16.05.2014 18:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Graubünden
«Die Probleme mit Bären müssen international gelöst werden»
Schafrisse im Unterengadin haben die Aufmerksamkeit verstärkt auf den Einwanderer M25 gelenkt. Der Braunbär aus Italien hält Wildhut, Landwirtschaft und Politik in Graubünden auf Trab. Regierungsrat Mario Cavigelli glaubt, Probleme mit Bären müssten international gelöst werden.

Seit einer Woche streift M25, der aus dem norditalienischen Trentino eingewanderte Braunbär, durch das Unterengadin sowie das Grenzgebiet zu Österreich. Das zweijährige Männchen macht dabei seinem Ruf als «Schafkiller» alle Ehre. In der Nacht auf Freitag soll der Bär laut der Tageszeitung «Die Südostschweiz» mindestens neun Schafe gerissen haben. Es waren nicht die ersten Schafe, die er tötete.

Kein Problembär

Die Bündner Jagdbehörden kommentieren die Risse derzeit nicht. Stellung nahm am Freitag der zuständige Bündner Regierungsrat Mario Cavigelli. Er bedaure den Vorfall im Unterengadin sehr, sagte Cavigelli auf Anfrage, betonte aber, es sei nicht Aufgabe der Wildhut, Nutztiere vor Rissen zu schützen. Gefordert seien die Tierhalter.

M25 ist in den Augen der Bündner Behörden kein Problembär, sondern ein auffälliger Bär. Laut Cavigelli wurde in den letzten Jahren einiges getan, um mit solchen Einwanderern umgehen zu können. Das Bärenmanagement des Amtes für Jagd und Fischerei in Chur und vor Ort sei vorbildlich, meinte er.

Einige Massnahmen ergriffen

Seit dem ersten Bärenbesuch im 2005 wurden in Graubünden Massnahmen getroffen, um ein Zusammenleben mit dem Grossraubtier zu ermöglichen. Dazu zählen der Herdenschutz, der Schutz von Bienenstöcken und das Aufstellen bärensicherer Abfallcontainern in Siedlungsgebieten sowie entlang von Strassen.

«Doch letztlich», so sagt Regierungsrat Cavigelli, «ist und bleibt die Bärenaufgabe im Kanton Graubünden eine Folge des Ansiedlungsprojektes für Bären im Trentino in Italien. Und diese Probleme sind international zu lösen.»

130'000 Tiere auf Bündner Alpen

Der Druck einwandernder Bären aus dem Süden wird in Graubünden nicht abnehmen, da sich die Tiere im Trentino nach Schätzungen inzwischen bis auf 50 Exemplare vermehrt haben. Nach Graubünden gewanderte Bären finden auf den Alpweiden einen reich gedeckten Tisch vor.

Etwa 130'000 Nutztiere verbringen den Sommer während dreier Monate auf Bündner Alpen: 56'000 Schafe, 13'000 Milch- und 10'000 Mutterkühe, 45'000 Rinder sowie 6000 Ziegen. Bei den Schafen kehren 1000 bis 1500 Tiere nicht mehr in den Stall zurück, weil sie während der Sömmerung abgestürzt sind oder sonstwie ums Leben kamen.

Tierhalter für Mehraufwand entschädigen

Die Nutztiere vor Bär und Wolf ausreichend zu schützen, ist keine einfache Sache. In Graubünden werden etwa 1000 Alpen bewirtschaftet. «Jeder Nagel, jeder Pfahl, muss in stundenlangen Fussmärschen hinauf getragen werden, bevor er eingeschlagen werden kann», sagte der Bündner Kantonstierarzt Rolf Hanimann auf Anfrage.

Für den Kantonstierarzt ist keine Frage, dass Nutztiere geschützt werden müssen. Konsequenterweise müsse jedoch jede Art von Mehraufwand der Tierhalter abgegolten werden.

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