11.06.2014 15:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Kulturland-Initiative eingereicht - Entwicklung gezielt lenken
Nun ist auch die Berner Kulturland-Initiative Realität. Das Komitee hat genügend Unterschriften sammeln können. Die Chancen für eine Annahme an der Urne seien gut, sind die drei Co-Präsidenten überzeugt.

«Das war erst die erste Phase», bekräftigt Hans Jörg Rüegsegger. Er ist als Lobag-Präsident einer der drei Co-Präsidenten, die die Initiative zum Schutz des Kulturlandes zur Eingabereife gebracht haben. Innert einem halben Jahr sind über 21'000 Unterschriften gesammelt worden. 19'779 konnten am Mittwoch als beglaubigt der Staatskanzlei übergeben werden.

Positiver Lehrgang

«Besonders freut mich, dass Personen aus 353 Gemeinden, sowohl aus ländlichen wie aus städtischen Gebieten, ihre Unterschrift gegeben haben», so Rüegsegger weiter. Neben der Lobag waren die Berner Grüne Partei und die Berner BDP mit im Komitee. «Ein bisher ungewohntes Bündnis», stellte Daphné Rüfenacht, Grossrätin der Grünen, fest: «Aber es hat sich bestens bewährt.»

Heinz Siegenthaler, Berner BDP-Präsident und ebenfalls Mitglied des Co-Präsidiums, bemerkt: «Als Landwirt freut mich das Ergebnis besonders. Er war ein guter Lehrgang als Partei.» Das breite politische Bündnis und das hervorragende Sammelergebnis zeigten, dass die Kulturland-Initiative beste Chancen habe, an der Urne angenommen zu werden. «Denn das Kulturland braucht eine Lobby», betont Siegenthaler.

4 m2 einschränken

Rüegsegger verdeutlicht den Landhunger mit eindrücklichen Zahlen. Jedes Jahr wird Kulturland von der Fläche des Brienzersees verbaut. «In den letzten 11 Jahren hat die Landwirtschaftliche Nutzfläche um 2'900 Hektaren abgenommen. Das macht im Vergleich jährlich für jeden Einwohner vier Quadratmeter weniger Fläche, die er zur Verfügung hat», macht Rüegsegger deutlich.

Das Augenmerk richtet die Initiative auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen. Man wolle eine Weiterentwicklung des Kantons Bern weder verhindern noch blockieren. «Aber die Entwicklung soll gezielt gelenkt werden», betont Siegenthaler. Man habe von Fehlern der Zürcher Kulturland-Initiative gelernt und ein klares Vorgehen sowie konkrete und konstruktive Umsetzungsvorschläge formuliert. So sind von Kanton und Gemeinden im Richtplan die Grenzen des Siedlungsgebietes festzulegen.

Keine «Schulbubentrickli»

Landwirtschaftliche Nutzflächen sollen nur beansprucht werden können, wenn verschieden Kriterien erfüllt sind: Eine vorhandene Erschliessung oder eine bestimmte Nutzungsdichte beispielsweise. Zudem soll ein Ausgleich sichergestellt werden, sei dies durch Auszonung oder Bodenaufwertung.

«Schulbubentrickli» wie jüngst vom Kanton als Ersatz für Fruchtfolgeflächen präsentiert, will das Komitee verhindern. Auch verbuschter Wald soll nicht tabu bleiben, um ihn wieder landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Dazu brauche es aber entsprechende Fördermassnahmen und entsprechende finanzielle Mittel.

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