9.05.2019 17:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sal/blu
Trinkwasserinitiative
«Biomarkt würde zusammenbrechen»
Landwirt Urs Bürgi aus Limpach BE äusserte sich an der Medienkonferenz der Schweizer Bauernverbandes (SBV) zur Trinkwasser-Initiative. Gegenüber schweizerbauer.ch sagte er, was eine Annahme für seinen Betrieb heissen würde.

Der Schweizer Bauernverband (SBV) schlägt jedoch Alarm. Die Initiative verfehle ihr Ziel. Nach einem Ja könnten Bauern auf Direktzahlungen verzichten und im Gegenzug ihre Produktion intensivieren. Deshalb wurde die Berner Fachhochschule für Agrar,- Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) mit einer nicht repräsentativen Fallstudie beauftragt. Die Hochschule analysierte 11 «typische» Betriebe, so auch jenen von Urs Bürgi aus dem bernischen Limpach.

Erster Gedanke: Umstellung auf Bio

Der Landwirt bewirtschaftet einen Betrieb mit 20 ha Ackerbau, davon fast 9 ha Kartoffeln, und 17 Milchkühen. Zudem baut er auch Erbsen, Zuckerrüben, Weizen, Mais, Bohnen und Kunstwiese an. «Mein erster Gedanke bei einem Ja zur Trinkwasserinitiative: Ich stelle auf Bioproduktion um. Kann man nicht mehr spritzen, ist man schon fast Bio. Es stellt sich noch die Frage der Düngung. Hier gibt es Lösungen mit organischem Dünger», sagt Bürgi zu schweizerbauer.ch.

Die tieferen Erträge könnten mittels höherer Preise kompensiert werden, habe er sich überlegt. «Doch dies würden wohl viele andere Bauern auch so machen. Der Biomarkt würde zusammenbrechen», warnt Bürgi.

Intensiver bewirtschaften

Bei einem Ja zur Initiative ist ein Ausstieg aus den Direktzahlungen für den Landwirt eine Option. Er würde seine Produktion intensivieren und versuchen, das Einkommen mit dem Verkauf der Erzeugnisse sicherzustellen. Doch es könne sich noch einiges ändern. «Bis die Initiative umgesetzt wird, dauert es 8 Jahre. Und während dieser Zeit kann sich die Ausgangslage ändern», sagt Bürgi.

Eine Extensivierung wäre auch möglich. Bürgi würde den Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide und Mais aufgeben und auf einfache Kulturen umstellen. «Zudem würde ich mich wohl um einen Nebenerwerb umsehen», fährt er fort.  Ein Ausstieg aus dem ÖLN hätte den Vorteil, dass er die Ausgleichsflächen wieder intensiv nutzen könnte. Auf Grünstreifen würde er verzichten. «Man könnte auch mehr Pflanzenschutzmittel einsetzen. Die Einschränkungen bei der Anwendung der Mittel durch den ÖLN würden entfallen», macht er deutlich.

Landwirtschaft hat viel erreicht

Ein Ausstieg sei aber kein Ziel. «Es wäre schade. Denn die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren viele Fortschritte erzielt. Wir machen bei Förderprogrammen mit. So haben wir 1,5 Kilometer Grünstreifen angelegt. Wir haben den Einsatz von Glyphosat auf unserem Betrieb innert zweier Jahre von 63 Litern auf noch 17 Liter reduziert. Und wir bauen den Weizen herbizidfrei an», erklärt Bürgi.

Er mache dies wegen den Förderprogrammen, aber auch im Wissen, etwas Gutes für die Ökologie zu leisten. «Die Trinkwasserinitiative ist aber zu extrem. Sie würde alles auf den Kopf stellen und ein grosser Rückschritt für die Ökologie», mahnt Urs Bürgi.

2018 wurde die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» eingereicht. Sie fordert, dass Betriebe, die Pflanzenschutzmittel einsetzen oder Futter für ihre Tiere zukaufen, keine Direktzahlungen mehr erhalten. Landwirtschaftsbetriebe, die Antibiotika in der Tierhaltung prophylaktisch einsetzen und deren Produktionssystem einen regelmässigen Einsatz von Antibiotika nötig macht, sollen ebenfalls von Direktzahlungen ausgeschlossen werden.

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