13.07.2020 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Stimmung bei Bauern gedrückt
Das Konjunkturbarometer Agrar lag im Juni mit 15,8 Punkten 3 Punkte über dem Wert von März dieses Jahres. Der Wert vom Juni 2019 wird aber deutlich unterschritten. Ungünstige wirtschaftliche und politischen Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen der Corona-Krise drücken auf die Stimmung. Nur jeder Vierte will in der zweiten Jahreshälfte investieren.

Ungeachtet einer leichten Erholung ist die Stimmung in der Landwirtschaft auch im Juni sehr gedämpft gewesen. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturbarometer Agrar hervor, dessen Ergebnisse der Deutsche Bauernverband (DBV) am Montag vergangener Woche in Berlin vorgelegt hat. Das Stimmungsbarometer wird im Auftrag des DBV, des Bundesverbandes Lohnunternehmen (BLU), des Fachverbandes Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Landwirtschaftlichen Rentenbank vierteljährlich vom Marktforschungsinstitut Produkt + Markt erhoben. Zur aktuellen Runde im Juni 2020 befragte das Institut dazu 854 Landwirte in ganz Deutschland. Laut Bauernverband lag der Index des Konjunkturbarometers im Juni mit 15,8 Punkten zwar um 3 Punkte über dem Wert von März 2020. Im längerfristigen Vergleich fällt der Indexwert jedoch weiterhin relativ niedrig aus. Im Juni 2019 hatte die Umfrage noch einen Wert von 20,4 Punkten ergeben.

Ungünstige Rahmenbedingungen

Ursachen für die gedrückte Stimmung sind nach Darstellung des DBV die ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen der Corona-Krise. Wie aus der jüngsten Befragung hervorgeht, fühlt sich zwar nur jeder zehnte Landwirt von der Corona-Krise in seinem Wirken eingeschränkt. Ein Drittel der befragten Bauern, darunter besonders viele Milcherzeuger, verzeichnet als Folge der Krise jedoch Umsatzeinbußen. Von den Umfrageteilnehmern gaben ferner 13 % an, wegen der Corona-Krise einen zusätzlichen Liquiditätsbedarf zu haben. Die Liquidität der Betriebe hat sich seit Dezember zwar kaum verändert, fällt aber im Jahresvergleich deutlich schwächer aus. In Futterbaubetrieben und in Betrieben im Osten Deutschlands ist diese besonders häufig angespannt.

Investitionsbereitschaft im Keller

Die von den Landwirten für die kommenden sechs Monate angekündigten Investitionsplanungen sind entsprechend auch in der Juni-Umfrage niedrig: Nur 26 % der repräsentativ Befragten wollen in dieser Zeit investieren; insgesamt 22 % gaben dagegen an, ihre geplanten Investitionen auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt laut den Umfrageergebnissen mit 3,9 Mrd Euro um 0,2 Mrd Euro unter dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Rückläufig sind vor allem Investitionen in Wertschöpfung schaffende und in das Tierwohl fördernde Ställe einschließlich Hof- und Stalltechnik. Dafür sind in der nächsten Jahreshälfte lediglich 2,1 Mrd Euro an Investitionen vorgesehen; das sind im Vergleich zu den Plänen im Juni 2019 runs 200 Mio Euro weniger. Die beabsichtigten Investitionsvolumina in Maschinen und Geräte sind dagegen etwas höher ausgefallen.

Zukunftserwartungen wenig optimistisch

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe von den Umfrageteilnehmern mit 3,03 etwas weniger ungünstiger beurteilt als die zukünftigen Aussichten mit einem Wert von 3,21. Während die Einschätzung der jüngsten wirtschaftlichen Situation in den Veredlungsbetrieben gegenüber März dieses Jahres deutlich schlechter ausfiel, blieb die Stimmungslage in den Acker- und Futterbaubetrieben eher gedrückt und damit nahezu unverändert. Die Zukunftserwartungen sind indes in allen Betriebsformen wenig optimistisch, auch wenn die Acker- und Futterbaubetriebe sich zuletzt wieder etwas zuversichtlicher zeigten. Im Vergleich zur März-Befragung wird die Entwicklung der Schweinepreise im Juni deutlich negativer bewertet, aber auch die Verkaufspreise für Milch und Rindfleisch drücken die Stimmungslage ebenso wie schlechtere Ernteerwartungen. Positiver Einfluss auf die Stimmungslage geht dagegen laut Bauernverband vor allem von der Entwicklung der Einkaufspreise für Betriebsmittel aus.


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