9.04.2019 12:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Initiative
Capaul will Zeitumstellung beenden
Die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt soll abgeschafft werden. Künftig soll ganzjährig die mitteleuropäische Zeit gelten, also Winterzeit. Das verlangt eine Initiative, die von der Bundeskanzlei vorgeprüft und am Dienstag im Bundesblatt publiziert worden ist.

Seit 1981 gilt in der Schweiz von Ende März bis Ende Oktober die sogenannte Sommerzeit. Dafür wird die Uhr im März um eine Stunde vorgestellt, im Oktober wieder eine Stunde zurück. Dieser Umstellung will ein Komitee in Ende setzen.

Die Initianten der Volksinitiative «Ja zur Abschaffung der Zeitumstellung» haben bis am 9. Oktober 2020 Zeit, die für das Zustandekommen nötigen 100'000 Unterschriften zu sammeln. Die Ausführungsbestimmungen müssten im Jahr nach der Annahme in Kraft gesetzt werden.

Capaul im Initiativkomitee

Im Initiativkomitee sitzen unter anderem der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann und die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Sie hatte sich im Rat mehrmals für die Abschaffung der Zeitumstellung stark gemacht, jedoch ohne Erfolg. Mitglied des Initiativkomitees ist auch der Bergbauer Armin Capaul, Urheber der Hornkuh-Initiative, die 2018 abgelehnt worden ist. Die Bauern sind seit jeher skeptisch gegenüber der Zeitumstellung, weil die Kühe besonders unter dem veränderten Rhythmus leiden.

Gemäss «Blick» ist die Initiative eine Idee von Capaul und Estermann. Sie haben sich vor ein paar Monaten an einem CVP-Anlass in Escholzmatt LU im Entlebuch kennengelernt. «Während Armin Capaul die Umstellung von der Normal- auf die Sommerzeit vor allem aus der Sicht der Tiere und der Natur mit Besorgnis beobachtet, habe ich die Perspektive des Menschen und der Wissenschaft», sagt Estermann zu «Blick».

schweizerbauer.ch-User für ganzjährige Winterzeit

schweizerbauer.ch hat in der vergangenen Woche die Leser über die Zeitumstellung befragt. Das Resultat war eindeutig. 58 Prozent votierten für die ganzjährige Winterzeit. 21 Prozent haben sich für die ganzjährige Sommerzeit entschieden. Nur 20 Prozent möchten weiterhin im März und Oktober die Zeit umstellen. 1047 Personen haben an der Abstimmung teilgenommen. 

Die Volksinitiative lautet:

Die Bundesverfassung wird wie folgt ergänzt:

Art. 40bis (neu)

Die in der Schweiz verbindliche Zeit ist ganzjährig die mitteleuropäische Zeit.

EU geht voran

Ob es überhaupt eine Volksabstimmung braucht, ist ungewiss. Im März hat sich das EU-Parlament nämlich für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Findet der Plan die Zustimmung der Mitgliedstaaten, könnten die Uhren im Oktober 2021 ein letztes Mal umgestellt werden.

Den einzelnen Ländern soll es aber freigestellt sein, ob sie die Sommer- oder die Winterzeit beibehalten wollen. In der EU-Umfrage hatte sich eine grosse Mehrheit für eine dauerhafte Sommerzeit ausgesprochen.

Schweiz macht's nach

Das Eidgenössische Institut für Meteorologie (Metas) teilte nach dem Entscheid des EU-Parlaments mit, die Schweiz verfolge die Entwicklung in den Nachbarländern und werde sorgfältig prüfen, ob eine allfällige Anpassung der Zeitregelung sinnvoll und im Interesse der Schweiz sei.

Das entspricht der bisherigen Politik des Bundes. Obwohl das Volk die Sommerzeit 1978 mit fast 84 Prozent Nein verworfen hatte, führte der Bundesrat die Zeitumstellung nach einem Entscheid des Parlaments 1981 ein. Für die Koordination mit den Nachbarländern führte er damals wirtschaftliche Gründe ins Feld.

In der Begründung einer Motion aus dem Jahr 2016 hatte Estermann auf die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung verwiesen. Sie machte damals auch die hohe Zustimmung zur Abschaffung der Zeitumstellung in der EU geltend. In einer globalisierten Welt, in der die Leute auf Flugreisen regelmässig die Uhr umstellten, sei das Argument der «Zeitinsel Schweiz» nicht mehr stichhaltig.

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