9.04.2020 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Direktzahlungen
Keine Corona-Ausnahme bei Raus
Ein Landwirt hat so viele Spaziergänger auf den Treibwegen, dass er um seine Gesundheit fürchtet, wenn er das Vieh treibt.

Beim Tierwohlprogramm Regelmässiger Auslauf ins Freie (Raus) gibt es keine Ausnahmen im Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus. Das hat ein Landwirt aus der Zentralschweiz erfahren.

Massiv mehr Menschen

Er praktiziert seit über zwanzig Jahren überzeugt und konsequent die Vollweide für seine Rinderherden. Er meint, die sehr grosse Bautätigkeit in den umliegenden Gemeinden habe in den letzten Jahren zu ständig wachsenden «Besucherströmen» auf den vier Wanderwegen geführt, die über den Hof führen, aber irgendwie sei es mit dem Weiden und dem Viehtreiben immer noch gegangen.

«Jetzt geht es aber nicht mehr. Jetzt kommen auch noch die Leute  aus der Stadt dazu. Die aktuelle Lage hat dazu geführt, dass sich die Zahl der Menschen auf meinen Treibwegen massiv erhöht hat. Zu jeder Zeit. An schönen Tagen sind es Hunderte, Tausende, von Menschen aus allen Richtungen», schrieb der Landwirt in einer E-Mail den entsprechenden Kantonsbehörden. 

Eine Ausnahme machen?

Dies führe dazu, dass er seine Treibwege, die Wanderwege, nicht mehr benützen könne, ohne die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu verletzen und seine Gesundheit und diejenige seiner Partnerin zu gefährden. Sie beide hätten schwere Vorerkrankungen. Je nach Wetter und Mäusesituation beweide er Flächen, die über einen Kilometer vom Stall entfernt und nur über diese Wanderwege erschlossen seien.

Er wollte wissen, was er tun solle. «Ist es möglich, dass wir, falls nötig, unbürokratisch und unkompliziert die Vorgaben von BTS, Raus und GMF aussetzen können in dieser ‹ausserordentlichen› Lage?», fragte er. 

«Sie können abmelden» 

Nein, so lautet zusammengefasst die Antwort der zuständigen «Fachbearbeiterin Direktzahlungen». Eine Sonderzulassung könne man ihm leider nicht ausstellen, «da der Weidegang ja grundsätzlich schon möglich wäre», wurde dem Landwirt schriftlich beschieden. Er könne eine Person vorausschicken, die den Wanderweg abgrenze vor dem Treiben der Tiere. Die Fussgänger würden sich kaum auf den Wanderweg trauen, wenn ihnen eine Rindviehherde entgegenkomme.

Überhaupt stelle sich die Frage, ob hier nicht das BAG informiert werden müsste, da ja nur Gruppen bis maximal fünf Personen erlaubt seien. Dieses würde dann Polizeipatrouillen aufbieten, die dafür sorgen könnten, dass «das Fussvolk nicht mehr solche Grössen annimmt». Bis zum 30.April könne er ja gemäss den Raus-Bestimmungen mit dem Weidegang noch warten und die Tiere weiterhin nur in den Laufhof lassen. Zu unguter Letzt schrieb die Kantonsangestellte dem Landwirt: «Sie können die Tierwohlprogramme Raus und GMF selbstverständlich für das laufende Jahr 2020 abmelden. Was dann eine vollständige Streichung der Beiträge 2020 zur Folge hätte.» 

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