2.09.2014 09:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Raumplanung
Landschaft entwickeln – ohne Bauern?
Rund 40 Prozent der Berner wohnen im Einzugsgebiet der Regionalkonferenz Bern-Mittelland. Zurzeit läuft die Vernehmlassung zum Projekt Landschaft. Bauernvertreter bemängeln, dass sie nicht einbezogen wurden.

52 Seiten umfasst die Version für die Vernehmlassung zum Projekt Landschaft. Die 85 Gemeinden der Regionalkonferenz Bern-Mittelland RKBM sind aufgefordert, bis Ende September zum Projekt des Fachbereichs Raumplanung der Regionalkonferenz und zum damit verbundenen Massnahmenplan Stellung zu nehmen.

Definierte Vorranggebiete

Der Perimeter erstreckt sich von Fraubrunnen im Norden bis Guggisberg im Süden und von Clavaleyres im Westen bis Bowil im Osten. Es bildet die Grundlage zum Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept II (RGSK), das ab 2015 erarbeitet werden soll.

Landschaften werden im Projekt grob unterschieden als Vorranggebiete siedlungsprägende Grünräume, Naturlandschaften (25 bezeichnete Gewässer und Naturschutzgebiete) und 15 näher bezeichnete Kulturlandschaften wie das Limpach- oder das Gürbetal oder die Gemeinde Guggisberg. Rund um die Stadt Bern soll ein sogenanntes grünes Band als Übergang von bebautem Gebiet und ländlichem Raum bezeichnet werden.

Kulturlandschutz fehlt

Die in der Berner Kulturlandinitiative enthaltene Forderung, die gesetzlich definierten Fruchtfolgeflächen zu erhalten und den Kulturlandschutz ernst zu nehmen, sucht man in der Vernehmlassung vergeblich. Wohl wird festgehalten, dass Vorranggebiete Kulturlandschaften schwerpunktmässig von der Produktionslandwirtschaft genutzt werden. Aber sie seien auch der ökologische Ausgleich in Vernetzungsräumen und -korridoren. 24 Objekte werden als Vorranggebiete Siedlungstrenngürtel/Wildtierkorridore bezeichnet. Offene Landschaftsräume, die für die Vernetzung wichtig sind und mindestens 200 Meter breit sein müssen.

Landwirte tragen Sorge zur Natur und pflegen sie. Bei den Zielsetzungen und Massnahmen  bei den Kulturlandschaften heisst es aber auch: Die Landschaftsqualitäten sind in engem Zusammenhang mit der Landwirtschaft zu sichern, zu entwickeln und ökologisch aufzuwerten. Die Artenvielfalt ist zu erhöhen. Die Gemeinden schützen die Vorranggebiete Kulturlandschaften im Rahmen der Ortsplanung grundeigentümerverbindlich (z.B.  Landschaftsschon- oder Landschaftsschutzgebiete). Oder Vorranggebiete Siedlungstrenngürtel/Wildtierkorridore «sind zu erhalten, von den Gemeinden in den Ortsplanungen zu sichern und mit geeigneten Mitteln (z.B. Schutzplänen) auch von grossen landwirtschaftlichen Gebäuden frei zu halten».

Erschwernisse befürchtet

André Stalder von der Geschäftsstelle des Vereins Landwirtschaft Bern-Mittelland LBM befürchtet, dass  in den nachgängig auszuarbeitenden Verordnungen Nutzungseinschränkungen abgeleitet werden oder dass solche offenen Gebiete mit Bauverboten belegt werden. Eine Intensivlandwirtschaftszone ist in Kulturlandschaften ausgeschlossen.

Im Projektteam sucht man vergeblich nach einem Landwirt oder einer Vertretung der LBM. Gemäss Projektleiter Jos Aeschbacher ist dieses nach politischen Strukturen zusammengesetzt und keine Interessenvertretung. Dazu LBM-Präsident Daniel Lehmann: «Die Eigentumsgarantie ist eines der wichtigsten Grundrechte. Nun wird versucht, dies verwaltungsrechtlich zu umgehen. Es geht nur um Landschaft, Siedlungspolitik und Ökologie. Die RKBM hat keinen ganzheitlichen Blick und nicht begriffen, wie breit ein solches Projekt abgestützt sein sollte.» Nebenbei: Im Verwaltungskreis Biel-Seeland hat ein Vertreter der Landwirtschaftlichen Organisation Seeland Einsitz.

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