12.03.2018 11:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Bern: Bürgerliche mit guten Karten
In der Berner Kantonsregierung werden drei der sieben Sitze neu besetzt. Doch Spannung kommt vor den Wahlen vom 25. März nicht auf - zu klar sind die Kräfteverhältnisse. Dass die Bürgerlichen ihre Mehrheit verteidigen, bezweifelt kaum jemand.

SVP und BDP schicken ihre Bisherigen ins Rennen, dazu kommt Philippe Müller. Der umtriebige FDP-Mann wurde mit dem Slogan «Müller tut was» bekannt und begann seine Polit-Karriere als freisinniger Stachel im Fleisch der rot-grünen Bundesstadt - als Grossrat soll er nun den Sitz des abtretenden Parteikollegen Hans-Jürg Käser erben.

Seit 2016 wieder bürgerliche Mehrheit


Die Chancen dafür stehen gut. Denn die bürgerlichen Parteien im Kanton Bern halten neuerdings wieder zusammen, sie unterstützen sich gegenseitig und führten einen kompakten Wahlkampf ohne Misstöne und Querschüsse. Mit derselben Geschlossenheit holten sie 2016 in einer Ersatzwahl die Mehrheit in der Kantonsregierung zurück.

Möglich machte dies Pierre Alain Schnegg, ein Unternehmer und politischer Quereinsteiger aus dem Berner Jura. Der SVP-Mann mischte die Gesundheits- und Fürsorgedirektion seines SP-Vorgängers tüchtig auf und gilt längst als starker Mann der Regierung. Sein Parteikollege Christoph Neuhaus musste als Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor schon manch heisses Eisen fassen, richtig die Finger verbrannt hat er sich bislang nicht. Komplettiert wird das bürgerliche Ticket mit der populären Finanzdirektorin Beatrice Simon (BDP), die 2014 das beste Resultat aller Kandidierenden erzielte.

Neue Köpfe bei Rot-Grün

Das Wahlziel des rot-grüne Lagers ist offiziell die Rückeroberung der Regierungsmehrheit. Die Parteistrategen wissen wohl aber sehr genau, wie viele Sitze sie holen werden: drei. Der unauffällige Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) darf mit der Wiederwahl rechnen, die Nationalrätinnen Evi Allemann (SP) und Christine Häsler (Grüne) dürften neu gewählt werden. Sie ersetzen Barbara Egger (SP) und Bernhard Pulver (Grüne), die nach langer Amtszeit abtreten.

Dass Rot-Grün nicht wirklich mit einem Coup rechnen kann, liegt auch am garantierten Sitz des Berner Juras. Ein linker Bernjurassier müsste also Pierre Alain Schnegg schlagen, doch das traut man weder dem offiziellen SP-Kandidaten noch der PSA-Bewerberin zu. Die PSA ist die Partei der separatistischen Sozialdemokraten im Berner Jura. Zwei grosse Blöcke in der Berner Regierung und nichts dazwischen - das hat Tradition. Die Mitte bemüht sich seit langem, das zu ändern. Doch Aussicht auf Erfolg haben EVP und Grünliberale auch diesmal nicht. Auch die Kandidaturen einiger Randfiguren und Spassvögel sind nur von folkloristischem Wert.

Parlament: Klare Verhältnisse

In bürgerlicher Hand ist auch das Parlament. SVP und FDP geben im Grossen Rat seit eh und je den Ton an, mit Unterstützung der EDU und öfters auch der BDP. Stimmt diese mal mit der Mitte - etwa in Umweltfragen -, ergibt sich hin und wieder eine Mitte-Links-Grün-Mehrheit. Um die 160 Sitze buhlen diesmal 2111 Frauen und Männer. Der Frauenanteil beläuft sich auf gut ein Drittel.

Die meisten Bisherigen treten zur Wiederwahl an. Eine Ausnahme bildet die SVP, dort steht wegen der intern geltenden Amtszeitbeschränkung eine spürbare Erneuerung der Fraktion an. Gespannt sind Beobachter auf das Abschneiden der BDP, die vor vier Jahren arg gerupft wurde und nun ihren verbleibenden Besitzstand verteidigen muss. Im Übrigen erwartet man nur punktuelle Verschiebungen innerhalb des Linkslagers, der Mitte und des bürgerlichen Blocks.

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