12.06.2013 14:56
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Graubünden
Grossraubtiere: Bündner fühlen sich allein gelassen
Sowohl die Bündner Gemeinden als auch der Kanton Graubünden fühlen sich beim Umgang mit Wolf und Bär allein gelassen. Das zeigte am Mittwoch eine emotionale Diskussion im Kantonsparlament. Vom Bund erwartet man zumindest mehr Geld.

Regierung und Parlament waren sich einig: Die Schutzauflagen für die Grossraubtiere stammen aus Bern, also solle Bern auch für die Kosten von Schutz- und Präventionsmassnahmen gerade stehen. Die Regierung erklärte sich deshalb bereit, den Auftrag anzunehmen, sich beim Bund für «die notwendigen Mittel» einzusetzen. 

Das Konzept des Bundes gewährleistet nach Ansicht der Regierung keinen befriedigenden Herdenschutz. Graubünden bleibe nichts anderes übrig, als selber tätig zu werden. Dafür müsste mehr Geld bereit gestellt werden - allenfalls auch aus der Kantonskasse. 

Verunsicherte Talschaften 

Die Diskussion im Grossen Rat zeigte: Die wachsende Wolfspopulation und die wiederholten Bärenbesuche verunsichern nach wie vor die Bündner Bergbevölkerung. Zahlreiche Voten, insbesondere von Vertretern aus kleineren Talschaften, waren eigentliche Hilferufe. 

Man habe manchmal Angst und wisse nicht, wie man sich verhalten soll, hiess es. Die Information zum Umgang mit den Grossraubtieren genüge nicht. Der Aufbau der Prävention überfordere kleine Gemeinden, das Herdenschutzkonzept sei eine Schönwetterübung und Lösungen nicht in Sicht. Bund und Kanton würden Aufgaben und Verantwortung einfach auf die Gemeinden abschieben. 

Kanton räumt Fehler ein 

«Wir wollen helfen», entgegnete der zuständige Volkswirtschaftsdirektor Hansjörg Trachsel. Er gab zu, man habe beim Herdenschutz Fehler gemacht. Es hätte schlichtweg die Erfahrung damit gefehlt. 

Bei der Prävention stehe Graubünden tatsächlich erst am Anfang. Immerhin bestehe bereits ein Konzept. Die Umsetzung sei zwar Sache der Gemeinden, der Kanton werde diese aber beraten und finanziell unterstützen. 

Wie die Gemeinden und Talschaften fühlt sich auch der Kanton von Bundesbern alleingelassen. «Wir müssen alles daran setzen, dass der Bund mehr macht und nicht nur Experten schickt», sagte Trachsel. Viele Beamten in Bern seien «weit, weit weg».

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE