31.03.2014 17:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Berner BDP zu «bhäbig»
Ausgerechnet in ihren Berner Stammlanden ist der Höhenflug der BDP jäh gestoppt worden. Laut dem Politologen Adrian Vatter ist die Partei bei den Berner Parlamentswahlen über die eigene Profillosigkeit und über taktische Fehler gestolpert.

Die Konsternation bei der bernischen BDP ist gross. Mit einem solchen Absturz - von 25 auf 14 Parlamentssitze - hatte niemand gerechnet. Bei der BDP-Führungsriege herrschte Ratlosigkeit: Er könne sich die Niederlage nicht erklären, sagte BDP-Präsident Heinz Siegenthaler am Sonntagabend.

Dynamik verloren gegangen

Für den Berner Politologen Adrian Vatter ist hingegen klar: «Der BDP ist es nicht gelungen, sich mit einem eigenständigen Profil in Szene zu setzen.» Die Partei politisiere zu nahe bei SVP und FDP und wirke wie die alte SVP «etwas behäbig und gemütlich», sagte Vatter am Montag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Die Dynamik, die 2008 mit der Abspaltung von der SVP eingesetzt habe, sei verloren gegangen, und die BDP habe sich nicht als alternative bürgerliche Kraft etabliert. Zudem hätten der Partei auf den Grossratslisten die «Stimmensammler» gefehlt. So erreichte 2010 Lorenz Hess ein Spitzenresultat - inzwischen hat er in den Nationalrat gewechselt. Auch trat die am Sonntag brillant wiedergewählte Regierungsrätin Beatrice Simon vor vier Jahren als Zugpferd auch auf der Grossratsliste an.

Die abgewählten BDP-Schwergewichte wie Fraktionschef Dieter Widmer oder ex-BLS-Direktor Mathias Tromp konnten die potenziellen BDP-Wähler nicht mobilisieren. Offenbar waren sie für moderate bürgerliche Frauen nicht wählbar.

Alleingang im Parlament taktischer Fehler

Den dritten Grund für das schlechte Abschneiden sieht Vatter darin, dass die BDP für den Grossen Rat keine Listenverbindungen eingegangen war. Das sei ein taktischer Fehler gewesen, sagte Vatter. Möglicherweise habe sich die Partei nach dem Wahlerfolg von 2010 zu siegessicher gefühlt.

Handkehrum trat die BDP für die Regierungsratswahlen auf der gemeinsamen bürgerlichen Viererliste an. BDP-Frau Beatrice Simon erzielte dabei das Spitzenresultat. BDP-Präsident Siegenthaler mutmasste, dass die Wähler das Päckli mit der SVP nicht goutiert hätten. Dies könnte ein Grund sein, meint auch Politologe Vatter. «Der Misserfolg bei den Parlamentswahlen ist die Kehrseite dieser Medaille». Die BDP sei zwar als Einheit hinter ihrer Regierungsrätin gestanden, habe sich aber dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig als eigenständige Kraft profilieren können.

Landolt plädiert für Mitte-Profilierung

Das sieht auch Martin Landolt als Präsident der schweizerischen BDP so. Offenbar sei es den Bernern nicht gelungen, ihre konservative Herkunft abzulegen und sich als Mittepartei zu positionieren, sagte Landolt gegenüber Radio SRF.

Angesichts des guten Abschneidens der Grünliberalen und der EVP gewinne er den Eindruck, dass es «in der Mitte Platz gehabt hätte». Weil die Berner BDP aber explizit aus der SVP herausgewachsen sei und «dieselbe Politik mit einem anderen Stil weitergefahren hat», zögen die Wähler rechts der Mitte offenbar das Original vor.

Gesamtschweizerisch versuche die BDP, sich als lösungsorientierte Mitte-Partei zu positionieren, die «modern und progressiv» politisiere. Dass der Aufschwung der BDP im Kanton Bern gestoppt worden sei, müsse ein Weckruf sein für die anderen Kantonalparteien.

Bündner BDP gibt sich gelassen

Die nächste Nagelprobe in ihren Stammlanden steht der BDP bei den kantonalen Wahlen vom 18. Mai in Graubünden bevor. Einen «Weckruf» habe die Bündner Kantonalpartei nicht nötig, sagte Parteipräsident Jon Domenic Parolini zur sda. Die Partei sei gut aufgestellt, aber es sei wichtig, die Basis zu mobilisieren.

Die BDP besetzt derzeit im 120-köpfigen Bündner Parlament 27 Sitze und ist nach FDP und CVP drittstärkste Kraft. In der Regierung hält die BDP 2 von 5 Sitzen. Die SVP hat mit Nationalrat Heinz Brand gemäss einer Umfrage aber gute Chancen, der BDP einen freiwerdenden Sitz in der Regierung streitig zu machen.

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