11.07.2014 18:10
Quelle: schweizerbauer.ch - gro
Biodiversität
Gegenwind für Bienenweide
Ausgerechnet aus den Reihen der Naturschützer wird nun gegen das geplante Ökoelement Bienenweide geschossen.

Mit der AP 14–17 soll die Bienenweide als neues Ökoelement aufgenommen werden. Gemäss Entwurf zur Verordnung über die Agrarpolitik, der bis Freitag in der Vernehmlassung war, wolle das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) solche Blühstreifen mit mindestens 2500 Fr./ha subventionieren, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Falle für Insekten

Dagegen regt sich nun Widerstand: Die Schweizerische Vogelwarte hält nichts von der Bienenweide. Markus Jenny, Agrarexperte der Vogelwarte, sagt gegenüber der «NZZ am Sonntag»: «Die Dauer von nur 100 Tagen, während der die Bienenweide besteht, ist viel zu kurz. Sie kann für wildlebende Insekten sogar zur Falle werden. Nämlich dann, wenn sie ihre Brut ablegen, und dann wird das Feld umgepflügt.»

Auch Vision Landwirtschaft (zu deren Mitgliedern die Vogelwarte zählt) lässt kein gutes Haar an der Bienenweide. «Blühstreifen, angesät mit fast ausschliesslich nicht einheimischen, schnell wachsenden Zwischenfrüchten, die über kurze Zeit viel Pollen und Nektar produzieren, sollen den von Pestizidcocktails gebeutelten Bienen helfen», schreibt der Verein in seinem Newsletter. Vor allem fürchtet er eine Konkurrenz zu den bewährten Ökoelementen.

Ein von Agroscope erstelltes Gutachten bestätige, dass die Blühstreifen nicht zielführend seien, sondern eine Schwächung des ökologischen Ausgleichs im Ackerbaugebiet bewirkten, so der Newsletter.

«Vorwürfe unbegründet»

Hans Ramseier von der Hochschule HAFL, die mitgeholfen hat, die Bienenweide-Mischungen zu entwickeln, versteht die Vorwürfe nicht: «Wir konnten  zeigen, dass es in der Bienenweide viel mehr Bienen und auch nicht spezialisierte Wildbienen hat als in Buntbrachen oder extensiven Wiesen.» Ob beim Umbruch Gelege der Insekten vernichtet würden, wisse niemand. Dies solle diesen Herbst respektive nächsten Frühling in einem Versuch abgeklärt werden.

«Auf die Forderung, dass die Mischung mehr Wildpflanzen enthalten soll, haben wir reagiert und testen nun neue Mischungen», sagt Ramseier. Diese seien aber bezüglich Bodenbedeckung schlechter und vor allem teurer. Er ist überzeugt: «Wer wirtschaftlich denkt, bricht keine extensive Wiese zugunsten einer Bienenweide um.» Dies würde lediglich Saatgutkosten und Arbeit verursachen, keinen Ertrag  und nicht mehr Beiträge geben.
Speziell bedauerlich seien die Vorwürfe, da die Bienenweide  auf Initiative der Landwirte entstand. «Da muss man sich nicht wundern, wenn es den Bauern gleich wieder ablöscht mit der Biodiversität», meint Ramseier.

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