29.07.2015 09:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Bauernverband
«Kampagne für Ernährungssicherheit beginnt»
Auf dem Land von SBV-Präsident Markus Ritter ist es auch sehr trocken. Er spricht über den 1. August und die SBV-Initiative.

«Schweizer Bauer»: Wie erleben Sie die Trockenheit in diesem Sommer?
Markus Ritter: Für viele Regionen in der Schweiz ist es ein ernsthaftes Problem. Die Betroffenheit ist aber regional sehr unterschiedlich. Wir haben Gebiete, in denen Bauernfamilien wegen der Trockenheit in grosse Schwierigkeiten gekommen sind, wo Wasser auf der Alp fehlt, wo es Ausfälle bei den Kulturen gibt. Anderswo hat man etwas weniger empfindliche Kulturen, oder die Wasserreserven sind grösser.

Wie ist es in Ihrem Heimatdorf Altstätten SG?
Im Rheintal unten ist es relativ gut, aber am Berg oben, wo wir zu Hause sind, ist es auch sehr trocken. Das wird sich beim dritten Grasschnitt in der geringen Ausbeute zeigen. Das vierwöchige Gras besteht vorwiegend aus hohem Raygras, das Bodengras fehlt fast vollständig.

Sind Sie im Sommer öfters auf dem Hof als sonst?
Ja. Die politische Aktivität in Bundesbern reduziert sich Anfang Juli und setzt erst Anfang August wieder ein. Darüber bin ich froh. Denn so habe ich mehr Zeit, zu Hause auf dem Betrieb zu arbeiten. Der Juli ist für uns jeweils ein intensiver Monat: Das Ökoheu in der Bergzone und der Brotweizen im Tal müssen eingebracht werden. Da gab es wunderschönes Stroh. Und auch im Büro hole ich den Sommer über einiges nach.

Welche Themen beschäftigten Sie im Juli als Bauernverbandspräsident?
Überraschenderweise wurden diese Woche die Kuhglocken noch einmal relativ intensiv diskutiert, vor allem im deutschen Fernsehen. Der RTL-Bericht fiel für die Landwirtschaft und den Tourismusstandort Schweiz recht gut aus. Ein weiteres Sommerthema war die elektronische Vorerfassung der Mehrwertsteuer bei Importen via App. Und natürlich laufen jetzt auch die Vorbereitungen auf den 1. August.

Was machen Sie am 1. August?
Der Tag ist mit verschiedenen Aktivitäten ausgefüllt. Am Morgen bin ich an einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Nollen bei Wil SG. Dort kann ich einige Gebete für die Landwirtschaft und für unsere Bauernfamilien sprechen. Ich bitte um gedeihliches Wetter, um gute Ernten. Angesichts der grossen Trockenheit im Juli ging mir die Vorbereitung leicht von der Hand. Dann nehme ich, wie es sich für einen Bauernverbandspräsidenten gehört, an einem 1.-August-Brunch teil, und zwar auf dem Hofstadel bei der Familie Koch in Gossau SG. Von dort fahre ich direkt nach Horn TG, wo ich eine 1.-August-Ansprache halten werde.

Im Juni hatte der Bauernverband in den grossen Medien schlechte Presse, vielleicht vor allem aus Neid. Was ist da die Strategie?
Wir führen unsere Imagekampagne fort. Letzte Woche lancierten wir die neue Serie von Plakaten, in denen Hoftiere im Edelweisshemd positive Aussagen über die Schweizer Landwirtschaft machen. Und natürlich ist der 1.-August-Brunch auf den Bauernhöfen eine hervorragende Gelegenheit, um die Leistungen der Bauernfamilien zu zeigen und mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten. Im Juni fällte der SBV-Vorstand auch Beschlüsse bezüglich unserer Initiative für Ernährungssicherheit.

Wird bereits der Abstimmungskampf lanciert?
Nach den Sommerferien beginnt eine Kampagne, mit der wir das Thema «Ernährungssicherheit in der Öffentlichkeit breit verankern wollen. Der SBV-Vorstand hat dafür finanzielle Mittel und personelle Ressourcen innerhalb des SBV freigegeben. Das ist strategisch sehr wichtig. Bereits im Dezember soll ja die Initiative im Bundesparlament vom Erstrat beraten werden.

Einen Gegenvorschlag wird es nicht geben?
Uns ist lieber, wenn es keinen gibt. Denn unser Initiativtext ist sehr ausgewogen formuliert. Er ist jetzt nicht mehr veränderbar. Sobald es um einen Gegenvorschlag geht, gibt es eine endlose Diskussion mit den wildesten Erwartungen, was da hineingehört. Wir liefern mit unserem Initiativtext eine Ergänzung der Verfassung, eine solche hat der Bundesrat in seinem Bericht zur Vernehmlassung zum in der Zwischenzeit zurückgezogenen direkten Gegenvorschlag ja auch befürwortet. Der Bundesrat hat ja auch anerkannt, dass die Verfügbarkeit von Lebensmitteln in der Verfassung mit keinem Wort erwähnt ist.

Was tut der SBV, damit bei den Nationalratswahlen am 18. Oktober wiederum zahlreiche Bäuerinnen und Bauern gewählt werden?
Wir haben früh informiert und Gespräche mit den kantonalen Bauernverbänden geführt. Diese machen dabei die Hauptarbeit, denn die Wahlen sind kantonal. Wir haben in der Juni-Session alle bekannten bäuerlichen Kandidatinnen und Kandidaten zu einem Informationsanlass nach Bern eingeladen. Und jetzt habe ich einige Anfragen zu Sachgeschäften von bäuerlichen Kandidaten, die ich gerne beantworte.

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