1.02.2018 16:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Hornkuh
«Ich halte an der Initiative fest»
Der Hornkuh-Initiative wollte die Wirtschaftskommission (WAK-N) des Nationalrates einen indirekten Gegenvorschlag gegenüberstellen. Doch nach dem Nein der Schwesterkommission lässt die WAK-N den Gegenentwurf sein. Armin Capaul hält an seiner Initiative fest.

Die Wirtschaftskommission des Nationalrates stand Anfang Januar der Förderung von horntragenden Nutztieren positiv gegenüber. Sie war überzeugt, dass die Initiative in der Bevölkerung grosse Sympathien geniessen wird.

Gegenvorschlag sah Raus vor

Der Gegenvorschlag sah vor, dass der Beitrag für alle horntragenden, erwachsenen Tiere ausgerichtet werden sollte, nebst Kühen und Ziegen auch für Yaks oder Wasserbüffel. Die Anspruchsberechtigung für Hornbeiträge wäre an die Erfüllung des Tierwohlstandards RAUS (Regelmässiger Auslauf im Freien) geknüpft gewesen. Das Stallhaltungssystem hingegen wäre hingegen kein Kriterium gewesen. Zudem hätte es pro Tierhalter keine Höchstzahl von anspruchsberechtigen Tieren gegeben.

Kein Gehör fand die Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S) für den Gegenvorschlag. Mit einem indirekten Gegenentwurf würde ein neuer Subventionstatbestand geschaffen, teilte diese mit. Nach Ansicht der Ständeratskommission ist es auch nicht nötig, um jeden Preis eine Volksabstimmung zu vermeiden. Aufgrund des Nein seiner Schwesterkommission verzichtete die WAK-N auf einen Gegenentwurf.

«Mit Herzblut bei der Initiative»

Und zu einer Volksabstimmung wird es nun auch kommen. «Ich halte ab der Initiative fest. Wieso sollte ich diese zurückziehen? Das Stimmvolk soll nun darüber entscheiden», macht Armin Capaul am Donnerstagnachmittag gegenüber schweizerbauer.ch deutlich. Er sei nicht enttäuscht, dass der Gegenvorschlag vom Tisch sei, fährt er fort. Das Parlament habe eine Chance verpasst, eine Abstimmung abzuwenden. «Mein Verstand sagt mir, dass ein Gegenvorschlag besser für die Hornkühe gewesen wäre. Ich bin mit Herzblut bei der Initiative», so der Bergbauer.

«Nun wird unser Anliegen in Verfassung festgehalten. So habe ich zwar keinen Einfluss auf die Höhe des Betrages. Aber je höher der Ja-Anteil, desto mehr Gewicht erhält unser Anliegen. Und das ist umso besser für die Hornkühe», erklärt der im Berner Jura wohnhafte Capaul gegenüber schweizerbauer.ch.

Umfrage zeigt deutliches Ja

«Ich rechne mir sehr gute Chancen aus, dass wir die Initiative durchbringen. Viele Personen haben sich bei mir gemeldet und gesagt: Armin, lass und abstimmen», fährt er fort. Capaul hat in der Tat gute Chancen an der Wahlurne. Gemäss einer repräsentativen Umfrage der Zeitung «Bote der Urschweiz» sind 64 Prozent der Befragten klar oder eher für die Volksinitiative. Ablehnend stehen ihr 27 Prozent gegenüber.

Es gibt Unterschiede bezüglich Geschlecht und Alter. Frauen stehen der Initiative positiver gegenüber als Männer (Frauen: 44% klar Ja, Männer 34%). Bei den 14-34-Jährigen ist die (klare) Zustimmung mit 30% deutlich tiefer als bei mittleren Alterskategorie (40%) und bei den über 55-Jährigen (46%).

Die Urheber der Hornkuh-Initiative wollen erreichen, dass weniger Tiere enthornt werden. In der Verfassung soll verankert werden, dass horntragende Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke mit finanziellen Beiträgen gefördert werden. Heute werden den meisten Kälbern die Hornanlagen ausgebrannt. Ein Verbot, Tiere zu enthornen, sieht das Volksbegehren nicht vor. Bundesrat und Ständerat lehnen die Initiative ohne Gegenvorschlag ab.

Bauern grossmehrheitlich dagegen

Mit seiner Initiative schafft sich der Bergbauer aus Perrefitte BE in der Landwirtschaft nicht nur Freunde. Es dürfte zu einer Spaltung kommen. Die meisten Bauern lehnen die Initiative ab. Bei den Mitgliedern der IG Anbindestall stösst das Begehren indes auf Unterstützung. Für die meisten Bauern aber, welche ihre Kühe in Laufställen halten, ist es schlicht undenkbar, die Kühe nicht zu enthornen.

Die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier sei zu gross, argumentieren sie. Im Januar 2018 haben sich bei einer nicht repräsentativen Umfrage 76 Prozent der Abstimmenden auf schweizerbauer.ch für das Enthornen ausgesprochen, auch wenn es für Hornkühe einen Beitrag geben würde.

Die Hornkuh-Initiative wurde im März 2016 mit fast 120'000 gültigen Unterschriften eingereicht. Hinter der Initiative steht eine Interessengemeinschaft um den Bergbauern Armin Capaul. Die Unterschriften stammten hauptsächlich aus der Romandie und urbanen Gebieten.

Der Initiativtext

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:

Art. 104 Abs. 3 Bst. b

3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:

b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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