11.09.2015 15:21
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
BE: 4 Standplätze für Fahrende
Der Kanton Bern will in den nächsten zwei Jahren vier definitive Stand- und Durchgangsplätze für Schweizer Fahrende einrichten. Im Visier hat er Parzellen in Erlach, Muri bei Bern, Matten bei Interlaken und im Oberaargau. Die Fahrenden loben den Kanton Bern dafür als vorbildlich.

Mike Gerzner, der Präsident der Bewegung Schweizer Reisende, zeigte sich am Freitag vor den Medien «sehr zufrieden». Er wünschte sich, dass auch andere Kantone so mit den Reisenden zusammenarbeiten würden. Das Angebot im Kanton Bern reiche den Jenischen aus, fügte Gerzner an.

Viereinhalbtausend Grundstücke geprüft

Nicht immer war die Stimmung zwischen der Obrigkeit und den Fahrenden so gut. Im Frühling 2014 protestierte eine grössere Gruppe Fahrender auf der Berner Allmend, um ihrer Forderung nach mehr Stand- und Durchgangsplätzen in der Schweiz Gehör zu verschaffen - mit Erfolg. Im Kanton Bern wurde die Suche nach Plätzen intensiviert. In den Monaten nach der Protestaktion wurden verschiedene provisorische Plätze eröffnet. Bis Ende 2017 wollte der Kanton aber nicht nur Provisorien eröffnen, sondern bis zu fünf definitive Plätze finden.

Nicht weniger als 4500 mögliche Grundstücke von Bund, Kanton, Gemeinden und Privaten wurden evaluiert, wie Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor Christoph Neuhaus am Freitag vor den Medien sagte. Nun zeichnen sich Lösungen an vier Standorten ab. In Erlach ist dies ein Parkplatz, der im Sommer von Ausflüglern genutzt, im Winter aber leer steht. Er soll Fahrenden deshalb als Winterquartier dienen.

In Muri bei Bern bestehen sei geraumer Zeit planungsrechtliche Grundlagen für einen Winterstandplatz. Auf dem Land soll nun ein ganzjährig nutzbarer Platz entstehen. In Matten bei Interlaken soll aus einem provisorischen Durchgangsplatz eine definitive Lösung werden. Der Entscheid der Gemeinde steht noch aus. Sie will zuerst mit dem Provisorium genügend Erfahrungen sammeln. Im Oberaargau laufen gemäss Neuhaus weitere Abklärungen für einen Standort. Spruchreif sei aber noch nichts.

Kanton baut, Gemeinde betreibt

Die Planung und der Bau der Stand- und Durchgangsplätze obliegt dem Kanton Bern. Das Berner Kantonsparlament wird voraussichtlich 2016 über einen Baukredit befinden. Auf eine Kostenschätzung liess sich Neuhaus am Freitag noch nicht ein.

Für den grundsätzlich kostendeckenden Betrieb der Plätze sind die Gemeinden verantwortlich. Für jeden Platz gibt es eine Platzordnung. Die Fahrenden entrichten eine Miete, wie Mike Gerzner betonte. Die vier geplanten Plätze ergänzen die bestehenden Angebote in Thun-Allmendingen und Jegenstorf sowie die Standplätze in Biel und Bern.

Anerkannte Minderheit

Der Mangel an Stand- und Durchgangsplätzen für Fahrende ist ein altes Problem und beschäftigt nicht nur den Kanton Bern. 1998 wurden Fahrende vom Bund als Minderheit anerkannt, 2003 anerkannte das Bundesgericht ihr Recht auf angemessene Halteplätze.

Zwar entstanden daraufhin vielerorts Konzepte, doch die Suche nach Standorten gestaltete sich schwierig - nicht nur im Kanton Bern. Boden ist in der Schweiz ein rares Gut und nicht selten schlägt Fahrenden noch immer Misstrauen entgegen. Etwas Bewegung in die Sache kam erst letzten Frühling nach dem Fahrenden-Protest in Bern.

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