3.04.2017 13:45
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Kleinbauern für SAK-Motion
Eine Motion des Berner Grossrats Samuel Graber (SVP) verlangt, dass die Gewerbegrenze generell auf 0,6 Standardarbeitskräften (SAK) gesenkt wird. Die Kleinbauern-Vereinigung unterstützt das Vorhaben. Die Regierung will nur für das Berg- und Hügelgebiet eine Senkung.

Bergbauer Samuel Graber konnte im Berner Grossen Rat einen Erfolg verbuchen. Eine Mehrheit hat im Juni 2016 seine Motion, die Gewerbegrenze im Kanton Bern von bisher 0,75 Standardarbeitskräften (SAK) im Berg- und Hügelgebiet und 1,0 SAK im Talgebiet generell auf 0,6 SAK zu senken, überwiesen.

Kleinbauern fordern konsequente Umsetzung

Graber will damit verhindern, dass wegen tieferen Faktoren für die SAK Betriebe nicht mehr als landwirtschaftliches Gewerbe gelten. Die Höfe könnte innerhalb der Familie nicht mehr gesetzlich zum Ertragswert übergeben werden. Die Berner Regierung will die tiefere SAK nur für das Berg- und Hügelgebiet, für das Tal soll weiterhin 1,0 SAK gelten. Bis am 18. April läuft noch die Vernehmlassung.

Die Kleinbauern unterstützen die Motion von Samuel Graber. «Der Vorstoss ist eine Chance für kleinere Betriebe und bringt mehr Vielfalt in die Berner Landwirtschaft. Diese Vielfalt wird von den Konsumenten geschätzt», schreiben die Kleinbauern am Montag in einem Communiqué. Sie fordern eine «konsequente» Umsetzung.

Regierung: Strukturwandel ausgebremst

Der Berner Regierungsrat wehrt sich dagegen, dass künftig 10 Prozent mehr Bauernbetriebe als landwirtschaftliches Gewerbe gelten. Er will nur Bauern im Berg- und Hügelgebiet entgegenkommen, nicht aber den Landwirten in der Talzone. Mit der generellen Senkung würde der Strukturwandel ausgebremst, argumentiert der Regierungsrat. Zudem kein anderer Kanton einen Wert von unter 0,75 SAK.

Die Kleinbauern können die Argumentation des Kantons nicht nachvollziehen. Die Grösse eines Betriebes sage nichts über den wirtschaftlichen Erfolg aus. «Grösse ist nur einer von vielen Faktoren, der für die Wahl der Betriebsstrategie und deren Erfolg wichtig ist», heisst es weiter im Schreiben. «Eine Strukturentwicklung mit weniger Betrieben gleichzusetzen ist mehr als einseitig», halten die Kleinbauern fest.

Betriebe gefährdet?

Der Berner Bauernverband (BEBV) warnt, dass eine bisher nicht beachtete Auswirkung der Motion Graber bei der Umsetzung fatale Folgen haben könne. Durch die neue Bewertung würden ca. 800 Betriebe im ganzen Kanton neu als Gewerbe gelten. Diese Neubewertung hätte zur Folge, dass die Belehnungsgrenze dieser Betriebe drastisch sinken würde, so der BEBV. Gemäss Abklärungen des Verbandes müssten bis zu 200 Betriebe im ganzen Kanton umgeschuldet werden und wären dadurch in ihrer Existenz akut bedroht. Der Grosse Vorstand des BEBV hat entschieden, dieses Geschäft an die Regierung zurückzugeben und verlangt, dass diese Problematik geklärt wird.  

Dem widerspricht Samuel Graber. «Kein Betrieb ist akut bedroht. Ich habe mit zwei leitenden Bankangestellten gesprochen. Diese haben mir versichert, dass dadurch niemandem von heute auf morgen der Schuldbrief gekündigt wird», sagt er gegenüber «Schweizer Bauer». Der BEBV sei gegen Vielfalt und gegen Kleinbetriebe, so sein Fazit.

Auch die Kleinbauern halten die Befürchtung des Bauernverbandes für unbegründet. Eine Neueinschätzung aufgrund des Gewerbestatus gefährde aktuelle Darlehen gemäss Art. 73 des Bäuerlichen Bodenrechts nicht. Sei die Tragbarkeit gewährleistet, könne die Belastungsgrenze auf Gesuch hin überschritten werden, so die Kleinbauern. sal/blu

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