5.06.2019 15:23
Quelle: schweizerbauer.ch - jul/blu
Umfrage
Direktzahlungen mit Nebenerwerbskurs?
Geht es nach Bundesrat und Bauernverband, soll der Nebenerwerbskurs allein nicht mehr reichen, um Direktzahlungen zu erhalten. Das sei ein Schritt in die falsche Richtung, sagt die Kleinbauern-Vereinigung. Wie denken Sie darüber? Abstimmen und mitdiskutieren.

Mit der Agrarpolitik 2022+ schlagen Bundesrat und Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eine Erhöhung der Ausbildungsanforderungen vor. Die Anforderungen an die BetriebsleiterInnen in der Landwirtschaft seien gestiegen, so die Begründung. Mit den neuen Anforderungen an die Ausbildung müsste ein Betriebsleiter neu über einen eidgenössischen Fachausweis (Berufsprüfung) verfügen.

Pflichtmodule

Von den Direktzahlungen ausgeschlossen würden damit in Zukunft Landwirte, die «nur» über ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis EFZ (Lehrabschluss) verfügen. Zudem ausgeschlossen würden Agrarpraktiker mit Eidgenössischem Berufsattest EBA (zweijährige Lehre) sowie Späteinsteiger mit einem Nebenerwerbslandwirtschaftskurs NEK/NELA, auch Direktzahlungskurs genannt. Quereinsteiger sollen neben der Weiterbildung betriebswirtschaftliche Pflichtmodule der Berufsprüfung absolvieren müssen. Für die derzeitigen Bezüger und Bezügerinnen von Direktzahlungen soll sich indes nichts ändern.

Nicht einverstanden mit den Vorschlägen des Bundesrats ist die Kleinbauern-Vereinigung. «Viele Quer- und Späteinsteiger können dem Kurs noch in die Landwirtschaft einsteigen. NELA-Absolventen ergänzen die Schweizer Landwirtschaft neben den klassischen Ausbildungsabgängern und schliessen damit eine wichtige Lücke», sagt Barbara Küttel, Geschäftsführerin der Vereinigung.

NELA-Absolventen sind Brückenbauer

Die oftmals starken Kontakte zu nicht-landwirtschaftliche Personen würden den NELA-Absolventen bei der Vermarktung ihrer Produkte helfen. «Ausserdem leisten sie als Brückenbauer einen wichtigen Beitrag für das gegenseitige Verständnis zwischen Landwirtschaft und der übrigen Bevölkerungen», hebt Regina Fuhrer, Präsidentin der Kleinbauern, hervor.

«Weder eine erzwungene Verschulung noch eine Abschottung gegenüber Menschen mit einer anderen Grundbildung ist gut für die Landwirtschaft», halten die Kleinbauern fest. Die Kleinbauern-Vereinigung fordert eine Stärkung der Weiterbildungsmöglichkeiten und dass die Durchlässigkeit in der landwirtschaftlichen Bildung verbessert wird.

SBV will Landwirtschaftslehre als Grundlage

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) wünscht sich, dass die Landwirtschaftslehre Grundlage für den Erhalt der Direktzahlungen ist. Als Ausnahmen ebenfalls zulassen will er die zweijährige Attestlehre plus obligatorische Weiterbildung. Ausnahmen fordert der Bauernverband zudem für Betriebe in den Bergen sowie für Härtefälle, beispielsweise für Hofübernahmen nach dem Tod der Eltern.

Fuhrer zeigt sich aber enttäuscht vom Schweizer Bauernverband. «Ich verstehe nicht, warum der SBV und andere bäuerliche Organisationen diesen Kurs abschiessen wollen», sagte Fuhrer. Der Kurs helfe, dass sich Leute mit einem andern Hintergrund in die Landwirtschaft einbringen könnten.

Direktzahlungsberechtigend

Folgende Ausbildungen berechtigen u.a. zu Direktzahlungen. 

Heute: 

NEK/NELA, Agrarpraktiker EBA, Landwirt EFZ, Bäuerin (Fachausweis), Landwirt (Fachausweis), Höhere Fachschule, Fachhochschule FH, Hochschule ETH.

Vorschlag SBV:

Der NEK/NELA und der Abschluss Agrarpraktiker EBA sollen nicht mehr zu Direktzahlungen berechtigen. 

Vorschlag Bundesrat: 

Weder der NEK/NELA noch der Abschluss Landwirt EFZ oder Agrarpraktiker EBA sollen zu Direktzahlungen berechtigen. Er fordert in der AP22+, dass nur noch folgende Abschlüsse diesen Zweck erfüllen: Bäuerin (Fachausweis mit zusätzlichen Betriebswirtschaftsmodulen), Landwirt (Betriebsleiter), Höhere Fachschule, Fachhochschule FH und Hochschule ETH. jul

Quelle: Zusammenstellung der Kleinbauern-Vereinigung.

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