26.09.2018 07:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bundesrat
Keller-Sutter ist Kronfavoritin
Parteien aller politischen Couleur haben den zurücktretenden Bundesrat Johann Schneider-Ammann für seine Leistungen gewürdigt. Wortkarg gaben sie sich zu Fragen der Nachfolge. Der Ruf nach einer Frauenkandidatur wird aber lauter.

Die FDP wird am Mittwoch über das weitere Vorgehen informieren. Zum Profil für die Nachfolge von Schneider-Ammann wollte sich Parteipräsidentin Petra Gössi noch nicht äussern. Persönlich sähe sie es gerne, wenn die Partei eine Frau ins Rennen schickt.

Konkret werden wenige

Zu ihren eigenen Ambitionen hielt sich die Schwyzer Nationalrätin bedeckt. Im August hatte sie in einem Interview einer Kandidatur eine Absage erteilt. Sie wolle das ihrer Partei im Wahljahr 2019 nicht antun. «Weiteste Teile der FDP wären glücklich, mit einer Frau in der Landesregierung vertreten zu sein», sagte Fraktionschef und Zürcher Nationalrat Beat Walti im «Tagesgespräch» von Schweizer Radio SRF. Es werde aber auch andere Kriterien geben.

Wirklich konkret wurde am Dienstagnachmittag fast niemand. «Wir müssen erstmals eine Nacht darüber schlafen und den Rücktritt von Schneider-Ammann würdigen», stellte der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen fest. Ähnlich argumentierte SP-Fraktionspräsident Roger Nordmann. Es sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für diese Diskussion. Seine Partei werde abwarten, wer kandidiere und dann ihren Entscheid fällen, sagte der Waadtländer Nationalrat. Aus Sicht der SP steht eine Frauenkandidatur im Vordergrund.

Nur die Grünen reden Klartext

Aus der Deckung wagte sich einzig die Grüne Partei. Der Zürcher Nationalrat und Fraktionschef Balthasar Glättli schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, die Grünen erwarteten von der FDP eine Auswahl von zwei «fähigen Kandidatinnen». Die Partei werde diejenige Kandidatin wählen, die sich am stärksten für soziale und ökologische Anliegen einsetze.

Mindestens zwei Kandidaten erwartet auch die SVP zur Auswahl. Die Partei werde einen offiziell nominierten Kandidaten wählen, versicherte der Berner Nationalrat und Parteipräsident Albert Rösti. Als Kriterien nennt er Werte wie Souveränität und Sicherheit.

Keller-Sutter erfüllt alle Kriterien

Auch die übrigen Parteien - CVP, GLP und BDP - gaben sich ein paar Stunden nach Bekanntgabe von Schneider-Ammanns Rücktritt wortkarg. Eines scheint aber klar: Mindestens eine Frau wird die FDP aufs Ticket nehmen müssen. Dies unterstrich auch die Zürcher Nationalrätin Doris Fiala. Die FDP-Frauen-Chefin hatte schon bei der Ersatzwahl für Didier Burkhalter auf eine neue Bundesrätin gepocht. Nach dem Rücktritt von Schneider-Ammann sagte sie: «Ich möchte unbedingt eine Frau in den Bundesrat bringen.»

In den Augen des Ausserrhoder Ständerats Andrea Caroni (FDP/AR) ist das Geschlecht sicherlich ein wichtiges Kriterium, im Vordergrund stünden aber die Kompetenzen und Fähigkeiten. Gerne sähe es Caroni, wenn seine eigene Region - die Ostschweiz - in Zukunft im Bundesrat vertreten wäre. Beide Kriterien erfüllt die St. Galler Ständerätin und frühere Regierungsrätin Karin Keller-Sutter. Die Kronfavoritin hält sich vorderhand bedeckt. In der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens SRF sagte sie: «Es ist jetzt nicht der Tag der Nachfolge, es ist der Tag von Johann Schneider-Ammann.»

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