31.07.2017 08:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Bern
«Fahrende verunreinigen Kulturen»
Die Gemeinde Wileroltigen BE bekommt das dritte Jahr in Folge Besuch von ausländischen Fahrenden. Dies führt zu Unmut bei der Bevölkerung. Landwirt Christoph Herren erklärt, weshalb er gegen den neu geplanten Transitplatz ist.

«Schweizer Bauer»: Was ist heute der Stand der Dinge bezüglich Fahrende mit ihren Fahrzeugenund Gemeinde Wileroltigen?
Christoph Herren: Seit acht Wochen befinden sich die Fahrenden nun wieder in Wileroltigen, genauer auf dem eigentlich abgesperrten Gelände des Astra (Bundesamt für Strassen) neben dem Rastplatz Wileroltigen.

Was heisst wieder?
Das ist nun das dritte Jahr in Folge, also seit es den Rastplatz Wileroltigen gibt, dass die Fahrenden hierherkommen, dieser scheint sie anzuziehen. Im ersten Jahr haben sie sich direkt neben dem Rastplatz angesiedelt. Daraufhin wurde das Feld durch den Bund mit einem Knotengitter eingezäunt und abgesperrt. Letztes Jahr haben sie die Ökofläche eines Berufskollegen kurzerhand mit ihren Fahrzeugen in Beschlag genommen. Dieses Jahr nun haben die Fahrenden Anfang Juni direkt auf dem Rastplatz Halt gemacht. Als dies der Bund nicht mehr tolerierte und sie wegschickte, wurde der vor zwei Jahren erstellte Zaun aufgebrochen, und die Fahrenden liessen sich schlussendlich  in unmittelbarer Nähe des Rastplatzes nieder.

Von wie vielen Fahrenden sprechen wir?

Die Höchstzahl lag bei rund 500 Personen und 200 Fahrzeugen. Nun ziehen sie aber langsam wieder weiter. Zum Vergleich: Unsere Gemeinde hat gerade einmal 380 Einwohner. Das ist natürlich ein grosses Missverhältnis.

Was ist das Problem mit den Fahrenden?

Sie hinterlassen ein riesiges Chaos. Als Toilette benutzen sie die Feldwege oder sie gehen in die Felder von uns Bauern und verunreinigen so die Kulturen. Zudem kommen sie ins Dorf und füllen an privaten Anschlüssen ihre Wassertanks auf. 

Und was hat die Gemeinde dagegen unternommen?
Wir haben uns an den Kanton gewendet, und der hat uns Hilfe zugesichert. Aber anstatt Hilfe haben wir eine Hiobsbotschaft erhalten.

Wie muss ich das jetzt verstehen?
Vor rund zehn Tagen kam der Regierungsrat höchstpersönlich vorbei und verkündete, dass der Kanton nun auf dem Astragelände die Einrichtung eines permanenten Transitplatzes für Fahrende prüfen will.

Wo liegt das Problem?
Erstens ist uns überhaupt kein Konzept bekannt, und wir haben viele offene Fragen. Zweitens haben wir Angst vor einer Sogwirkung. Schon jetzt haben wir sehr viele Fahrende vor Ort. Wenn es einen offiziellen Transitplatz gibt, dann werden noch mehr Personen angezogen. Fakt ist, dass der Transitplatz aber nur Platz für ca. 40 Fahrzeuge bieten soll. Wir haben aber heute schon über 200. Und das ist auch der dritte Punkt. Das Problem der Feldbelagerung von uns Bauern wird nicht behoben, sondern noch verschärft. Und viertens: Das Land, auf dem der Transitplatz entsteht, gehört zurzeit dem Bund und befindet sich in der Landwirtschaftszone, und dieser will es an den Kanton verkaufen. Wenn der Bund so vorgeht, kann die Bevölkerung überhaupt nichts zur Umzonung und zur Umnutzung des Landes sagen. Die Bevölkerung wird durch diesen «Kuhhandel» übergangen und muss machtlos zusehen.

Was will die Gemeinde nun unternehmen?
Am 14. August will der Regierungsrat an einem Infoanlass über den Transitplatz informieren. Unser Ziel ist es, dort zahlreich vertreten zu sein, möglichst viele Leute nach Wileroltigen zu bringen und dem Regierungsrat eines klarzumachen: Wileroltigen will keinen Transitplatz. Aber es geht noch um viel mehr.

Und das wäre?

Wir möchten, dass das Thema allgemein überdacht wird. Mit Transitplätzen werden Probleme nicht gelöst, und die Gesetze zu den Minderheiten müssen angepasst werden. Zudem muss ein klarer Unterschied zwischen ausländischen und Schweizer Fahrenden gemacht werden. Deshalb versuchen wir auch Politiker ins Boot zu holen. Das ist aber gar nicht so einfach. Viele scheinen Angst zu haben, sich die Finger an diesem Thema zu verbrennen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE