7.02.2018 16:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Freihandel
BOM will kein Freihandelsturbo sein
Der Eindruck ist entstanden, dass die Branchenorganisation Milch (BOM) eine Marktöffnung forciert. Dabei haben die Milchbauern gerade beim Fleisch viel zu verlieren. Landwirt und BOM-Vizepräsident Ruedi Bigler nimmt Stellung.

Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat schon im September mitgeteilt: «Damit der Absatz von Schweizer Milchprodukten gehalten werden kann, braucht es bessere Rahmenbedingungen für den Export. Im Rahmen von neuen Freihandelsabkommen mit Ländern ausserhalb der EU ist deshalb ein besonderes Augenmerk auf diesen Aspekt zu legen.»

Interesse an Mercosur

Seither wiederholte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler bei mehreren Gelegenheiten die Offenheit und das Interesse der Milchbranche an neuen Freihandelsabkommen, insbesondere mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten. Die BOM wird anders als der Schweizer Bauernverband auch am Mercosur-Agrar-Gipfel teilnehmen. 

BOM-Vizepräsident und Milchproduzent Ruedi Bigler aus Moosseedorf BE betont gegenüber dem «Schweizer Bauer», dass man sich in die Diskussion, die ohnehin weitergehe, einbringen müsse und dass es aus Sicht der BOM gefährlich sei, wenn man sich dem Gespräch verweigere. Der «Schweizer Bauer» hat Bigler weiter mit drei provokativen Thesen konfrontiert, zu denen er wie folgt Stellung nimmt: 

These Nr. 1: Die BOM propagiert den Agrarfreihandel.
Dazu sagt Ruedi Bigler: «Das stimmt nicht. Wir bei der BOM sind keine Liberalisierungsturbos. Bei einem Abkommen mit den Mercosur-Staaten sehen wir nicht nur Gefahren und Risiken, sondern auch Chancen. Wir stellen fest, dass die gelbe Linie (Käse) gegenüber der EU schon ganz geöffnet ist, dass aber auch die weisse Linie (Molkereiprodukte) in der Realität schon ziemlich offen ist. Man denke z.B. an die ausländischen Joghurt und Milchmischgetränke in den Schweizer Regalen. Wir Milchbauern sind diejenige Branche, die dem internationalen Konkurrenzdruck am stärksten ausgesetzt ist. Wir sehen seitens der BOM auch, dass die EU offenbar kurz davor ist, mit den Mercosur-Staaten ein Freihandelsabkommen abzuschliessen.

Das kann für die Schweizer Wirtschaft grosse Nachteile mit sich bringen. Dazu ein Beispiel: Ein Schweizer Käsehersteller konnte eine Weile lang erhebliche Mengen nach Südkorea exportieren – bis die EU ein besseres Freihandelsabkommen aushandelte, dann war fertig. Die Geschichte lehrt uns, dass der Handel Wohlstand gebracht hat. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass wir uns komplett abschotten könnten. Ich für mich lehne einen umfassenden Agrarfreihandel mit der EU ab. Denn die Kosten für die Milchproduzenten blieben zu hoch. Überhaupt ist der Bund gefordert,  zu tieferen Kosten beizutragen. Stattdessen hat er z.B. im Herbst den Zoll für Rapsschrot erhöht, was unsere Futterkosten unnötig anhebt.»

These Nr. 2: Die BOM denkt zu stark von der Milchmenge her. Was nützen schon ein paar Kilogramm Milch mehr im Export, für die kein guter Milchpreis bezahlt wird?
Dazu sagt Ruedi Bigler: «Wir denken beim Export in die Mercosur-Staaten vor allem an den Käse, und zwar in den Segmenten Grosslochkäse bis High-Premium-Spezialitäten. Billigen Käse liefern können andere besser. Der globale Käsemarkt wächst jedes Jahr. Wir zielen auf die wachsende kaufkräftige Schicht in Südamerika. Die Milchmenge in der Schweiz über die Jahre markant zu reduzieren, wäre weder für die Milchproduzenten noch für die Verarbeiter eine Zukunftsperspektive. Bei weniger Milch würden die Verarbeiter immer weniger konkurrenzfähig, sie würden nicht mehr in der Schweiz investieren. Enden könnte das wie beim Schweizer Holz, wo es heute keine grossen Verarbeiter in der Schweiz mehr gibt, wo der Rohstoff ins Ausland geht zur Veredelung. Beim Holz haben wir zuerst die Menge verloren und dann auch Preisverluste erlitten. Das wollen wir bei der Milch vermeiden.»

These Nr. 3: Die Milchbauern im BOM-Vorstand denken zu wenig daran, dass sie auch Fleischproduzenten sind. Die Rindfleischpreise könnten bei Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten oder bei einem Abkommen mit  der EU markant sinken.
Dazu sagt Ruedi Bigler: «Als BOM sprechen wir für die Milchbranche. Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich als Milchproduzent auch Fleisch produziere. Auf unserem Betrieb kommen im Betriebszweig Milch wohl 70% des Erlöses aus der Milch und 30% aus dem Fleisch, weil wir einen hohen Anteil der Kühe mit Mastrassengenetik besamen. Der Preis für diese Tränker ist natürlich recht hoch, weil auch die Munimäster gute Preise haben. Dieses Spannungsfeld kennen wir. Aber noch gibt es kein Verhandlungsresultat. Es könnte auch sein, dass bei den Rindfleischimporten vor allem eine Umlagerung bei den Herkunftsländern stattfindet.»

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