15.08.2020 07:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleisch
Baumann will Proviande Gelder streichen
Nationalrat Killian Baumann (Grüne/BE) nimmt die Branchenorganisation Fleischwirtschaft, Proviande, ins Visier. Der Biolandwirt aus dem Berner Seeland will, dass der Bund die Fleisch-Werbung der Branche nicht mehr mitfinanziert. Insgesamt möchte er den Fleischkonsum drosseln.

Killian Baumann hat in den ersten Monaten als Nationalrat bereits einige Vorstösse lanciert. Und diese haben es in sich. Der Halter von Mutterkühen hat sich auf die Fahne geschrieben, den Fleischkonsum der Bevölkerung zu drosseln. «Die Fleischproduktion trägt einen erheblichen Teil zur Klimaerwärmung bei. Wir müssen deshalb unbedingt runter mit dem Konsum», sagte Baumann bereits im Juni 2020.

Werbung verfassungswidrig

Ein Dorn im Auge ist dem Biolandwirt die Fleisch-Werbung. Die suggeriere den Konsumenten ein falsches Bild. «Proviande wirbt absichtlich mit Rindfleisch, was sehr geschickt ist. Bei Kühen ist der Weide-Anteil sehr hoch, anders als beispielsweise beim Poulet. Wird allerdings Fleisch für die Gastronomie produziert, leben auch die Rinder oft in Hallen, erhalten Mais und Kraftfutter und sehen nie eine Weide», sagt Baumann zum Onlineportal nau.ch.

Der Berner erachtet die Werbung nicht nur als tendenziös, sondern sogar als verfassungswidrig. «Gemäss dem Artikel für Ernährungssicherheit muss die Lebensmittelproduktion standortangepasst sein. Das ist bei der Weidehaltung von Rindern der Fall, nicht aber bei der Pouletmast», hält er fest. 

Schadet Label-Produzenten

Bei der Weidehaltung handle es sich vor allem um Label-Produkten. Schweizer Fleisch sei aber kein Nachhaltigkeitslabel. «Bei dieser konventionellen Mast sieht die Wasser-Bilanz deutlich schlechter aus. Für die Futterproduktion muss wegen der zunehmend bewässert werden», so Baumann.

Die Werbung von Proviande sei absichtlich irreführend und schade den Label-Fleischproduzenten. Deshalb will er einen Vorstoss lancieren, damit der Bund der Fleischbranche die Gelder entzieht. 

Bundesanteil maximal 50 Prozent

Der Bund kann gemäss Landwirtschaftsgesetz nationale oder regionale Massnahmen der Produzenten und Produzentinnen, der Verarbeiter oder des Handels zur Förderung des Absatzes schweizerischer Landwirtschaftsprodukte im In- und Ausland mit Beiträgen unterstützen

Zu diesem Zweck kann er auch die Kommunikation zu den von der Landwirtschaft erbrachten gemeinwirtschaftlichen Leistungen unterstützen Der Bundesanteil beträgt gemäss Verordnung über die Unterstützung der Absatzförderung für Landwirtschaftsprodukt maximal bei 50 Prozent der Kosten.

Rund 6 Millionen Franken

Für jeden Franken, denn die Branche in Kommunikationsmassnahmen steckt, kommt also maximal ein weiterer Franken vom Bund hinzu. Insgesamt belaufen sich die Bundesbeiträge für die Absatzförderung beim Fleisch auf rund 6 Millionen Franken.  

Baumann ist nicht der erste Parlamentarier, der die Absatzförderung in Frage stellt. Sein Parteikollege und Nationalrat Balthasar Glättli (ZH) wollte im Frühling 2015 vom Bundesrat wissen, ob er diese Beiträge hinterfrage. 

Für Bundesrat wichtiges Instrument

«Die Absatzförderung unterstützt die Branche dabei, die Konsumenten über die Qualität und Vorzüge von Schweizer Erzeugnissen zu informieren, und leistet somit einen Beitrag zur Schaffung optimaler Rahmenbedingungen für die produzierende Landwirtschaft», antwortete die Landesregierung damals. Ziel der Absatzförderung für Fleisch sei die Positionierung von Schweizer Fleisch gegenüber Importprodukten und nicht eine Steigerung des Fleischkonsums. 

Der Bundesrat erachtet die Absatzförderung für Schweizer Fleisch als wichtiges Instrument, um die Konsumenten über die Vorteile von einheimischem Fleisch in den Bereichen Nachhaltigkeit und Tierwohl zu informieren. 

Fleischproduktion ändern…

Baumann will die Fleischproduktion in der Schweiz ändern. «Drei Viertel der Schweizer Landwirtschaftsfläche sind Grünland, welches wir fast nur über das Tier nutzen können. Damit können wir nachhaltig Milch, Käse und Fleisch produzieren. Als Bauernvertreter bin ich Verfechter dieser Kultur», sagt er zu nau.ch. Schweine und Hühner sollen gemäss Baumann nur noch mit Nebenprodukten gefüttert werden. 

… und drosseln

Der Berner hat sich zudem zum Ziel gesetzt, den Fleischkonsum in der Schweiz zu drosseln. In seinem 10-Punkte-Plan für eine ökologische Landwirtschaft ist ein geringerer Fleischkonsum enthalten. 

In der Sommersession hat er die Motion die «Massnahmenplan zur Reduzierung des Fleischkonsum» eingereicht. Darin fordert er den Bund auf, mit einer nachhaltigen öffentlichen Beschaffung eine beispielhafte Vorreiterrolle bei der Reduzierung des Fleischkonsums zu übernehmen. Zudem soll der Bund mit einer Informationskampagne die Bevölkerung über die Folgen des Fleischkonsums aufklären.

Bund soll Vorreiterrolle übernehmen

«Die Landwirtschaft ist in der Schweiz für 13 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. 85 Prozent dieser Emissionen sind auf die Nutztierhaltung zurückzuführen», schreibt Baumann in seiner Motion. 

Mit dieser Motion will der Biobauer auch bei der Schweizer Armee ansetzen. Der 39-Jährige, der auf seinem Hof rund 20 Fleischrinder hält und das Fleisch direkt vermarktet, will den Fleischkonsum nicht verbieten. «Die Armee könnte ein Vorbild sein und den Soldaten weniger Fleisch auftischen», sagte Baumann im Juni zu «Blick».

Massnahmen zur Reduzierung des Fleischkonsums

Doch in seiner Motion wird aber deutlich, dass er die Ernährung doch lenken möchte. Denn dort heisst es: «Das Reduktionsziel kann nur durch eine gleichzeitige Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion in Verbindung mit einer Ernährungsumstellung hin zu vermehrt pflanzlichen Nahrungsmitteln erreicht werden. Es ist folglich unumgänglich, konsumbasierte Massnahmen zur Reduzierung des Fleischkonsums zu ergreifen, um die Emissionsziele der Landwirtschaft zu erreichen.»

10-Punkte-Plan von Kilian Baumann

1) Kulturlandschutz stärken; 2) mehr inländische, erneuerbare Energie; 3) Interessen von Kleinbetrieben stärken, da diese in Krisen widerstandsfähiger seien; 4) soziale Situation der Landarbeiterinnen und -arbeiter verbessern; 5) mehr Vielfalt und weniger Auslandabhängigkeit bei Saat- und Pflanzgut; 6) Pestizid- und Kunstdüngereinsatz reduzieren; 7) Feed no Food; 8) Food Waste reduzieren; 9) Fleischkonsum reduzieren; 10) faire und ökologische Handelsbeziehungen stärken. sal

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