11.07.2019 11:16
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Klima
Klimawandel fordert Bauern heraus
Der Klimawandel fordert die Landwirte doppelt heraus: Einerseits müssen sie den Ausstoss an schädlichen Gasen verringern, andererseits auf zunehmende Wetterextreme reagieren. Laut dem Schweizer Bauernverband bleibt für beides nicht viel Zeit.

«Wir müssen jetzt handeln», sagte der oberste Schweizer Bauer, der St. Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter, am Donnerstag an einer Medienkonferenz zum Thema Klimawandel und Landwirtschaft auf einem Betrieb im bernischen Moosseedorf. Der Klimawandel sei längst auf den Bauernhöfen angekommen.

Neue Systeme..

Nun müssten Bauern aktiv etwas fürs Klima tun, sagte Ritter. Beispielsweise wolle der Bauernverband künftig vermehrt Systeme fördern, die Felder ressourcenschonender bewässern. Ganz CO2-neutral zu arbeiten, sei für Landwirtschaftsbetriebe aber schwierig. «Wir werden den Kühen die Fürze und Rülpser nicht gänzlich austreiben können.»

Interessiert an einer besseren Klimabilanz sei die Landwirtschaft trotzdem, sagte Ritter. Sie selbst sei von den Folgen der Klimaveränderung mit zunehmend extremen Wettereignissen wie Frost, Hagel, Stürme, lange Phasen mit und ohne Regen und Sommertrockenheit besonders stark betroffen. Der vergangene Hitzesommer habe dies exemplarisch gezeigt.

... und Pflanzen

Die Bauern würden auch auf robustere und trockenheitstolerantere Sorten setzen oder neue Kulturen anbauen, die mit Trockenheit und Hitze besser zurechtkommen. Als Beispiele nennt der Bauernverband Sorghum und Luzerne. Das sind Futterpflanzen, die mit weniger Wasser auskommen oder tief wurzeln. Spezielle Bedeutung komme auch dem Boden- und Erosionsschutz zu. «Je gesünder und humusreicher ein Boden, desto besser ist seine Wasserrückhaltefähigkeit. Agroforstsysteme bieten ebenfalls Vorteile, sie sind aber aktuell bei uns noch kaum im grösseren Stil wirtschaftlich zu betreiben», hält der Bauernverband fest.

Chancen und Grenzen

Für den Bauernverband ist die laufende Revision des CO2-Gesetzes zentral. Diese soll neu ein konkretes Reduktionsziel für Treibhausgasemissionen festlegen. Aktuell trägt die Landwirtschaft mit einem Anteil von rund 13 Prozent zu den Emissionen bei. Ein Drittel macht Lachgas aus, das den landwirtschaftlichen Böden und bei der Hofdüngerlagerung entweicht. Der Rest entfällt auf Kohlendioxid, das grösstenteils aus der Treibstoffverbrennung stammt, schreibt der SBV. Seit 1990 gelang es der Schweizer Landwirtschaft, den Gesamtausstoss um 11,4 Prozent zu reduzieren.

Viele Massnahmen zur Reduktion dieser Gase seien jedoch nicht ausreichend erforscht, sagte Martin Rufer, Präsident von Agrocleantech, einer Energieberatungsagentur für Landwirte. Er warnte deshalb vor unrealistischen Reduktionszielen. Vielmehr müssten auch die weiteren Sektoren der Wirtschaft sowie die Bevölkerung ihren Teil zur Lösung des Problems leisten.

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