8.01.2015 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Thurgau
Geothermie: Keine Bohrerlaubnis in Etzwilen
Bevor im neuen Gesetz zur Nutzung des Untergrundes geklärt ist, wer für allfällige Schäden haftet, wird am geplanten Standort für ein Geothermie-Kraftwerk in Etzwilen TG nicht gebohrt. Der Thurgauer Grosse Rat hat am Mittwoch die Petition der «Gruppe besorgter Etzwiler» behandelt.

Die Anwohner hatten Unterschriften gegen das Projekt gesammelt und einen Projekt-Stopp verlangt, bis neue gesetzliche Grundlagen in Kraft sind. Zudem verlangen die Kritiker eine strenge Kausalhaftung zu Lasten der Nutzer des Untergrunds. Ein Unternehmen müsse über eine Versicherungsdeckung von mindestens 100 Mio. Franken verfügen, damit es bohren dürfe.

"Nehmen Ängste ernst"

Vor Abschluss der Beratungen zum geplanten Gesetz für die Nutzung des Untergrundes (UNG) werde keine Konzession erteilt, garantiert die Thurgauer Regierung. «Wir nehmen die Ängste der Bevölkerung ernst, wollen aber auch ein gutes Umfeld für Unternehmen schaffen, die im Thurgau nach alternativen Energiequellen suchen», sagte Regierungsrätin Carmen Haag, Vorsteherin des Departements Bau und Umwelt im Grossen Rat.

Der Gesetzesentwurf liegt vor und wird in rund drei Monaten im Grossen Rat beraten, wie Riccarda Zurbuchen, Leiterin der Parlamentsdienste, auf Anfrage der sda sagte. Das neue Gesetz regelt, welche Voraussetzungen ein Unternehmen erfüllen muss, damit es den Untergrund nutzen darf. Dazu gehört eine ausreichende Versicherungsdeckung für allfällige Schäden, die bei der Ausübung der Konzession entstehen können. Dass die kantonale Gebäudeversicherung Erdbeben- und Folgeschäden deckt, die durch Tiefenbohrungen verursacht werden, schliesst die Regierung aus.

«Multi-Riss-System»

Die Geo-Energie Suisse AG plant auf einem ausgedienten Eisenbahn-Areal in Etzwilen in der Nähe von Stein am Rhein ein Erdwärme-Kraftwerk. Dieses soll ab 2020 Strom produzieren. Ein auf Sommer 2014 angekündigter Konzessionsantrag wurde verschoben, weil die Rahmenbedingungen nicht geklärt sind.

Anders als beim gescheiterten Geothermie-Kraftwerk in St. Gallen wird in Etzwilen nicht mit Heisswasser in der Tiefe gerechnet. Vielmehr soll nach dem «Multi-Riss-System» Wasser durch Bohrlöcher in das Gestein gepresst und danach als Heisswasser wieder an die Erdoberfläche geführt werden.

Die Geo-Energie Suisse AG gehört verschiedenen Energieversorgungsunternehmen (u.a. Elektrizitätswerke der Stadt Zürich, Industrielle Werke Basel oder Energie Wasser Bern). Das Unternehmen plant auch in Avenches VD und in Haute-Sorne JU Geothermie-Kraftwerke.

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