4.04.2013 08:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Bauernverband
«Ich bin SVPler, vor allem aber Bauer»
Am 26. April wählt die Landwirtschaftskammer des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) einen neuen Vizepräsidenten. Markus Hausammann, Präsident Verband Thurgauer Landwirtschaft, ist einer der drei Kandidaten.

Am Dorfrand von Langrickenbach TG direkt an der Hauptstrasse steht ein stattliches Bauernhaus mit angebauter Scheune. Dass in dieser Scheune ein Freilaufstall für 45 Milchkühe inklusive Melkstand und Heuraum Platz findet, ist von aussen schwer zu glauben.

Als der heute 49-jährige Meisterlandwirt und gelernte Elektromonteur 1992 den elterlichen Betrieb übernahm, baute er kurz darauf eine Güllengrube und an das bestehende Gebäude einen Laufstall für 30 Kühe. Nach und nach erweiterte er diesen, installierte im alten Anbindestall Abkalbeboxen, zusätzliche Liegeboxen und Fressplätze. Kürzlich erweiterte er die Güllengrube und richtete darauf einen befestigten Laufhof mit einigen Aussenboxen ein.

Spezialisierter Betrieb

Hausammann spezialisierte sich auf die Milchproduktion und liefert jährlich rund 300'000 Kilo silofreie Emmentaler-Milch ab. Entsprechend verabschiedete er sich von seinen 1,5 Hektaren Tafelobst und produziert jetzt ausschliesslich Futter auf seinen Flächen. «Was wir in den Landwirtschaftsbetrieb investieren, muss sich unter dem Strich rechnen», betont er. Und legt Wert darauf, dass es sich bei seinem Lieferrecht grossmehrheitlich um ehemaliges Kontingent handle, welches durch vertragliche Zusammenarbeit zum Betrieb kam.

Hausammann glaubt, dass sein Betrieb langfristig existieren kann. Damit dies nicht nur für seinen Betrieb gilt, will er sich als Vizepräsident des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) für entsprechende Rahmenbedingungen einsetzen. Er wehrt sich gegen eine Grenzöffnung bei der weissen Linie (Milch), glaubt weder daran, dass eine Milchkontingentierung wieder eingeführt werden könnte, noch dass die Branche  aktuell in der Lage ist, Regulierungsmassnahmen zu beschliessen und ohne Allgemeinverbindlichkeit umzusetzen. «Punkto Milch kann man nur an die Vernunft der Bauern appellieren», sagt er.

Emmentaler reformieren

Er liefert in zwei Emmentalerkäsereien. Die eine verarbeitet rund 5 Mio. Kilo, die andere gut 2 Mio. Aktuell kriegt er für seine Milch 66 Rp. je Kilo. Dies, weil es in der Ostschweiz Alternativen zu der Emmentalerkäserei gebe. Er ist der Überzeugung, dass es in der Emmentalerbranche Reformen braucht, um das Traditionsprodukt langfristig zu stärken. «Die Pflichtenheftanpassungen dürfen aber die Effizienz der Käsereien nicht einschränken», warnt er. Hausammann begrüsst die Reduktion des Sammelradius, wehrt sich aber gegen Anpassungen bei den Produktionschargen.

Kulturland schützen

Hausammann ist ein bekennender Kulturlandschützer. Aus eigener Erfahrung weiss er, wie es ist, am Rand der Bauzone Landwirtschaft zu betreiben. Der Erhalt des Hofes ist ihm wichtig. Um den Boden – der für die Bauern existenziell ist – zu erhalten, will er sich für die zweite Etappe der Raumplanungsgesetzrevision starkmachen. «Hier müssen wir noch andere Verbündete finden als bei der ersten Etappe», ist er überzeugt. 

Dafür sei er der richtige Mann an der SBV-Spitze. «Ich bin Nationalrat, habe viele politische Erfahrung und habe keine Berührungsängste», ist er überzeugt. Und sagt von sich: «Ich bin SVPler, vor allem aber Bauer und in erster Linie meinem Gewissen verpflichtet.»

Da in seiner Brust vor allem das Bauern-Herz schlägt, ist er zwar nicht zufrieden mit der AP 2017, enthielt sich darum bei der Schlussabstimmung, lehnt aber ein allfälliges Referendum strikt ab. «Der Imageschaden wäre zu gross und die Erfolgschancen wären zu gering», sagt er.

Fester Sitz für Frauen

Hausammann ist auch Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft. Für seine Kandidatur sei es untergeordnet, dass er aus dem Kanton Thurgau komme, aus gesamtschweizerischer Sicht kämen alle Kandidaturen aus der gleichen Region. Zudem will er sich als Vizepräsident dafür einsetzen, dass den Bäuerinnen ein steter Sitz zugesprochen, sprich ein drittes Vizepräsidium geschaffen wird. Und er stellt auch gleich klar, dass er keine Ambitionen hat, einmal Bauernverbandspräsident zu werden.

Betriebsspiegel

Betriebsleiterehepaar: Brigitte und Markus Hausamman
Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar, eine Lernende, eine landwirtschaftliche Angestellte 70%.
Fläche: 22 ha, wovon 1,5 ha
Mais und 1,5 ha Wald
Tiere: 46 Braunvieh-Milchkühe
Lieferrecht: rund 300'000 kg Emmentaler-Käsereimilch

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE