4.06.2018 08:34
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Milchpreis
«Es ist ein Skandal»
Am Montagnachmittag demonstrierte die Bäuerliche Interessen-Gruppe für Marktkampf (BIG-M) zusammen mit Uniterre in Bern gegen Dumpingexporte und für höhere Milchpreise.

Eine aussergewöhnliche und spektakuläre Aktion werde es sein, liess BIG-M im Voraus verlauten. Tatsächlich hinterliess der Auftritt der «Milchpreiskämpfer» äusserst einprägsame Bilder. Eine Milchkuh und ein Butterberg, der im Ausland «verramscht» wird, waren die Aufhänger. Schliesslich galt folgendes Motto der Demonstration: «Dumpingexporte sind eine Schande für die Schweiz!».

«Wichtiger Entscheid am Mittwoch»

Martin Haab, Präsident von BIG-M, hielt fest: «Seit dem Milchstreik sind zehn Jahre vergangen und die Situation ist schlechter als je zuvor.» Ein Viertel aller Milchviehbetriebe hätte seither die Tore für immer geschlossen. Mit der Milchaktion nutzten die Organisatoren die Gelegenheit, um auf «einen wichtigen Entscheid für die Zukunft der Schweizer Milchwirtschaft» aufmerksam zu machen, der am Mittwoch getroffen wird. Der Ständerat wird über drei Vorstösse (Standesinitiative FR und GE sowie Motion Nicolet) befinden. Es gehe darum, ob die Branchenorganisation Milch (BOM) verpflichtet werden soll, ein System zur Mengenanpassung einzurichten. Zum Leide der Milchproduzenten hier in der Schweiz aber auch zum Leide der Milchproduzenten im Ausland habe es die BOM nicht geschafft, strukturelle Überschüsse im Milchmarkt zu vermeiden. Nutzniesser dieser Situation seien die Verarbeiter und der Handel. Haab brachte es auf den Punkt: «Es ist ein Skandal, dass hochwertige Milchprodukte zu Dumpingpreisen im Ausland entsorgt werden.»

«Nach Italien verramscht»

Haab zeigte auf, was die Abschaffung der Milchmengenregulierung verursacht hat. Die Butterexporte seien seit zehn Jahren ein Dauerthema. Mit Geldern der Produzenten würden die Butter stark verbilligt, damit sie auf dem Weltmarkt «entsorgt» werden könnten. Haab kritisierte die Emmi, welche ab Juli den Marktabzug, die sogenannte Zwangsabgabe, um einen Rappen für den Beitrag Butterexport erhöhen wird. Auch der Exportkäse kam zur Sprache. «Ein noch unrühmlicheres Kapitel», sagte Haab. Halbhartkäse werde zu einem Kilopreis von weniger als drei Franken nach Italien «verramscht». Haab pochte auf wertschöpfungsstarke Produkte. Dazu müsste es aber ein Mengenanpassungssystem geben, so die Forderung. Das habe die BOM bis heute verhindert.

Graber in Kritik

Eine Portion Kopfschütteln erhielt CVP-Ständerat und Emmi-Verwaltungsratsmitglied Konrad Graber, der sich gegen die Vorstösse zur Mengenanpassung stellt. Denn für Emmi sei die Mengenregulierungsaufgabe ein lukratives Geschäft. Haab ist aber überzeugt: «Dumpingexporte passen nicht in eine glaubwürdige Qualitätsstrategie.»

 

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