9.01.2015 14:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Alexandra Schröder
Zürich
Beispiele von fraglichen Fruchtfolgeflächen
Auch im Kanton Zürich sind die Fruchtfolgeflächen rar. Darum müssen auch Golfplatz und Co. hinhalten. Die sind jedoch nicht immer in einem ackerfähigen Zustand. Erklärungen und Massnahmen sind gefordert.

Rund 10% der schweizerischen Fruchtfolgeflächen (FFF) liegen im Kanton Zürich. Insgesamt sollten es 44'400 ha sein. Eine kantonale Überprüfung im Jahr 2010 hat gezeigt, dass diese Zahl auch knapp erreicht wurde. Gemäss Hans Staub, Mitglied der Überprüfungskomission und ehemaliger Präsident des Zürcher Bauernverbands, lägen etwa 3'000 ha FFF in einer Steigung zwischen 18% und 25%, mehr als 1'000 ha in der Grundwasserschutzzone S2–S4, etwa 3000 ha in der Naturschutzzone und rund 1000 ha in der Bauzone.

Bedingungen nicht erfüllt

Ausserdem seien 400 ha in der Erholungszone. Viele dieser Flächen gehören zur Nutzungsklasse 6, wodurch sie als halbe FFF gezählt werden. Einige liegen jedoch auch in den Nutzungsklassen 1–5 und werden somit als vollwertige FFF bewertet.

Die Fruchtfolgeflächen in der Erholungszone sind sogenannte Sonderflächen und können gleichzeitig auch Fussballplätze, Pferdesportanlagen, Campingplätze und Golfplätze sein. Vorausgesetzt wird jedoch, dass die Flächen nicht baulich verändert worden und intakt sind. Recherchen zeigen, dass dies nicht immer der Fall ist. Der Golfplatz in Lufingen nahe beim Flughafen Kloten wurde zum Beispiel eindeutig baulich verändert.

Teiche und Sandplätze

Einige Teilflächen des Golfplatzes wurden begradigt, zudem wurden mehrere Sandflächen und Teiche gebaut. Auch der Campingplatz in Saland im Tösstal widerspiegelt nicht eine Fruchtfolgefläche der besten Klasse. Der Weg in der Mitte des Platzes könnte eine allfällige Wiederinbetriebnahme der FFF erschweren, zudem stehen diverse Bäume auf der Fläche, und Steinplatten umrunden die Wohnwagen. Die Pferderennanlage in Dielsdorf sieht auf den ersten Blick ziemlich gut erhalten aus, aber auch hier findet man Bäume und einen Sandplatz. 

Erklärungen dafür liefert Marco Pezzatti, stv. Chef des kantonalen Amts für Landschaft und Natur (ALN): «Die Fruchtfolgeflächenpläne im Geografischen Informationssystem der Kantons Zürich GIS sind grundsätzlich aktuell – Nachführungen werden jedoch nicht täglich, sondern paketweise vorgenommen.» Im Fall des Golfplatzes in Lufingen sei das Erweiterungsprojekt inklusive der Kompensationsflächen für Fruchtfolgeflächen ausserhalb des Golfperimeters noch nicht abgeschlossen und daher der Bau noch nicht abgenommen.

«Grundsätzlich aktuell»

Der Teich sei Teil der Platzerweiterung, künftig gilt diese Fläche nicht mehr als FFF. Die Nachführung der FFF-Karte erfolge jedoch erst nach der Abnahme des Bau- und Kompensationsprojekts durch die Fachstelle Bodenschutz des ALN. «Generell müssen bei sämtlichen Bauprojekten ausserhalb von Bauzonen beanspruchte Fruchtfolgeflächen kompensiert werden», so Pezzatti. Und dazu gebe es Aufwertungsprojekte.

Dies könnten Böden zum Beispiel mit alter und schlechter Auffüllung, schlecht drainiertes Moor oder schlecht bewirtschaftbares Land sein. Diese Projekte seien allerdings erst in den letzten Jahren eingeführt worden. «Noch besser wäre es, wenn Golfplätze und Co. auf schlechteren Böden gebaut werden und damit die produzierende Landwirtschaft weniger konkurrieren», erklärt Pezzatti.

Sonderflächen

Im Kanton Zürich können, unter bestimmten Voraussetzungen, auch Golf-, Fussball-, Campingplätze und Pferdesportanlagen zu den Fruchtfolgeflächen gezählt werden. Dabei müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Die Flächen müssen intakt sein, dürfen nicht baulich verändert sein, und sie müssen innerhalb eines Jahres wiederhergestellt werden können. asc

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