1.11.2018 14:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
TV
Duell: Capaul gegen Agrarminister
Am Freitag widmet sich die Politik-Sendung «Arena» auf dem TV-Sender SRF 1 der Hornkuh-Initiative. Bundesrat Johann Schneider-Ammann trifft dort auf Bergbauer und den Hauptinitianten Armin Capaul.

Die Hornkuh-Initiative sorgt besonders in der Landwirtschaft für intensive und lebhafte Diskussionen. Auch auf schweizerbauer.ch wurden zu diesem Thema weit über 300 Kommentare abgegeben. Am 25. November wird das Stimmvolk über das Begehren abstimmen.

Die Mehrheit der Bauern steht dem Begehren von Armin Capaul negativ gegenüber. Sie verweisen auf die erhöhte Unfallgefahr, insbesondere in Laufställen. Zudem besteht aus der Sicht der Gegner die Gefahr, dass die Tiere vermehrt angebunden werden. Heute würden immer mehr Tiere in Freilaufställen gehalten, wo sie mehr Bewegungsfreiheit hätten. Da sei es sicherer, Tiere ohne Hörner zu haben. Tiere mit Hörnern hingegen würden mehrheitlich in Anbindeställen gehalten. «Die Initiative wäre in Bezug auf das Tierwohl ein Eigengoal», sagte Bundeserat Johann Schneider-Ammann. Zudem gehört aus der Sicht der Gegner das Begehren nicht in die Verfassung, sondern in die Verordnung. 

Das sehen Armin Capaul und seine Mitstreiter ganz anders. Die Hörner seien wichtig für die Kommunikation und den Stoffwechsel der Tiere. Das Enthornen stelle einen schmerzhaften Eingriff dar und verletze die Würde des Tieres. Im Stall brauchen behornte Tiere mehr Platz – und kosten dementsprechend mehr. Bauern sollen nicht aus finanziellen Gründen enthornen. Die Initianten fordern aber kein Enthornverbot für Kühe und Rinder.

In der «Abstimmungs-Arena» wird diskutiert, ob es Kühen und Ziegen besser geht. Und ob die Initiative dem Tierwohl eher schadet. Ausgestrahlt wird die Sendung am 2. November ab 22.25 Uhr auf SRF 1.

Als Gegner der Initiative begrüsst Mario Grossniklaus:
– Johann Schneider-Ammann, Bundesrat

Weitere Gegner der Initiative:
– Duri Campell, Nationalrat BDP/GR
– Christine Bühler, Präsidentin Bäuerinnen- und Landfrauenverband
– Martin Schlup, Grossrat SVP/BE
– Urs Iselin, Präsident Gesellschaft Bündner Tierärzte

Für die Initiative treten an:
– Armin Capaul, Initiant Hornkuh-Initiative
– Tamara Fretz, Tierpsychologin
– Regula Imperatori, Bäuerin
– Silva Semadeni, Nationalrätin SP/GR
– Martin Ott, Leiter Biodynamische Ausbildung Schweiz

«Ohne Hörner sieht eine Kuh traurig aus», sagte Bergbauer und Hornkuh-Initiant Armin Capaul vor den Medien in Bern. Für die Initianten geht es letztlich um die Würde der Kreatur. Es gehe hingegen nicht um ein Verbot der Enthornung durch Ausbrennen bei Jungtieren. Den Weg einer Initiative habe er beschritten, weil Petitionen und andere Eingaben bei Bundesrat und Parlament wirkungslos geblieben seien, sagte Capaul. Er ist frohen Mutes für die Abstimmung vom 25. November.

Mit seiner Initiative schafft sich der Bergbauer aus Perrefitte BE in der Landwirtschaft nicht nur Freunde. Es dürfte zu einer Spaltung kommen. Die meisten Bauern lehnen die Initiative ab. In Laufställen können sich die Tiere frei bewegen und Rangkämpfe austragen, was zu Verletzungen führen kann. Auch für die Bauern ist die Unfallgefahr erhöht. Gegen das Enthornen sprechen auch wirtschaftliche Gründe: Hornlose Kühe brauchen weniger Platz im Stall, ein Bauer kann also mehr Tiere auf der gleichen Fläche halten.

Gemäss den Initianten soll es nur für Kühe mit Raus (Regelmässiger Auslauf ins Freie) den Hörnerbeitrag geben. Der Raus-Beitrag soll demnach «verdoppelt» werden. Tragen die Kühe Hörner und erfüllt der Bauer das Raus-Programm, soll ein Betrag 380 Franken pro Jahr und Tier ausbezahlt werden (190 Franken Raus-Beitrag und 190 Franken Hörner-Beitrag). Bei den Ziegen soll der Betrag von 38 auf 76 Franken erhöht werden. Mit der Hornkuh-Initiative soll erreicht werden, dass weniger Tiere enthornt werden. In der Verfassung soll verankert werden, dass horntragende Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke finanziell gefördert werden. 

Ein Verbot, die Tiere zu enthornen, sieht das Begehren aber nicht vor. Beim Enthornen werden Kälbern im Alter von zwei bis drei Wochen nach vorgängiger Betäubung die Hornanlagen mit einem Brennstab entfernt. Bauern dürfen dies selbst tun, wenn sie einen entsprechenden Kurs absolviert und einen Sachkundenachweis erbracht haben.

Der Initiativtext
Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:

Art. 104 Abs. 3 Bst. b
3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:
b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; (-> neu) dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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