24.04.2015 13:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Biodiversität
Biodiversitätsförderflächen werden untersucht
Die Artenvielfalt bietet für die landwirtschaftliche Produktion ein grosses Potenzial. Um dieses künftig besser auszuschöpfen, hat die Forschungsanstalt Agroscope nun ein Programm gestartet. Auf insgesamt 170 Quadratkilometern werden Lebensräume und Pflanzenarten unter die Lupe genommen.

Das Monitoringprogramm «Arten und Lebensräume Landwirtschaft - Espèces et milieux agricoles» (ALL-EMA) wurde am Freitag in Bern vorgestellt. Sein Ziel ist es, geeignete Massnahmen zu finden, mit denen die Biodiversität in der Landwirtschaft gefördert werden kann.

Beurteilt wird dabei etwa die Entwicklung der Artenvielfalt und die Wirkung von Förderflächen. Den ersten fünfjährigen Erhebungszyklus nimmt Agroscope im Auftrag der Bundesämter für Landwirtschaft (BLW) und Umwelt (BAFU) diesen Frühling in Angriff.

Was bringen Förderflächen?

«Die Leistungen von Bäuerinnen und Bauern für die Biodiversität werden dank der fundierten Datenbasis zu Arten und Lebensräumen noch besser sichtbar werden», sagte der Bündner BDP-Nationalrat und Landwirt Hansjörg Hassler vor den Medien gemäss Communiqué. Die biodiversitätsschonende Bewirtschaftung von ökologischen Ausgleichsflächen wird seit 1988 mit finanziellen Anreizen gefördert, seit 2014 unter dem Namen Biodiversitätsförderflächen. Dazu werden aktuell jährlich 367 Millionen Franken oder 13 Prozent der Direktzahlungen eingesetzt.

Einen schweizweiten Überblick über die Entwicklung hat man heute aber nicht. Hier soll das Programm ALL-EMA ansetzen. «Wir versprechen uns damit eine künftig noch besser auf die Ziele ausgerichtete Förderung der Biodiversität», sagte Eva Reinhard, stellvertretende Direktorin des BLW.

170 in der Schweiz verteilte Ausschnitte

Das neue Programm untersucht nicht nur die Wirkung von Biodiversitätsförderflächen. Beprobt werden alle landwirtschaftlich genutzten Flächen, sodass der Einfluss der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung auf die Biodiversität umfassend dargestellt werden kann.

Die Datenerhebung findet in 170 Landschaftsausschnitten mit einer Fläche von je einem Quadratkilometer statt. Die Untersuchungen werden in jedem der 170 Quadratkilometer alle fünf Jahre auf einem regelmässigen Beprobungsraster von fünfzig mal fünfzig Metern durchgeführt. Auf zwanzig ausgewählten Probeflächen pro Quadratkilometer werden zudem vollständige Listen der Pflanzenarten aufgenommen, um die einzelnen Lebensräume genauer zu beschreiben.

Neben ALL-EMA laufen die bestehenden nationalen Beobachtungsprogramme des BAFU weiter, darunter das Biodiversitätsmonitoring Schweiz, das Nationale Forstinventar im Bereich Wald, die Wirkungskontrolle Biotopschutz sowie die Roten Listen für die gefährdeten Arten.

Biologische Vielfalt in der Schweiz

Biodiversität ist die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten. Sie umfasst den Artenreichtum, die genetische Variabilität, aber auch die Vielfalt von Lebensräumen. Neben dem Menschen leben noch etwa 45'000 weitere Arten in der Schweiz - zu unserem Nutzen.

Rund 100 dieser Arten kommen nur hier vor - sterben sie aus, sind sie weltweit unwiederbringlich verloren. Es gibt in der Schweiz 235 Landschaftstypen, was am gebirgigen Profil unseres Landes, der geologischen Vielfalt und dem lange Zeit traditionell bewirtschafteten Kulturland liegt. Die Gendatenbank der Forschungsanstalt Agroscope enthält derzeit das Saatgut von 12'000 unterschiedlichen Nutzpflanzen wie Getreide, Gemüse und Futterpflanzen. Weiter gibt es zum Beispiel 200 Vogelarten, 600 Wildbienenarten, 3000 Pflanzenarten und rund 1000 Arten von Moosen. Die Vielfalt der Bodenlebewesen ist noch weitgehend unbekannt.

Die Bedeutung der genetischen Vielfalt zeigt sich etwa am Beispiel der Kartoffel: Jeder genetische Typ hat andere Eigenschaften - wie fest- oder mehligkochend - und Lebensraumansprüche. Deshalb betrachten Wissenschaftler Biodiversität auch als eine Art Versicherung oder Backup-System, wie Daniela Pauli, Geschäftsleiterin des Forums Biodiversität Schweiz, erklärt.

Forschende hätten plausibel dargelegt, dass unsere Wohlfahrt mit einer geringen Biodiversität nicht gewährleistet wäre, heisst es im neuen Bericht der Forschung zur Biodiversität in der Schweiz. Die Ökosysteme könnten dann verschiedene Funktionen - wie sauberes Wasser oder die Bestäubung von Kulturpflanzen - nur noch eingeschränkt erbringen. Aber auch ohne Nutzen für den Menschen sei die Biodiversität als Produkt von mehreren Milliarden Jahren Evolution schützenswert. «Es ist auch eine zivilisatorische Leistung, wenn man der Biodiversität in einem Land Platz einräumen kann - und es braucht nicht viel Platz», sagte Markus Fischer, Präsident des Forums Biodiversität, das den Bericht verfasst hat. sda

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE