11.01.2015 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Bauernverband
Der Machtpoker um Verbandsbeiträge geht weiter
Der Schweizer Bauernverband (SBV) will sein Beitragswesen neu ordnen. Grund ist die veränderte Wertschöpfung in den verschiedenen Produktionsrichtungen. Doch es geht auch um die Machtverteilung im SBV selber.

Der SBV als Dachverband der Schweizer Bauern ist auch ein Unternehmen. Die Jahresrechnung 2013 weist einen Umsatz von über 63 Mio. Fr. aus. Zwar macht der Bereich Versicherungen mit 44,5 Mio. Fr. den Löwenanteil bei den Einnahmen aus. Aber auch die  Mitgliederbeiträge von rund 6,6 Mio. Fr. steuern einen wesentlichen Teil zum Budget bei.

SMP bezahlen 1,2 Mio.

Der SBV zieht aber die Beiträge nicht direkt bei seinen Mitgliedern ein. Dies übernehmen seine Unterorganisationen. Das sind zum einen die kantonalen Bauernverbände, aber zum anderen auch die Fachverbände.  Den Löwenanteil bezahlen die Milchbauern. Seit dem 1. Mai 2000 beträgt der produktbezogene Beitrag der Milchproduzenten an den SBV 0,04 Rappen je Kilogramm Verkehrsmilch. Von den rund 1,2 Mio. Franken werden 900'000 Franken als Produktbeitrag für die Milch geleistet. 300000 Franken sind gezielt für die Interessenwahrung bei Rind- und Kalbfleisch einzusetzen.

Projektgruppe

Die Projektgruppe ist wie folgt zusammengesetzt: Markus Ritter, Präsident SBV (Vorsitz); Urs Schneider, Stv. Direktor SBV (administrative Leitung); Hanspeter Kern, Präsident SMP/Vorstand SBV; Meinrad Pfister, Präsident Suisseporcs/Vorstand SBV; Pascal Toffel, Direktor VSGP; Walter Willener, Direktor Agora; Martin Rufer, Leiter Departement Produktion, Märkte, Ökologie SBV; Ursula Oberholzer, Leiterin Geschäftsbereich Finanzen und Personal SBV

Der Milchpreis ist zwar seit 2000 massiv gesunken. Da die Abgabe für den SBV   aber gleich geblieben ist, müssen die Milchbauern heute einen höheren Anteil ihres Einkommens an den SBV   abliefern als früher. Bei anderen Produktionsrichtungen wie etwa den Spezialkulturen haben sich die Preise aber im Verhältnis besser gehalten. Demnach zahlen diese im Verhältnis zu ihrem Verdienst heute relativ weniger Beiträge als die Milchbauern. Die SMP verlangen deshalb eine Art Rabatt. Und sie benutzen die Beitragsfrage auch als politisches Druckmittel gegen den SBV (siehe unten).

Projektgruppe eingesetzt

Letzten Herbst hat nun die Landwirtschaftskammer eine Projektgruppe zur Überprüfung des Beitragsverteilerschlüssels für Fachorganisationen eingesetzt. Gemäss Urs Schneider, stellvertretendem Direktor des SBV, wird die erste Sitzung in den nächsten Wochen stattfinden. «Wir werden die Fragen grundsätzlich diskutieren. Das braucht Zeit und Gespräche mit verschiedenen Organisationen», so Schneider. Es sei allerdings vielen bewusst, dass die Thematik berechtigterweise analysiert werden müsse. Die Projektgruppe werde auch einen Fahrplan aufstellen. Ob man bereits an der nächsten SBV-DV im November entscheiden werde, könne man noch nicht sagen. Die Gruppe wird von SBV-Präsident Markus Ritter geleitet. «Das zeigt auch die Bedeutung, die das Geschäft bei uns hat», betont Schneider (siehe Kasten).

Kommentar

Endlich aufräumen

Die Milchbauern verdienen heute viel weniger als vor 15 Jahren, bezahlen aber noch immer den gleichen Verbandsbeitrag. Das muss geändert werden. Aber offenbar wird die Beitragsfrage auch machtpolitisch eingesetzt . Der SBV will generell die Marktstrukturen  verbessern. Kaum ein Teilmarkt ist so schlecht aufgestellt wie der Milchmarkt. Seit dem Ausstieg aus der Kontingentierung verkaufen weit über ein Dutzend Organisationen ihre Milch an eine Handvoll Abnehmer. Der SBV hat dies erkannt und möchte Druck aufsetzen, damit die Kräfte gebündelt werden. Doch die SMP, die eine Laissez-faire-Politik pflegen, lassen den SBV hier dem Vernehmen nach ins Messer laufen. Ein Druckmittel der SMP-Führung sind die hohen Beiträge an den Bauernverband. Das ist schade. Die Milchbauern würden es den SMP danken, wenn diese — auch mithilfe des SBV — endlich die Strukturen im Milchmarkt aufräumen würden.

Samuel Krähenbühl

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE