnte an, dass die Initianten das Gegenteil von dem erreichen, was sie anstreben. «Wird die Produktion von qualitativ hochstehenden Lebensmitteln bei uns faktisch verunmöglicht, verlagern wir uns auf den Import. Und die Abhängigkeit vom Ausland wird massiv grösser. Wir begünstigen eine Produktion und einen Import von Lebensmitteln, über die wir auch nicht ansatzweise die Kontrolle haben können», hielt der Landwirt aus Mettmenstetten ZH fest.

Wenig Rückstände bei Schweizer Produkten

Haab nannte als Beispiele von Lammfleisch aus Neuseeland (mit antibiotischen Leistungsförderern gefüttert) oder Rindfleisch aus Südamerika. Diese Tiere würden nicht auf saftigen Wiesen grasen, sondern würden in Feedlots intensiv gemästet.

Auch bezüglich Pestizidrückstände in Lebensmitteln hielt er der Ratslinken entgegen. «Dem Jahresbericht des kantonalen Labors des Kantons Zürich ist zu entnehmen, dass bei Beprobungen auf Pestizidrückstände von Lebensmitteln aus heimischer Produktion eine Beanstandungsquote von 1,3 Prozent auszumachen war. Bei Nahrungsmitteln aus dem asiatischen Raum lag die Beanstandungsquote bei ansehnlichen 31,2 Prozent und bei Lebensmittel unbekannter Herkunft sogar bei 40 Prozent», sagte Haab.

Landwirtschaft hat mehr erreicht als andere

Beim Trinkwasser warf er den Befürwortern der Initiativen Alarmismus vor. «Waren sie sich bewusst, dass wir, ganz im Gegensatz zum Rest der Weltbevölkerung, in 99,9 Prozent der Fälle unser Leitungswasser bedenkenlos an jedem Ort der Schweiz trinken können?», fragte er den Rat. In anderen Orten der Welt sei die Situation hingegen gravierend. «Nur schon mit Leitungswasser gewaschene Früchte hatten in der Regel einen längeren Aufenthalt auf dem stillen Örtchen zur Folge. Das nenne ich verseuchtes Wasser», sagte Haab.

Der Präsident von BIG-M sieht Verbesserungspotenzial bei den Landwirten. Doch er weist auch auf die Leistungen hin, die die Landwirtschaft bisher erreicht hat. «Laut dem Treibhausgas-Inventar hat die Landwirtschaft das Ziel der CO2-Verordnung für das Jahr 2020 bereits im Jahr 2018 erfüllt. Ergänzend dazu hat sich die Landwirtschaft mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz weitere Reduktionen und Verbesserungen zum Ziel gesetzt. Der Verkehrssektor hat dagegen nicht einmal die Zwischenziele 2015 erreicht», sagte Haab zu seinen Ratskollegen.

Nicht auf Bauern schiessen

Im Wasser würden sich neben Rückständen von Pflanzenschutzmitteln, «die nur teilweise aus der Landwirtschaft stammen», viele andere Stoffe finden. Haab nannte unter anderem künstliche Süssstoffe wie Sucralose oder Cyclamat, Antidiabetika, Benzotriazol, das als Korrosionsschutz gebraucht wird, Iopromid (Röntgenkontrastmittel) oder Paracetamol (Schmerzmittel).

«Sie gehen aber sicher mit mir einig: All diese Stoffe, die ich soeben aufgezählt habe, stammen mit Sicherheit nicht von der Landwirtschaft. Schiessen Sie also nicht auf jene, die Ihnen täglich bestens kontrollierte, von jeglichen schädlichen Stoffen freie und somit nachhaltig produzierte Lebensmittel auf den Teller zaubern», sagte zu seinen Kolleginnen und Kollegen in den Nationalrat. 

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