11.05.2018 13:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Freihandel
Exportboom basiert auf Billigkäse
Der Schweizer Bauernverband (SBV) zieht vier Jahre nach Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China eine ernüchternde Bilanz. Die Hoffnungen auf Exportsteigerungen für Agrarprodukte hätten sich bislang nicht erfüllt.

Aus Sicht der Schweizer Landwirtschaft habe der Freihandel mit China zwar keinen Schaden gebracht, der prophezeite Nutzen sei aber bisher ausgeblieben, teilte der SBV mit Sitz in Brugg AG am Freitag mit.

Melamin-Skandal


Bei Agrarprodukten habe sich zwischen 2012 und 2017 der Anteil am gesamten Export nach China auf 1,2 Prozent verdoppelt. Hauptverantwortlich dafür sei die reissende Absatzentwicklung von Babynahrung. Gemeinsam mit Kaffee und Schokolade mache dieser Anteil über 70 Prozent der Lebensmittelexporte aus.

Die positive Entwicklung geht gemäss SBV nicht auf das Freihandelsabkommen zurück, sondern in erster Linie auf den chinesischen Melamin-Skandal rund um kontaminierte Babynahrung. Der Absatz habe bereits mit dem Beginn des Melamin-Skandals im Jahr 2008 stetig zugenommen. Exportschlager sind somit verarbeitete Produkte, die wenig Wertschöpfung im ersten Sektor generieren. Beim Export von Babynahrung mit tiefem Milchfettanteil fällt überschüssiges Milchfett an, das auf dem Schweizer Markt verbleibt. "Deshalb haben solche Exportsteigerungen kaum Auswirkungen auf das landwirtschaftliche Sektoreinkommen", schreibt der Bauernverband. 

Export von billigem Reibkäse

Beim Käse mute die Entwicklung auf den ersten Blick ebenfalls positiv an. Während das Exportwachstum vor dem Abkommen jährlich rund 8,5 Prozent betrug, konnte die Menge danach um 60 Prozent gesteigert werden. «Diese Entwicklung basiert aber leider nicht auf der steigenden Nachfrage zahlungskräftiger Chinesen nach Gruyère, Emmentaler oder Appenzeller», führt der Bauernverband aus. Vielmehr handle es sich dabei um billigen, austauschbaren Reib- und Pulverkäse.

Diese Reibkäse machen gemäss SBV wertmässig rund 70% und mengenmässig knapp 90% der Ausfuhrsteigerung zwischen 2012 und 2017 aus. Somit büssten die Hart- und Halbhartkäse trotz gesteigertem Absatz (72% bzw. 84%) beim Exportanteil einiges ein. Während Reibkäse und Käse in Pulverform 2017 54% der Exporte ausmachen, sind es für Hart- und Halbhartkäse lediglich noch 34% und 8% (2012: 80% und 17%). «Mehr als die Hälfte des exportierten Käses bedient folglich weder Hochpreissegmente noch trumpft sie mit Swissness und Qualität auf», schreibt der SBV. 

Schlecht für Image von Schweizer Käse

Mit einem Durchschnittspreis von 4,26 Franken pro Kilo brächten diese Exporte den Milchbauern keinen Mehrwert, sondern drohten dem Image des Schweizer Käses sogar zu schaden. Der enorme wert- und mengenmässige Exportanstieg um 306% beziehungsweise 656% im Käsehandel basiert weder auf einer Qualitätsstrategie noch generiere er eine starke Wertschöpfung für die Schweizer Milchbauern, kritisiert der Bauernverband.

Der SBV will nun die Gründe für den harzigen Absatz von Qualitätskäse vertiefen. Erste Erkenntnisse wiesen darauf hin, dass gewisse Käsesorten den Chinesen zu rezent seien. Stärker ins Gewicht fallen dürften gemäss Bauernverband die nicht tarifären Handelshemmnisse Chinas wie etwa die Akkreditierung von Herstellern und Exporteuren, die Administration beim Grenzübertritt sowie die Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit.

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