17.01.2018 15:38
Quelle: schweizerbauer.ch - ber/blu
Pflanzenschutzmittel
Hiestand für Trinkwasserinitiative
Der Backwarenpionier Fredy Hiestand engagiert sich für die Trinkwasser-Initiative. Bauern, welche weiterhin Pestizide einsetzen wollen, sollen künftig keine Subventionen mehr bekommen.

Gipfeli und Trinkwasser werden normalerweise nicht miteinander in Verbindung gebracht. Der Gipfelikönig Fredy Hiestand hat sich dennoch jüngst entschieden, sich für die Trinkwasser-Initiative einzusetzen. Er wolle Produkte anbieten, hinter denen er vollumfänglich stehen kann, sagte er zur Aargauer Zeitung. Initiantin Franziska Herren freute sich sehr über den Anruf und die zugesicherte Unterstützung von Hiestand. "Ich dachte, ich höre nicht recht, als mich Fredy anrief und seine Unterstützung zusicherte", so Herren zur Aargauer Zeitung.

Keine Zahlungen

Die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» hat grundsätzlich drei Pfeiler. Gefordert wird, dass nur noch diejenigen Bauern Direktzahlungen oder Zahlungen erhalten, die auf ihren Betrieben keine Pestizide einsetzen. Wenn sie Gelder wollen, dürfen sie Antibiotika nicht mehr prophylaktisch einsetzen.

Und sie dürfen nur noch so viele Tiere halten, wie sie ohne den Import von Futtermitteln ernähren können. Gemäss Initianten soll somit verhindert werden, dass durch die Regenversickerung auf intensiv bewirtschafteten Flächen Trinkwasser mit Giftstoffen und Rückständen belastet wird.

Markus Ritter stellt Anliegen in Frage


Würde diese Initiative angenommen, würde dies für die Landwirte und deren Produktion von Obst, Gemüse und Fleisch eine riesige Umstellung bedeuten. Weil die Pflanzenbauerträge ohne Pflanzenschutzmittel um 20 bis 30 Prozent sinken würden und deshalb wieder mehr Produkte importiert werden müssten, stellt der Schweizer Bauernverband das Anliegen infrage. «Wir setzen alles daran, Hilfsstoffe wie Pflanzenschutzmittel nur sehr zurückhaltend einzusetzen», sagt Verbandspräsident Markus Ritter zur Solothurner Zeitung.

Die Bio-Betriebe wären davon gleich betroffen, deswegen gehe diese Initiative viel zu weit. Zudem sei es den meisten Landwirten gar nicht möglich, ausreichend Futter für die eigenen Tiere selbst zu produzieren. Ritter mahnt den Backwarenpionier Hiestand: «Für die Herstellung von Gipfeli braucht es Getreide. Eine Getreideproduktion ohne jegliche Pflanzenschutzmittel - seien es biologische oder andere - ist jedoch kaum möglich. Ich weiss nicht, ob sich Hiestand dessen bewusst ist.»

Hiestand: Angstmacherei

Fredy Hiestand befindet die «Angstmacherei» der Bauern als übertrieben. Schliesslich gebe es genug Betriebe, die das Anliegen bereits umsetzen können. Zudem würden die Pestizide ja nicht verboten. Jene die künftig noch Pestizide einsetzen, würden halt keine Subventionen mehr empfangen können. Am kommenden Donnerstag wird die Initiative offiziell bei der Bundeskanzlei eingereicht.

Der Bauernsohn und gelernte Bäcker gilt als «Gipfelikönig». Vor 50 Jahren, am 31. Dezember 1967, hat Fredi Hiestand den Grundstein für die spätere Grossbäckerei A. Hiestand AG und die heutige Aryzta gelegt. Seine eigentliche Pionierleistung war die Erfindung des Aufbackgipfels. Anfänglich belieferte er nur andere Bäckereien, später verhalf er damit Tankstellen zu Erträgen. Wurde er von der Branche zuerst noch kritisiert als «Totengräber der Bäcker», wurde er in der Öffentlichkeit bald zum «Gipfelikönig». 2008 fusionierte Hiestand mit der irischen IAWS zu Aryzta.

Hiestand setzte sich nach seinem Ausscheiden aus dem Konzern nicht zur Ruhe. 2003 erfand er sich mit der Fredy’s AG nochmals neu. Das Unternehmen verwendet nach eigenen Angaben ausnahmslos Mehle aus zertifizierter Schweizer IP-Suisse-Produktion.

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