31.10.2018 19:14
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/Video sal
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«Hörner sind gnadenlose Waffe»
Die landwirtschaftlichen Verbände Agora, Mutterkuh Schweiz und der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband stellen sich gemeinsam gegen die Hornkuh-Initiative. Mathias Gerber von Mutterkuh Schweiz und Christine Bühler vom Bäuerinnen- und Landfrauenverband erklären gegenüber schweizerbauer.ch ihre Beweggründe.

Mathias Gerber, Präsident von Mutterkuh Schweiz, sagt, dass es bei der Mutterkuhhaltung «selbstverständlich» Herden gäbe, die Hörner tragen. Als Beispiel nennt er die Schotttischen Hochlandrinder. «Diese Tiere ohne Hörner sind unvorstellbar», erklärt er gegenüber schweizerbauer.ch.

Aus der Sicht von Mutterkuh Schweiz gehört der Text der Hornkuh-Initiative nicht in die Verfassung. Diese Thematik sei auf Stufe Bundesverordnung zu regeln wie die übrigen Direktzahlungen auch, hält Gerber fest. Mutterkuh Schweiz setze sich zudem für den Laufstall ein. «Für uns geht das Tierwohl über dieses Stallsystem. Die Tiere sollen sich frei bewegen können», macht Gerber deutlich. Sie sollen die sozialen Kontakte dort innerhalb der Herde pflegen können. Die Laufstallhaltung habe Vorrang vor einer einseitigen Förderung der Hörner.

Gerber ist auf einem Betrieb aufgewachsen, wo die Milchkühe Hörner getragen haben. Er habe keine Verletzungen erlitten. Doch mit den Lehrlingen habe es doch Zwischenfälle gegeben, sagt Gerber zur Unfallgefahr mit hörnertragenden Kühen. Ein Auszubildender habe durch einen Hornstoss Zähne verloren.

Christine Bühler, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV), ist der Ansicht, dass sich horntragenden Milchkühe und Laufställe «schlecht vertragen». Sie nennt in diesem Zusammenhang die erhöhte Unfallgefahr für Tiere und Menschen. In Kuhherden herrschten klare Hierarchien. Und diese würden ausgetragen. «Hörner werden dann als gnadenlose Waffe eingesetzt», betont Bühler.

Die Bernerin spricht sich indes klar für den Laufstall aus. «Die Gesundheit der Kühe im Laufstall ist besser. Die Tiere haben viel mehr Bewegung. Und beispielsweise ist die Brunst besser sichtbar», sagt sie gegenüber schweizerbauer.ch. Auch Bühler bringt die Unfallgefahr ins Spiel. Die SBLV-Präsidentin selbst trug keine Verletzungen von Hornkühen davon. Bühler ist auf einem Betrieb mit Anbindehaltung und horntragenden Kühen aufgewachsen. «Wenn ich jeweils eine Kuh festbinden wollte, hatte ich Hörner immer auf Augenhöhe», hält sie fest. Und der Sohn eines Nachbarbetriebes habe durch einen Hornstoss ein Auge verloren.

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