28.10.2015 16:49
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Bundesrat
Eveline Widmer-Schlumpf tritt ab
Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat am Mittwochabend ihren Rücktritt angekündigt. Sie wird Ende Jahr aus dem Amt austreten.

Sie habe in den vergangenen Tagen hunderte von Zuschriften erhalten, sagte die Bundesrätin vor den Medien. Das habe sie gefreut. Es seien intensive Jahre gewesen, fuhr sie fort. Sie mache nun seit 30 Jahren Politik, davon acht Jahre in der Landesregierung.

Sie habe im Stab Mitarbeiter von sämtlichen Parteien um sich gehabt. Das habe die Arbeit erleichtert. Das Amt als Bundesrätin sei ein grosses Privileg gewesen. Die Bundesrätin danke auch ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit der Familie und Freunden habe sie diskutiert, wann der optimale Zeitpunkt für Rückzug aus dem Bundesrat sei. Auf die Politik warte nun viel Arbeit. Es gälte nun, alle Kräfte einzubinden.

Schon vor Wahlen entschieden

Das Amt als Bundesrätin mache ihr noch Spass. "Und man soll aufhören, wenn die Arbeit noch Spass mache", so Widmer-Schlumpf. Sie habe nun aber auch Zeit, sie Themen zuzuwenden, für welche sie derzeit zuwenig Zeit habe. In den vergangenen Jahren sei es aggressiver geworden. Zudem würden Entscheide von ihr bereits in Onlinemedien kommuniziert, bevor sie die Entscheidung gefällt habe, betont Widmer-Schlumpf.

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat schon vor den Wahlen entschieden, dass sie per Ende Jahr aus dem Bundesrat zurücktritt. Definitiv habe sie am Montag nach den Wahlen entschieden. An diesem Tag habe sie auch die Parteileitung informiert. Die anderen Vertreter der Mitteparteien habe sie vor ein paar Tagen informiert.

"Auftrag erfüllt"

Der Ausgang der Wahlen sei jedoch nicht ausschlaggebend gewesen, sagte Widmer-Schlumpf. Sie sei schon vorher zum Schluss gekommen, dass der Moment der richtige sei. Ihr Auftrag sei erfüllt, stellte die Finanzministerin fest. Sie wies auf das Erreichte hin, unter anderem auf die Finanzplatzstrategie. «Ich habe meine Arbeit, meine ich, nicht so schlecht gemacht», sagte Widmer-Schlumpf.

«Ich hatte als Anwältin und Juristin eine sehr interessante Zeit im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD).» Die abtretende Bundesrätin zählte vor allem ihre Erfolge auf. «Wir haben viele Reformen durchgebracht.» Namentlich erwähnte sie auch die Affäre Tinner und den Fall Polanski. Schmunzelnd fügte sie hinzu: «Da waren meine Ferien im Eimer.»

Spekulationen beendet

Bevor sie ihren Entscheid mitteilte, spannte die abtretende Bundesrätin die Journalisten auf die Folter: «Es gibt nichts gratis jetzt», sagte sie - und referierte zuerst fünf Minuten über die zweite Etappe der Energiestrategie 2050.

Die Finanzministerin beendet damit die Spekulationen über ihre politische Zukunft, die die Schweiz in den letzten Tagen in Atem gehalten haben. Widmer-Schlumpf hatte stets betont, über eine erneute Kandidatur erst nach den Wahlen zu entscheiden. Mit dem schlechte Abschneiden der Mitteparteien und der Stärkung des Rechtsblocks am 18. Oktober hat sie in der Bundesversammlung an Rückhalt verloren. Nach entsprechenden Signalen aus der CVP, auf deren geschlossene Unterstützung Widmer-Schlumpf für eine Wiederwahl angewiesen wäre, war ein Rücktritt allgemein erwartet worden.

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